Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 22 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 »Neue National-Zeitung« Seite 7 Ein Landesfremder, Prof. Dr. R ose h mann, hat einen häßlichen Kampf gegen die Juden unternommen; er beschuldigt sie, daß sie alle Macht an sich reißen, die Anderen unterdrücken und beherrschen wollen. Das ist aber eine böswillige, bewußte Entstellung der wahren Tatsachen.. Das neue Wahlgesetz räumt der Bukowina 14 Reichsratsmandate ein; hievon sind je fünf dem rumänischen und ruthenischen Volke sichergestellt. Die restlichen vier Mandate sind auf die beiden Wahlbezirke von Czernowitz: Ost und West, auf den Stadtwahlbezirk Radautz—Sereth—Suczawa und auf den deutschen Landgemeindenbezirk verteilt. Hiedurch ist den Deutschen in der Gesamtstärke von rund 60.000 schon gesetzlich ein Mandat, nämlich im deutschen Landgemeindenbezirke, absolut sichergestellt, eine Begünstigung, welche den mehr als 100.000 Juden in der Bukowina nicht zugestanden worden ist. Von den übrigen drei städtischen Mandaten fällt der Wahlbezirk Radautz— Sereth—Suczawa wieder einem Deutschen, nämlich Herrn Prof. Dr. Skedl, zu. So sind den Deutschen zwei Mandate sicher. Es verbleiben sohin lediglich die beiden Wahlbezirke Czernowitz Ost und West der J u d e n s c h a f t. Die Ruthenen wie die Rumänen, die Deutschen, sowie auch die Polen des Landes, denen doch ein Reichsratsmandat im Lande gebührt hätte, haben ausdrücklich und wiederholt das Recht der Juden auf zwei Reichsratsmandate in der Bukowina anerkannt — lediglich über die Verteilung der Wahlbezirke bestanden Meinungsverschiedenheiten. Durch die Kandidatur Doktor Skedls in den drei Städten ist nun die Judenschaft der Bukowina gezwungen, ihre zwei Mandate in Czernowitz zu suchen. Mitbürger! Das Recht ist also auf unserer Seite; nur •der Schein eines Uebergriffes wird zur Waffe gegen uns. Und die Judenschaft der Bukowina hat nicht nur vermöge ihrer numerierten Ueberlegenheit gegenüber den Deutschen, sondern auch vermöge ihrer notorisch ungleich größeren Steuerleistung und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung auf dem Gebiete von Handel, -Gewerbe, Industrie und Volkswirtschaft das unzweifelhafte Recht, mindestens durch eine gleich große Anzahl von Abgeordneten im Parlamente vertreten zu sein, als die Deutschen im Lande. War doch auch bisher nicht nur das Czernowitzer Mandat unangefochten in den Händen der Juden, sondern auch das nun durch das allgemeine Wahlrecht entfallene Mandat aus der Handelskammer, für welches eben der Ersatz in Czernowitz- West geschaffen wurde, durch eine Reihe von Jahren unangefochten jüdischer Besitzstand! Mitbürger! Dr. Roschmann wagt es, den Juden Mandatgier und Herrschsucht vorzuwerfen. Demgegenüber konstatieren wir: die Deutchen haben in allen vier Wahlbezirken ihre deutschen Kandidaten aufgestellt. Wir Juden hingegen, beanspruchen bioßzwei Mandate. Und nun fragen wir: Wer. ist mandatsgierig und herrschsüchtig : die Juden, die bescheiden bloß ihr gutes Recht fordern, oder die Deutschen, die alle 4 Mandate an sich reißen wollen? Ein Mann, der um Wählerfang zu üben und die anders sprachige Bevölkerung zu ködern, seine radikal-deutsche Gesinnung verschweigt, und anderen Stelle eine blind-wütende konfessionelle Hetze der Wählerschaft bietet; derselbe Mann der zu gleichem Zwecke im Jahre 1897 sich von Rabbinern konfessionelle Wohlverhaltungszeugnisse ausstellen ließ — hat in unserem Lande keinen Raum für seine politischen Umtriebe. Mitbürger! Wer den Frieden unserer Stadt liebt, wem wahrer Fortschritt und Aufklärung am Herzen liegen, wer Zwietracht und Uneinigkeit verabscheut, wer das bisher beispielgebende einträchtige Zusammenwirken der verschiedenen Völker und Konfessionen in diesem Lande zum Nutzen desselben erhalten will, den rufen wir zum gemeinsammen Kampfe gegen einen gemeinsammen Feind auf! Dr. W e n d e r. Dr. S t r a u c h e r. JÜDISCHE SPRKffiML Dieser Teil unseres Blattes steht unseren Lesern zur Verfügung. Wer der OeJfentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Wir erhalten folgendes Schreiben von Herrn Professor Boris Schatz aus Jerusalem: Geehrte Redaktion! Der „Bezalel1' besteht aus zwei Hauptabteilungen: für Kunst und Kunstgewerbe. In der ersten sind talentvolle Jünglinge, die im Auslande Kunstmittelschulen bereits besucht haben, aufgenommen worden und dazu ist eine vorbereitende Klasse für hiesige Jünglinge, welche Talent besitzen, aber keine Möglichkeit gehabt, Kunstschulen zu besuchen, eröffnet worden. Diese werden dann in „Bezalel" und seinen Filialen, die er mit der Zeit in ganz Palästina eröffnen wird, als Lehrer und Musterzeichner angestellt weiden. Die Zahl der Schüler dieser Abteilung ist komplett und werden daher vorläufig keine neuen Schüler aufgenommen. Für die Kunstgewerbebranche sind derweil drei Ateliers arrangiert und zwar: Teppichknüpferei für Frauen, Gipsgießerei und Steinhauerei für Männer. In der Teppichabteilung gibt es keinen Platz mehr für neue Schülerinnen, denn außer den schon arbeitenden haben sich einige hundert Frauen und Mädchen für dieselbe gemeldet. Derselbe Fall ist auch mit der Gipsgießerei. Für die Steinhauerei wird noch eine gewisse Zahl von Schülern nach folgenden Bedingungen aufgenommen werden: Der betreffende soll mit sich eine Summe von 150 Frcs., ein Zeugnis von einem Arzte betreffs seiuer Gesundheit und von einem Verein wegen seiner Aufführung mitbringen. Es ist auch beschlossen worden, mit der Zeit neue Ateliers für mehrere verschiedene Kunstgewerbefächer einzurichten, wo neue Schüler und Schülerinnen Aufnahme finden werden. Dies alles hängt aber von den Mitteln unseres Institutes ab. Wir werden auch, falls es die Mittel erlauben werden, im „Bezalel" eine freie Kunstakademie einrichten, wo unsere jungen Talente eine europäische Kunstbildung genießen und sich einen modernen jüdischen Geist aneignen werden, damit sie jüdische Künstler im vollen Sinne des Wortes sein sollen. Meine letzten Worte schreibe ich als Antwort für die, welche mich anfragen, womit sie dem „Bezalel" helfen können, daß sie wissen, daß wir nur eines benötigen und zwar: Mittel. Jerusalem, im April. f|CRR6SPCNE>gNZgN ^* Oesterreicli-IiigariK Die israelitische Union — für Dr. