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Neue Nationalzeitung · 1907-05-24 · Heft 24 (24.5.1907) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 24 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 -*Neue Natlonal-Zeltung:« Nr. 24 das Oberkonsistorium, ihn zu diesem Schritt zu drängen. Wieder gab's heftigen Protest und jüdische Journalisten fragten empört, was die private Herausgeberarbeit des Konsistorialpräsidenten denn mit seinem Wirken im Amtsbereich zu tun habe. Nur im Fall Cohn bleibt Alles mäuschenstill. Der junge Rabbi ist einer Verletzung der Amtspflicht nicht einmal beschuldigt worden. Er hat auf der Kanzel verkündet, auf der Katheder gelehrt, was er verkünden und lehren sollte, und seine Ueberzeugung weder gehehlt noch geändert. Ob er als Lehrer am Falk-Realgymnasium richtig oder falsch gehandelt habe, konnte und mußte der Gemeindevorstand feststellen, bevor er ihn wählte und in Pflicht nahm. Die Rede über Herzl war durch die Rüge gesühnt. Die Wiedergabe des Privatgespräches hat Cohn nicht als getreue Darstellung seiner Gedanken anerkannt. In der Wahl der Verteidigungsmittel sah er sich beschränkt. Der Hauptzeuge, der einzige, wurde ihm nicht gegenübergestellt noch auch nur vernommen. Der Angeklagte hatte keinen Anwalt; konnte auch nicht durch direkte Rede auf seine Richter wirken. Welchen Lärm würden wir hören, wenn die Regierung einen Beamten, der Oberkirchenrat einen Pfarrer wegen eines Privatgespräches, dessen Inhalt nicht festgestellt ist, vielleicht nicht mehr festzustellen war, aus dem Amt gejagt hätte! Der Vorstand der Berliner Judengemeinde hat's getan; und darf mit seiner Toleranz nun nicht mehr prunken. Der Bibliothekar Dr. Fromer wurde aus dem Gemeindedienst geschickt und vors Hungertuch gesetzt, weil er (in einem hier veröffentlichten Artikel) gesagt hatte, das Judentum sei allzu sehr von ethischen Bedenken angekränkelt, das jüdische müsse rasch und restlos ins deutsche Volk aufgehen. Der Rabbiner Dr. Cohn wurde entamtet, weil er in stiller Plauderstunde seinem Lehrer gesagt hat, das Judenvolk dürfe sein Wesen nicht dem Trugbilde der Assimilation opfern, müsse seine Seele mit nationalem Stolz erfüllen und mit staatbildender Kraft seine Zukunft als der von Gott auserwählten Stammesgemeinschaft sichern. Dieser Gemeindevorstand ist unduldsamer als irgendwo eine andere Behörde; er mu;et den von ihm gemieteten Rabbinern mehr Fügsamkeit zu als Stumm einst seinen Arbeitern. Die dem jüdischen Interesse dienstbare Presse schützt ihn vor Anfechtung. Die Fischer, Heyn, Curtius und Genossen sind noch im Amt. Der junge Rabbi Cohn, dem sein Predigerberuf heiligste Herzenssache ist, findet im Bereich deutscher Judenheit kaum je wieder eine Wirkensstätte. WÄHLBEWEGUNG. Die Stichwahlen in Wien. Am 23. d. findet in der Leopoldstadt die Stichwahl zwischen dem jüdischen Sozialpolitiker Dr. Julius 0 f n e r und dem christlichsozialen Antisemiten Zesewitz statt. Zesewitz hat zwar bei der Hauptwalil 3244 Stimmen erhalten, während auf Dr. 0 f n e r kaum 2360 Stimmen entfallen sind. Da jedoch sowohl die Anhänger des Dr. Gustav Kohn, als auch die Jüdischnationalen und Sozialdemokraten für Dr. 0 f n e r bei der Stichwahl eintreten werden, so erscheint dessen Wahl unbedingt gesichert. Mag sich dann Herr Dr. 0 f n e r noch so sehr „deutsch" geberden, Tatsache bleibt doch, daß er sein Mandat ausschließlich Juden, zum großen Teile sogar polnischen Juden zu