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Neue Nationalzeitung · 1907-05-24 · Heft 24 (24.5.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 24 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24 »Neue National-Zeitung« Seite 9 Im Interesse der Sicherheit und unbedingt notwendigen Zuverlässigkeit solcher Bureaus erlauben wir uns, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß uns bekannt ist, daß ein aus Ungarn stammender A. Hoffmann, der sich vor einigen Jahren in Straßburg i. E., in Basel, Zürich, Luzern etc. herumtrieb und eine Menge Schwindeleien beging, sich jetzt in Buenos Ayres als »Rabbiner Dr. Hoffmann« aufhält. Vermutlich ist er mit dem Schreiber des obigen Briefes identisch. Es wäre sehr bedenklich, das Schicksal unserer jüdischen Emigranten einem solchen Manne anzuvertrauen. Auf Grund dieses Briefes wandte sich das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten telegraphisch an die Direktion der IKA in Buenos Ayres, um über die Zuverlässigkeit des Dr. Hoffmann Erkundigungen einzuziehen. Die telegraphische Antwort lautet, daß Dr. Hoffmann nicht empfohlen werden kann und die Union Israelite Argentina, auf die er sich beruft, ohne jede Bedeutung ist. Das Zentralbureau hält es für seine Pflicht, im Interesse der jüdischen Auswanderer diese Tatsachen der Oeffentlichkeit einstweilen mitzuteilen und wird es sich angelegen sein lassen, weitere Erkundigungen einzuziehen. K0RR6SPONE>6NZgN o Oesterreich-Ungarn. Die magyarisch-jüdischen Chauvinisten gegen die „N uiie National-Zeitung". Wien. Der „Ungarische Israelit" ist schrecklich darüber aufgebracht, daß wir ein Interview mit dem Keichstagsmitglied Dr. Vayda veröffentlicht haben. Er nennt sich zwar „ein unparteisches Organ", aber seine Unparteilichkeit ist eben eine solche, wie sie den ungarischen Machthabern gefällt. Wir werden uns vor allem mit einem Blatte, das die Hetze der magyarischen reaktionären Koalition gegenüber dem rumänischen Abgeordneten Dr. Vayda als eine „gebührende Abfuhr" bezeichnet, nicht in eine Diskussion über „Geschmack" einlassen. Ob es nicht am Platze war, im Gegensatze zu den Assimilanten- Blättern — in deren erster Reihe der „ungarische Israelit" rangiert — auch einmal außer den magyarischen Chauvinisten mit ihrem latenten Antisemitismus, einen offenen Gegner des assimilatorischen Judentums zum Worte kommen zu lassen, darüber zu entscheiden, sind unsere Leser kompetent — keineswegs aber der „Ungarische Israelit".. Es ist übrigens die purste Demagogie, uns, die wir mindestens so scharf wie der „Ungarische Israelit" gegen die barbarischen Judenverfolgungen in Rumänien Stellung nahmen, über diese Vorlesungen zu halten. Aus diesen Exzessen in Rumänien — die infolge der borniertmagyarisch - chauvinistischen Politik der ungarischen assimilatorischen Juden leicht in Ungarn Nachahmung finden könnten — zu folgern, die ungarischen Juden müßten die Schleppträger einer Minorität magyarischer Exaltados im Kampfe gegen die deutsch-slavisch-rumänische Landesmajorität sein — deren unveräußerliches Recht auf Erhaltung ihrer Nationalität „ärgster Vaterlandsverrat" genannt wird — das begreifen wir vom jüdischnationalen Standpunkte aus nicht. Noch weniger kennen wir ein „jüdisches Gesetz", welches die Förderung des Wohles eines Landes, die Treue zu ihm, darin erblickt, daß sich die Juden verführen lassen, Schergendienste der magyarischen Minderheit zu leisten, wenn sie die Majorität der N i c h t magyaren brutal ihres elementarsten Rechtes auf nationale Existenz beraubt. Freilich, die „guten treuen Juden", die nicht einen Funken jüdischen Nationalgefühls besitzen, haben naturgemäß auch kein Gefühl für Recht und Billigkeit gegenüber anderen Nationalitäten. Diese „judäomagyarische" Politik können wir allerdings nicht mitmachen. Eine Rabbincrwahl. Budapest. Sonntag, 12. d. M. ist die Wahl eines Rabbiners für die Synagoge in der Rombachgasse, welche als „Rombachschul" die Verkörperung der orthodoxen Richtung in der Reformgemeinde bildet, durchgeführt worden. Der Wahlakt vollzog sich in dem Saale der Mädchenschule der israelitischen Gemeinde. Leiter der Wahl war Herr Gustav G. Ehrlich. Der Kandidat des Gemeinde-Ausschusses war der Altofner Rabbiner Doktor Elias Adler. Die Abstimmung hatte mit Ja oder Nein zu erfolgen. Die Beteiligung der Wähler an der Abstimmung war eine recht lebhafte. Die Abstimmung begann um 9 Uhr und dauerte bis 6 Uhr abends. Um 6V2 Uhr verkündete der Präsident der Wahl folgendes Resultat: Abgegeben wurden insgesamt 1755 Stimmen. Für Dr. Elias Adler wurden abgegeben 1470, gegen Dr. Adler 285 Stimmen. Demnach wurde Dr. Elias Adler mit einer die erforderliche Zweidrittel-Majorität weit übersteigenden Mehrheit von 1185 Stimmen zum Rabbiner der Pester israelitischen Religionsgemeinde gewählt. Dieses Resultat wurde von den Anhängern Dr. Adlers mit stürmischen Eljenrufen begrüßt. Die Wahlkommission mit Herrn Gustav G. Ehrlich an der Spitze begab sich nach Altofen und teilte dem neugewählten Rabbiner das Resultat der Wahl mit. Dr. Elias Adler dankte in Worten tiefer Rührung und gelobte, als Rabbiner, Patriot und Mensch dahin zu wirken, daß der gute Ruf der größten und schönsten israelitischen Gemeinde des Landes gemehrt werde. Bemerkenswert ist, daß der Führer der Opposition, Herr Universitäts-Professor Dr. Max Schächter, nach vollzogenem Wahlakt dem Wahlpräsidenten Herrn Ehrlich öffentlich den Dank für die streng unparteiische Leitung der Wahl in warmen Worten ausgedrückt hat. Bemerkenswert ist, daß Dr. Adler kein Rabbinerseminar alsolvierte, sondern lediglich ein Diplom (Hatarah) vom verstorbenen Pressburger Oberrabbiner erhalten hat. Deutsches Reich. Köln. Der VIII. Zionistische Kongreß wird vom 14. bis 20. August in Haag, in „Het Gebouw voor Kunst en Wetenschappen" stattfinden. Hamburg (Schiffsnachrichten). Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: „Barcelona", von Baltimore kommend, 16. Mai 5 Uhr 45 Min. nachm. Lizard passiert. „Deutschland", nach New-York, 17. Mai 4 Uhr morgens Dover passiert. „Hamburg", von New-York nach Neapel und Genua, 16. Mai 5. Uhr nachm. in Gibraltar angekommen und 8 Uhr abends weitergegangen. „Kaiserin Auguste Victoria", 16. Mai 10 Uhr morgens von New-York über Plymouth und Cherburg nach Hamburg. „Logician", 11. Mai 4 Uhr nachm. von New- Orleans nach Hamburg. „Patricia", von New-York kommend, 17. Mai 7. Mai 7 Uhr 20 Min. morgens auf der Elbe. „Pisa", 16 Mai 12 Uhr mittags von Baltimore nach Hamburg. Westindien, Mexiko, Südamerika: „Antonina" 16. Mai von Ceara. „Fürst Bismark", 14. Mai von Vera Cruz nach Havana. „La Plata", nach Nordbrasilien, 16. Mai 8 Uhr morgens Cuxhaven passiert. „Nicaria", 13. Mai von Corral. „Patagonia" von Westindien kommend, 16. Mai 6 Uhr 20 Min. nachm. auf der Elbe. „Sardinia", nach Westindien, 15. Mai 1 Uhr nachm. von Antwerpen „Scotia", 15. Mai in Colon. „St. Jan", 16. Mai in Havana. Ostasi en: „Ambria", auf der Ausreise nach Ostasien, 17. Mai lUhr morgens Cuxhaven passiert. „C. Ferd. Laeisz" 15. Mai morgens von Sabang. „Habsburg", auf der Heimreise von Ostasien, 15. Mai 12 Uhr nachts in Havre. „Sambia", 15. Mai in Antwerpen. „Suevia", 15. Mai in Bombay. Rumänien. Die Ausweisungen der Juden. Bukarest, 14. Mai. Die Ausweisungen vervielfältigen sich und treiben zahllose Familien zur Verzweiflung. Dicht an den Toren von Bäcäu ist die Gemeinde Staueresti. Dort wohnten seit Jahren sechs jüdische

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