Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 25 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 »Neue National-Zeitung« Nr. 25 sie alle niedersten Leidenschaften and Instinkte der breitesten Bevölkerungsschichten wach rief. Dazu trugen ferner die iß den Reihen der Sozialdemokratie stehenden Juden bei, sowie gewisse „unabhängige Juden" (!), welche lediglich aus persönlicher Ranküne gegen Di\ S t r a u c h e r für den Sozialdemokraten agitierten. Angesichts der geschlossenenPhalanxderSozialdemokraten,aÜerdeutschen und rumänischen Wähler sowie ihrer jüdischen Helfer müßte der jüdische Kandidat fallen. Die 100.G00 Juden der Bukowina, die im vorigen Parlamente über 2 Mandate verfugten, haben nunmehr eines verloren; die 50.000 Deutsche haben ihre beiden Mandate behauptet. Dafür haben sich die Juden und Deutsche bei den Kultusvorstehern des Städtebezirkes Suczawa, Radautz und Sereth zu bedanken, welche ihre jüdischen Majoritäten dem Professor Skedl zur Verfügung stellten. Wohl hat Herr Dr. Skedl versprochen, wie manche behaupten, sogar sich ehren wörtlich verpflichtet, für den jüdischen Kandidaten in Czernowitz-West einzutreten; nichtsdestoweniger waren es gerade deutsche Professoren der Czernowitzer Universität (Scharitzer and Roschmann), welche das Die ßelclisratswalilen in Galizien. Zwei Jüdischnationale gewählt. Wie wir bereits in unserer letzten Nummer mitzuteilen in der Lage waren, ist unser Gesinnungsgenosse Dr. Arthur Mahler im Landgemeindenbezirke Trembowla-Czortköw mit über 12000 Stimmen gegen den allpolnischen Kandidaten, Staatsanwaltsubstitut Socha, in der Stichwahl gewählt worden. Die Wahl dieses jüdischnationalen Kandidaten in einem Landgemeindenbezirke hat die gesamte polnische Presse mit einem Aufschrei des Entsetzens aufgenommen. In verzweiflungsvollen Leitartikeln jammern alle Blätter, ohne Unterschied ihrer Parteistellung, über den schweren Sehlag, den die polnische Nation durch die Wahl eines „deutschen Juden" erlitten hat! Der Name Artur Mahler, den vor vier Wochen seine eigenen Wähler kaum gekannt haben, ist heute in Galizien selbst in die Bauernhütten gedrungen; so sehr hat diese Wahl das polnische Volksbewußtsein bis ins Innerste getroffen. Es mag ja sein, daß diese Wahl selbst von national-jüdischer Seite nicht erwartet wurde. In Galizien ist ja bekanntlich kein Oppositioneller dagegen sicher, durch Fälschungsstückchen und Wahlschwindeleien der Machthaber zu Falle gebracht zu werden. Allein die Wahl eines jüdischen Kandidaten in einem Landgemeindenbezirk war auch nicht von vornherein ausgeschlossen. Bloß die polnische Schlachta und ihre allpolnischen Lakaien waren in ihrem nationalen Eigendünkel so töricht, zu glauben, daß sie in den zehn nationalgemischten Landgemeindenbezirken die Minoritätsmandate bekommen müßten, weil die jüdischen Wähler für sie stimmen würden. Ein objektiver Politiker, der nicht wie der Wahlgeometer des Polenklubs, Herr Professor Glombinski, von einem nationalen Chauvinismus beherrscht ist, müßte folgendermaßen kalkulieren: Die Polen benötigen in den zehn nationalgemischten Bezirken, um die Minoritätsmandate zu erobern, mindestens 25 % der Wähler. In diesen zehn Bezirken gibt es aber keine 25% polnischer Wähler. Es können daher die Polen nur dann 25% der Wähler erreichen, wenn die Juden für sie stimmen. Stimmen für sie die Juden nicht, dann haben die Polen keine 25% Minorität und sie können das