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Neue Nationalzeitung · 1907-05-17 · Heft 23 (17.5.1907) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 23 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 »Neue National-Zeitung« Seite 9 hierauftblgende glänzende Rezitation von Rosenfelds Dichtungen durch den Oberregisseur Milos Novy übte eine tiefe Wirkung aus. Trotzdem die meisten jüdischen Kreise durch andere Veranstaltungen verhindert zu sein glaubten und die Prager zionistischen Korporationen durch ihre Abwesenheit glänzten, ist es der umsichtsvollen Arbeit des Vereines gelungen, eine namhafte Stimme für den unglücklichen Dichter aufzubringen. R. P. Deutsches lleicli. Israel Zangwill Klub. Berlin. Die hiesigen Territorialisten haben einen „Israel Zangwill Klub" gegründet und zu ihrem Obmann Herrn Dr. Simonsohn gewählt. Dieser Klub entfaltet eine rührige Propaganda des territorialistischen Gedankens speziell unter der jüdischen Jugend Berlins. Der VIII. zionistische Kongreß. Köln. Die am 5. Mai begonnene dreitägige Konferenz des großen Aktionskomitees hat den Beschluß gefaßt, den VIII. Kongreß für Mitte August einzuberufen. Was den Ort anbelangt, so wurde von vielen Seiten der Wunsch geäußert, insbesondere aus Gründen der Propaganda, diesmal den Kongreß in einem andern Lande abzuhalten. Obgleich sich das Engere Aktionskomitee bereits für Basel ausgesprochen hatte, entschied sich die Versammlung doch mit großer Mehrheit dafür, ein anderes Land zu wählen. Und da das Engere Aktionskomitee sich bisher nur auf Basel eingerichtet und nur von dort feste Offerten betreffs der Räumlichkeiten eingeholt hatte, wurde beschlossen: Das Engere Aktionskomitee wird beauftragt, einen andern geeigneten Ort für den Kongreß ausfindig zu machen und Ort und Eröffnungstag des Kongresses baldmöglichst bekannt zu geben. Die Tagesordnung des Kongresses wurde in großen Umrissen, wie folgt, festgesetzt: 1. Tag: Eröffnungsrede des Präsidenten, Bericht des A. C, Generaldebatte, Wahl der Ausschüsse. 2. Tag: Vorträge. über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern, Sitzungen der Ausschüsse. 3. Tag: Referat über Palästina. Berichte der verschiedenen Ausschüsse. Spezialdebatten. Eine Reihe von Rednern berührte die Frage der Kolonisation und Kulturarbeit in Palästina und der Beziehungen zu den anderen dort wirkenden jüdischen Organisationen. Am Ende der Debatte wurde ein Antrag des Herrn Sokolow, dem hebräischen Gymnasium in Jaffa eine Subvention von Frcs. 500 seitens des Aktionskomitees zu bewilligen, einstimmig angenommen. Gleichzeitig fand auch, und zwar am 6. Mai, die I. Generalversammlung des jüdischen Nationalfonds Limited (Keren Kajemeth le Jisroel) statt. Herr Wolfsohn führte den Vorsitz und Dr. Bodenheimer er stattete Bericht. Sohin wurden fünf Direktoren und zwei Gouverneurs (D. Wolfsohn und Prof. Warburg) gewählt. Rumänien. Bukarest. Die aus dem Bezirke Vaslui ausgewiesenen rumänischen Juden haben an den Minister Bratianu nachstehendes, von einem Bukarester Advokaten verfasstes Gesuch gerichtet: »Die Unterzeichneten, von den israelitischen Bewohnern der Landgemeinden des Bezirkes Vaslui beauftragt, bringen ehrerbietigst zu Ihrer Kenntnis, was folgt: Die Bürgermeister unserer Wohnorte haben uns Verordnungen zugestellt, in denen wir aufgefordert werden, unsern Herd binnen einer Frist von 1 bis 5 Tagen zu verlassen. Unter uns sind nicht wenige, die in ihren Wohnorten geboren sind, die dem Milttärrekrutierungsgesetze Genüge geleistet haben, weder für sich noch für ihre Verwandten irgend