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Neue Nationalzeitung · 1907-05-24 · Heft 24 (24.5.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 24 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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■«»»g^aanaiEgagw^^ Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 24 mente wird er jedoch Farbe bekennen müssen und es wird sich zeigen, wie er nach seinen gewundenen pythischen Erklärungen über den Eintritt in den Polenklub sich zu demselben stellen wird. In Krakau hat der jüdischnationale Dr. Hilfstein 123 Stimmen erhalten. Das zionistische „Tagblatt" selbst nennt diesen Durchfall schmählich. Herr Dr. Hilf stein hat seine eigene Partei blamiert und Herrn Dr. Groß den Sieg erleichtert. Dr. Groß erhielt .... 1869 Stimmen Sare „ .... 1589 „ Dr. Hilf stein „ ...... 123 „ Zusammen . . 3581 Stimmen Es betrug daher die absolute Majorität........1791 ,, und die Majorität des Dr. Groß kaum.......... 78 „ Wenn Dr. Hilfstein auch nur 202 Stimmen erhalten hätte, wäre Dr. Groß in die Stichwahl gekommen. Und diese 202 Stimmen, selbst viel mehr, wären leicht aufzutreiben, wenn nicht im letzten Augenblick selbst die Lemberger Parteileitung von einem jungen, den weitesten Kreisen unbekannten Herrn überrumpelt worden wäre. Das „Tagblatt" selbst sagt: „Diesen schmählichen Durchfall mußte man von seiner Kandidatur erwarten, die ad hoc im letzten Augenblicke aufgestellt wurde, so daß selbst die Parteileitung vor ein fait accompli gestellt worden ist" Wäre Dr. Groß in die Stichwahl gelangt, so hätte er eingesehen, daß er mit der jüdischnationalen Partei rechnen muß und der Erfolg dieser Einsicht hätte sich bei den nächsten Gemeihderatswahlen gezeigt. Jedenfalls hat die Krakauer Wahl bewiesen, daß die Lemberger Parteileitung die Agitation und Organisation in Westgalizien vernachlässigt hat. In Przemysl ist Dr. Liebermann, ein Sozialdemokrat mosaischer Konfession, gegen den Polen Krölikowski gewählt worden. Der Przemysler Sieg ist eine große Errungenschaft für die Entwicklung der politischen Freiheit in Galizien und nur von diesem Gesichtspunkte auch für die Juden in Galizien erfreulich. * * Die Wahlen vom 23. Mai. An diesem Tage finden in 17 Städtebezirken Galiziens die Hauptwahlen statt. Die Kandidaten der jüdischnationalen Partei sind: 1. Dr. David Malz (Bursztyn, Zydaczöw s. A.) als Gegenkandidat des Obmannes des Polenklubs, Exzellenz E. v. Abrahamowicz; 2. Rabbiner Gedalje Schmelkes (Mielec, Rozwadöw s. A.) als Gegenkandidat des ersten Obmannstellvertreters des Polenklubs, Exzellenz E. v. Bobrzyüski; 3. Dr. Samuel Rappoport (Brzezany s. A.) als Gegenkandidat des zweiten Obmannstellvertreters des Polenklubs, Dr. von Dulemba; 4. Dr. Abraham Salz (Stryj—Kalusz) als Gegenkandidat des Hausjuden Dr. Tobias Aszkenaze; 5. Adolf Stand (Brody s. A.) als Gegenkandidat des Hausjuden Finanzrat Dr. Wollerner; 6. Adolf Stand (Tarnopol); der Gegenkandidat ist vom Nationalrat noch immer nicht nominiert; 7. Rabbiner Dr. Thon (Kolomea) als Gegenkandidat des Hausjuden Dr. Kolischer. In diesem Bezirke kandidieren noch überdies Dr. Josef Zipser aus Wien als polnischer Demokrat und Dr. Samuel Schorr als Sozialdemokrat. Die Wahlchancen sind in allen Bezirken unbestimmt. Die besten Chancen scheint Dr. Salz zu haben. Auf diese günstigen Chancen