Minoritätsmandät nicht erobern. So steht die Sache für jeden klar denkenden Politiker, der die Tatsachen logisch zu erwägen pflegt. Doch die Polen wollten daran gar nicht denken und wollten davon gar nichts wissen, daß die Juden anders als polnisch stimmen würden. Und da haben sie sich verrechnet. Die Juden haben anders, sie haben jüdisch gestimmt. Der ganze schwindelhafte Kartenbau des komplizierten Pluralitätssystems mit seinen 25 % igen Minoritätsmandaten ist an dem neuerwachten Nationalbewußtsein der Juden jämmerlich zerschellt. Die jüdischnationale Partei hat fünf Kandidaten in den nationalgemischten Landgemeinden aufgestellt. Und kaum ist im polnischem Blätterwalde das Echo des Aufschreies über die Wahl Mahlers verhallt, da ertönt die neue Botschaft von der Wahl unseres Gesinnungsgenossen Dr. Heinrich Gabel in dem Landgemeindebezirk Buczacz - Monasterzyska wider den allpolnischen Kandidaten mit 14.000 Stimmen. Der Ingrimm der polnischen Presse hat das höchste Maß erreicht, und sie muß zugeben, daß alle Ausnahmsbestimmung-en der Wahlordnung: betreffs Galizien nicht jBehi^in jfer^Lage^sind, die Oligarchie der Schlachta 23sz> &szmz£5%s^ pzsaszzzxzzz; 2±r^ — j&b zw¥f ms&s&kWzm M^mm^M l£ den jüngeren, aber auch zu ttön tttetoagstsik Ej&tei innerhalb der jüdischnationalen Partei. Dr. MahLer ist Dozent an der deutschen Universität Prag, Dr. Gräbel ist Advokat in Lemberg. Im schönsten Mannesalter, kaum 35 Jahre alt, sind sie auf einen verantwortungsvollen Posten berufen, wo ihnen ein schwerer, aber ehrenvoller Kampf bevorsteht. Die Augen der gesamten jüdischen Bevölkerung Galiziens, ja, Oesterreichs, sind auf sie gerichtet. Die Hauptwahlen vom 23. Mai. An diesem Tage fanden in 17 Stadtbezirken Galiziens die Hauptwahlen statt. In 7 Bezirken standen den offiziellen Kandidaten des Polenklubs die jüdischnationalen Kandidaten gegenüber. Es herrschte überall ein erbitterter Kampf. Voll Begeisterung trat das Gros der jüdischen Wähler für die jüdischnationalen Kandidaten ein, nicht achtend auf alle Chikanen, Drohungen und Erpressungen, denen sie seitens der mit den Bezirkshauptleuten verbundenen Kahalcliquen ausgesetzt waren. Und wenn es der jüdischnationalen Partei trotz der gewaltigen Mächte, denen sie gegenüber gestanden ist, trotzdem gegen sie mit den verruchtesten Mitteln der galizischen Wahlkorruption gearbeitet wurde, gelungen ist, in 3 Städtebezirken in die Stichwahl zu gelangen und in 4 Bezirken höchst ansehnliche Minoritäten zu erreichen, so muß dieser Erfolg in den Augen jedermanns, der die Ausnahmsstellung des galizischen Statthalters und der galizischen Bezirkspaschas in Oesterreich kennt, als ein glänzender Sieg erscheinen. In die Stic h wählen komm en: 1. Dr. Samuel Rappaport in Brzezany, (1141 Stimmen) wider den kons. Polen Dr. Du lern ba (2439 Stimmen); auf den Sozialdemokraten entfielen lediglich 744 Stimmen; auf den polnischen Demokraten 800 Stimmen. 2. Dr. Adolf Stand in B r o d y (1493 Stimmen) wider den Hausjuden Dr. Wollerner (1517 Stimmen); auf den jüdischen Sozialdemokraten Dr. Löwenherz entfielen lediglich (1442 Stimmen). 3. Dr. Abraham Salz in Stryj (1722 Stimmen), wider den Sozialdemokraten Moraczewski (2015 Stimmen). Der Hausjude Dr. Aschkenase, der als Leiter des Wahlblättchens auch die ganze Preßkampagne gegen die jüdischnationalen Kandidaten führte, ist trotz Unterstützung des Statthalters und der Rada Narodowa im. I. Wahrsage durchgefallen,