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Neue Nationalzeitung · 1907-05-24 · Heft 24 (24.5.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 24 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue Natlonal-Zeitung« Nr. 24 Familien, die mit zwei oder drei Ausnahmen regelrechte Niederlassungserlaubnis hatten. Alle diese Familien haben nachstehenden Befehl erhalten. Befehl. Wir, Bürgermeister der Gemeinde Saueresti, Bezirk Bäcäu. In Anbetracht, daß Avram Bercovici die Bedingungen des Artikels 5 des Gesetzes über die Organisation der Landgemeinden nicht erfüllt; in Anbetracht, daß der genannte bisher die in diesem Artikel vorgesehenen Akten zur Erlangung der Niederlassungserlaubnis nicht eingereicht hat, demgemäß und auf Grund des Gesetzes sowie der einschlägigen Ministerial-Verfügungen, befehlen, daß der genannte Avram Bercovici die Gemeinde binnen 5 Tagen nach Empfang dieses zu verlassen hat und tun ihm kund, daß er eventuell nach den Bestimmungen des Gesetzes abgeschoben werden wird. Der Bürgermeister: V. Anghiel. Der Sekretär: (unleserlich). No. 1429. 1907, April 25. Unter Bezugnahme auf den Befehl No. 1429 vom heutigen Tage teile ich Ihnen mit, daß Ihnen eine Frist zum Verlassen der Gemeinde von nur 48 Stunden nach Empfang dieses gewährt ist, nicht von 5 Tagen, wie irrtümlich angegeben war. Der Bürgermeister: V. Anghiel. Der Sekretär: (unleserlich). No. 1463. 1907, April 25. Herr Eadu Porumbaru, Präfekt von Bäcäu, einer derwildestenAntisemiten Rumäniens, derselbe, der einmal einem jüdischen Kutscher mit Vitriol Brandwunden beibringen ließ, will den völligen Ruin der Juden von Staueresti, von denen einige nach Bukarest gekommen sind, unsere Hilfe und unseren Beistand zu erbitten. Neue Bemühungen bei dem Ministerium, wenigstens einen Aufschub von einigen Tagen zu erlangen, sind vergeblich gewesen. Herr Bratianu zeigt sich unbeugsam. Fortgesetzt laufen beunruhigende Nachrichten über die Ernte ein. Die Trockenheit nimmt von Tag zu Tag zn. Man spricht bereits von Hungersnot. Die landwirtschaftlichen Aussichten sind nichts weniger als beruhigend. Kussland. Ein jüdischer Soldat beim Zaren. St. Petersburg. Am letzten Montag wurde Isak Stolberg aus Jekaterinoslaw nach Zarskoje Selo berufen. Er stammt von armen jüdischen Eltern und hat nur Volksschulbildung genossen. Er machte, als Soldat den Krieg in Ostasien mit, bei welcher Gelegenheit er die Aufmerksamkeit des Generals Mischtschenko auf sich lenkte. In allen Schlachten und Gefechten, welche die Abteilungen dieses Generals mitmachten, hatte Stolberg einen großen Anteil, die gefahrvollsten Missionen wurden von ihm ausgeführt. Von allen Regimentern wurden dem jüdischen Soldaten besondere Ehren erwiesen, sein Ruhm verbreitete sich in der Armee, und Mischtschenko erstattete Bericht an den Zaren. Nicht nur russische Orden erhielt der tapfere Mann, sondern er wurde auch vom Zaren empfangen und bei dieser Gelegenheit zum Offizier in einem Petersburger Garde-Regiment ernannt. Als der Zar fragte, was er noch wünsche, antwortete Stolberg: „Nichts!" Darauf erschien die Zarin mit dem Thronfolger im Saale und der Zar zeigte den Soldaten dem Thronfolger mit den Worten: „Das ist der bravste unserer Soldaten." Und schließlich saß der Zarewitsch auf dem Schoß des jüdischen Soldaten. Was werden dazu die „echt russischen Leute" sagen? Jetzt ist Stolberg der gesuchteste Gast bei allen Generalen von Petersburg. In der ganzen Armee haben nur vier Soldaten die höchste Auszeichnung erhalten, darunter Stolberg und noch ein zweiter Jude, ein früherer Dentist. Als diesem im Feldzuge ein Arm amputiert wurde, bat er, man solle ihm einen Revolver bewilligen und ihn wieder in den Kampf zurückkehren lassen. Palästina. Der jüdische Gemeindevorstand am Bord des österr.