ist es auch zurückzuführen, daß sich der Nationalrat entschlossen hat, in diesem Bezirke mit christlicher Majorität selbst einen jüdischen Kandidaten in der Person der allerjimgsten Horowitz'sehen Kreatur aufzustellen. Allein der Edle von Horowitz hat in der Stichwahl einen sehr schweren Stand und er dürfte selbst fallen. Die jüdischen Wähler werden ihm? dann auch seine Werkzeuge nachwerfen. * * * Der erste jüdisch-nationale Abgeordnete in Galizien.. Lemberg", den 22. Mai. (Telegramm). Dr. Arthur Mahl er ist gestern im Landgemeindenbezirke Trembowla-Czortkow s. A. in der engeren Wahl gegen den Allpolen Socha mit Unterstützung der Ruthenen gewählt worden. _ Dieser Teil unseres Blattes stellt unseren Lesern zur Verfügung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Geehrte Redaktion! Sonntag, am zweiten Schwuos-Abend, begab ich mich in den Stadttempel, um dem Gottesdienste beizuwohnen. Durch ein nicht genug zu verurteilendes Vorgehen des Tempeldieners wurde ich ebenso wie vieleandere Leute meiner nächsten Umgebung in der feier^ liehen Andacht in geradezu unerhörter Weise gestört. Während Kantor und Chor das Mariw-Gebet anstimmten,, wütete draußen am Einlaß ein Kampf zwischen Tempelbesuchern und Tempeldiener, welch letzterer nur Leuten,, die ihm zu Gesicht standen Eintritt gewährte, allen; übrigen hingegen in barschem Tone solchen verwehrte L Da aber die Mehrzahl der Bänke gähnend leer dastand, und die Zahl der widerrechtlich Zurückgedrängten immer mehr anwuchs, so gaben die Malkontenten in lauten Schmährufen ihrem berechtigten Unmut und Unwillen Ausdruck. Es entstand ein Drängen wie beim Einlaß ins alte Burgtheater (l'hawdil), das schließlich damit endete, daß der Tempeldiener diesem Ansturm nicht stand halten konnte und die Stürmer und Dränger spät, aber doch, ihr Ziel erreichten. Solche tumultuarische Szenen sind in einem Gotteshause gewiß nicht am Platze L Um nun solche geradezu skandalöse Zwischenfälle für alle weitere Zukunft hintanzuhalten, wäre es Pflicht und Schuldigkeit des Tempelvorstandes, all seinen Untergebenen den strikten Auftrag zu erteilen, keinem Tempelbesucher, ohne Unterschied ob arm oder reich natürlich solange Platz vorhanden ist — den Eintritt zu verwehren! Die Herren im Vorstande dürfen nicht vergessen^ daß draußen am Tempeleingange in großen Buchstaben die einladenden Worte prangen: „Baui sch'urow b'saudu, chazerausow b'shulu 1 („Kommet in seine Tore mit Dank, in seine Hallen mit Lob.") In vorzüglicher Hochachtung A. B. W., cand. juris. Das »Zentralbureau für jüdische Auswanderungsange-: legenheiten« in Berlin schreibt uns: »Das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten erhält folgende Zuschrift:« Von einer »Auskunftsstelle für jüdische Auswanderer nach Südamerika und den Südstaaten der Union«, Berlin NW, Unter den Linden 53, unterzeichnet A. Meyerowitz, erhalten wir soeben, ein Zirkular, worin von einem Briefe Kenntnis gegeben wird, den ein »Rabbiner Dr. Hoffmann« namens der »Union Israelite, Argentino« an den Norddeutschen Lloyd gerichtet hat. In diesem Briefe wird von derErrichtung eines israelitischen Einwanderungs-, Auskunfts- und Arbeitsnachweisbureaus »Kosmos Calle, Caugelle 2360« in Buenos Ayres Mitteilung gemacht, dem der, genannte Rabbiner Dr. Hoffmann vorsteht.

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