verdanken hat Es wird sich wohl noch genügend Gelegenheit bieten, Herrn Dr. Of n er daran zu erinnern. Von sonstigen Stichwahlen sind bemerkenswert die im IX. Bezirke, wo der freisinnige Baron Hock dem christlichsozialen Bezirksvorsteher S t a r y und die im Bezirke Fünf haus, wo der Sozialdemokrat F o r s t n e r dem Mechaniker Schneider gegenübersteht. Im ersteren Bezirke erscheint die Wahl des Baron Hock gesichert, während . im letzteren Bezirke das Resultat ungewiß ist. Jedenfalls werden alle freisinnigen Elemente ihre Kräfte, aufbieten, um Schneider zu stürzen; man spricht" sogar davon, daß Dr. Lueger durch dieses Wahlresultat nicht unangenehm überrascht wäre. Dr. Lueger, der auf den Schultern der Gregorig und Schneider zur Macht gelangt ist, hat sich Gregorigs bereits entledigt und nun kommt die Reihe an — Schneider... # & * Professor Masaryk in der — Stichwahl. Brünn. Im tschechischen Städtebezirke Roznan gelangt Professor M a s a r y k, der Führer der tschechischen realistischen Volkspartei, gegen einen Angehörigen der Gewerbepartei in die Stichwahl. Der Sieg Masaryks, dessen Anhänger im Gegensatze zu den Jungtschechen und den Tschechischradikälen jedes Bündnis mit den Klerikalen und Christlichsozialen bei den Stichwahlen ablehnten, ist als nahezu gewiß anzunehmen, um so mehr als auch die Sozialdemokraten iür Professor Masaryk stimmen werden. Die Wahl Masaryks wäre aufs freudigste zu begrüßen. Mit ihm käme nicht nur ein Freund des jüdischen Volkes, sondern auch ein strammer Verfechter der Demokratie, des nationalen Friedens und ein unermüdlicher Kämpfer für ein modernes Oesterreich ins Parlament. * * * Die Stichwahlen in der Bukowina. Auch in der Bukowina kommt am 23. d. M. ein Nationaljade, Dr. Neumann Wender (Czernowitz- West) in die Stichwahl und zwar mit dem Sozialdemokraten Grigorovici. Die Hauptwahl ergab folgendes Resultat: Dr. N. Wender........... 2250 Stimmen Grigorovici ............ 2076 „ Prof. Scharitzer (deutschnational) . . 903 „ Univ.-Diener Wojtko (selbst. Kandidat) 640 „ Für die Stichwahl wurde mit den Deutschen ein Kompromiß geschlossen, inhaltlich dessen sie alle für Wender stimmen werden; seine Wahl scheint daher gesichert. _ Die Keiclisratswalilen in Galizien. Vier Jüdischnationale in der Stichwahl. Das Resultat der am 14. und 17. Mai stattgehabten Reichsratswahlen in Galizien ist für die jüdischnationalen Kandidaten nicht ungünstig. Die Pläne des Statthalters Graf Potocki und der Führer des Polenklubs, keinen einzigen jüdischnationalen Abgeordneten aus Galizien hervorgehen zu lassen, dürften von der Wählerschaft und zwar nicht nur von der jüdischen, sondern auch von der ruthenischen durchkreuzt werden. Nach den bisherigen Wahlergebnissen in Galizien gelangen vier Jüdischnationale in die Stichwahl. 1. Dr. Markus Brau de (Stadtbezirk Stanislau). 2. Dr. Nathan Birnbaum (Stadtbezirk Buczacz, Borszczöw s. A.) 3. Dr. Heinrich Gabel (Landgemeindenbezirk Borszczöw s.A.) 4. Dr. Arthur Mahler (Landgemeindenbezirk Trembowla s. A.) Die Wahlchancen sämtlicher vier jüdischen Kandidaten sind günstig. Dr. Gabel und Dr. Mahler dürften bei den engeren Wahlen und zwar ersterer am 24. Mai, letzterer am 21. Mai gegen die allpolnischen Kandidaten mit Hilfe der Ruthenen sicher gewählt werden. Die polnische Presse ohne Unterschied der Partei ist natürlich über diese beiden Stichwahlen entsetzt. Dieses Ergebnis trifft

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