-ungar. Admiralscliiffcs. Jerusalem. Der Vizeadmiral der österreichischen Flotte, Herr von Ziegler, landete dieser Tage in der Hafenstadt Jaffa. Bei Gelegenheit seines Besuches, den er der heiligen Stadt Jerusalem abgestattet, äußerte er dem österr.-ungarischen Konsul gegenüber den Wunsch, die Vorstandsmitglieder der österr.-ungar. jüd. Gemeinde (Kolel) auf seinem Admiralschiffe zu empfangen. Der Konsul seinerseits übermittelte dem Vorstande diesen Wunsch des Admirals auf telegraphischem Wege, und dieser beeilte sich, der die Gemeinde ehrenden Einladung Folge zu leisten. Am nächsten Tage reiste der gesamte Geineindevorstand unter Führung des Oberrabbiners J. Ch. Sonnenfeld nach Jaffa, woselbst sie von den Beamten des österr.-ungar. Konsulats und verschiedenen anderen Korporationen am Bahnhofe erwartet und zum Hafen geleitet wurden. Ein Dampfboot des Admiralschiffes stand hier bereit, sie schifften sich ein und erreichten das Admiralschiff, wo ihnen ein glänzender Empfang bereitet wurde. Die Musik intonierte die österreichische Volkshymne und mehrere hohe Marine-Offiziere geleiteten die Deputation in das Admiralskabinett. Sr. Ehrwürden Herr Sonnenfeld hielt eine längere Ansprache und betonte, daß die ganze Gemeinde in Liebe und Treue zu Kaiser und Reich stehe und überreichte dem Admiral eine in hebräischer Sprache abgefaßte Huldigungsadresse an Se. Majestät den Kaiser und König Franz Josef I., mit der Bitte, diese beim Eintreffen in Wien auf den Stufen des allerhöchsten Thrones niederlegen zu wollen. Herr von Z i e g 1 e r erwiderte, es freue ihn außerordentlich, den jüdischen Gemeindevorstand bei sich empfangen zu können, er sei von der Loyalität der jüdischen Gemeinde überzeugt, und werde die Huldigungsadresse, sofort nach seiner Ankunft in Wien, unverzüglich übermitteln. Der Vizeadmiral dankte der Deputation wiederholt für deren Erscheinen und verabschiedete sich von jedem in der freundlichsten Weise, nachdem er sie noch vorher eingeladen hatte, sein neu ausgestattetes Kriegsschiff zu besichtigen. Unter den Klängen der Militärmusik bestiegen sie sodann das zu ihrer Verfügung bereitstellende Dampfboot, daß sie unter Begleitung vieler Offiziere nach Jaffa brachte. In Jerusalem angekommen verteilte der Kolel 500 Francs unter die jüdischen Ortsarmen, eine Summe, welche ihnen Herr Vizeadmiral von Ziegler zu diesem Zwecke mitgegeben hatte. :m ftllSN W£ßtf iL£N Höhere Töchterschule. Ort der Handlung: Frau Dr. Burtins höhere Töchterschule in Berlin, Markgrafenstr. 101. Trudehen T., 12'Jahre alt, verläßt vor Beginn des jüdischen Unterrichts die Klasse, resp. findet sich dafür zum protestantischen Religions- Unterricht prompt ein. Eine Mitschülerin fragt erstaunt: »Aber du bist doch Jüdin?« »Nicht mehr,« antwortet Trudehen stolz, »meine Eltern haben uns taufen lassen.« »Warum denn?« »Ja, siehst du, jetzt werden in Rußland wieder die Juden totgeschlagen und da kommen so viele »eklige« Juden nach Berlin, und da will Mama und Papa nicht, daß wir auch noch Juden sind.« Da am 30. d. M. ein christlicher Feiertag ist, gelangt die nächste Nummer unserer Wochenschrift erst am 31. zur Versendung.

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