einen auswärtigen Schutz genießen. Einige von uns stehen noch unter den Fahnen, andere endlich zählen ihren Auf1enthalt in ihrem Wohnorte nach Dutzenden von Jahren. Die traurigen und tiefbedauerlichen Vorkommnisse, die das Land soeben durchgemacht hat und die die Herzen aller seiner Kinder haben bluten machen, stehen noch jedem vor Augen. Wir alle haben durch die jüngsten Ereignisse moralisch und materiell schwer gelitten. Wir wollen die Frage der Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit der gegen uns ergriffenen Maßnahmen nicht erörtern; wir bitten Sie nur, anzuerkennen, daß eine Maßnahme der erwähnten Art — die Ausweisung — die nicht treffen sollte, die alle ihre Pflichten gegenüber dem Staate erfüllt und selbst ihr Blut für ihn hingegeben haben. Nach Beendigung der Mobilisation haben mehrere unter uns bei der Rückkehr in ihren Wohnort den Ausweisungsbefehl vorgefunden. Wir bitten Sie inständigst, Verfügung dahin zu treffen, daß die Ausweisungen aufgehoben und Untersuchungen anbefohlen werden. Sollte sich ergeben, daß Staatsrücksichten Maßnahmen der erwähnten Art gegenüber friedlichen und treuen Bewohnern des Landes, in dem sie erzogen worden sind, notwendig machen, so bitten wir Sie, uns zum mindestens einen Aufschub von sechs Monaten zu gewähren, damit wir unsere Angelegenheiten ordnen können. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Gefühle hoher Gerechtigkeit, von denen Sie erfüllt sind, nicht gestatten werden, daß eine ganze Bevölkerung binnen einer nach Stunden zählenden Frist den Weg in die Verbannung einschlagen und damit die Frü chte eines ganzen Lebens voller Arbeit verlieren soll. Wir sind überzeugt, das Sie unseren Vorstellungen Gehör schenken und darnach handeln werden. Wir halten zu Ihrer Verfügung unsere Militärpapiere — einige von uns stehen augenblicklich noch unter den Fahnen — und andere Schriftstücke, die dazu angetan sind, die außerordentlich kritische Lage zu offenbaren, in die wir durch die gegen uns gerichteten Erlässe versetzt worden sind. Genehmigen Sie u. s. w......." Herr Bratianu hat noch keinen Bescheid ergehen lassen Russland. (regen die Sonntagsruhe. Die „Bundisten" für die Sabbathheiligung. Warschau. Am 21. April hat der jüdisch-nationale Klub unter Vorsitz des Dr. Dawidsohn eine Versammlung abgehalten und nach eingehender Diskussion gegen das neue Gesetz über die Sonntagsruhe nachstehenden Protest eingelegt: „Die Versammlung erklärt, daß durch das Gesetz, welches die Juden zur Sonntagsruhe zwingt, die ökonomische Lage des jüdischen Volkes erschüttert and die Gewissensfreiheit, welche durch zwei Manifeste in Aussicht gestellt würde, vergewaltigt wird." Gleichzeitig wurde den Kaufleuten, die am Samstag ihre Geschäfte öffnen und die Solidarität verletzen, die Entrüstung ausgesprochen. Der Fachverein der Handelskommis hat in derselben Frage an die sozialdemokratische Fraktion der Reichsduma nachstehendes Telegramm abgesandt: „Die endesgefertigten Mitglieder des dem „Bund" angehörigen Fachvereines der Handelskommis begrüßen die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei in der Duma und senden ihnen unsere Glückwünsche. Gleichzeitig können wir es nicht unterlassen, auf die zahlreichen Schäden zu verweisen, die uns von seiten der Bureaukratie zugefügt werden. Zu denselben gehört der Ukas vom 15. November 1906 über die Sonntagsruhe. Diese neue Quelle religiöser und wirtschaftlicher Unterdrückung, welche eine eigenmächtige Verwaltung geschaffen hat, ruiniert die jüdische Be-

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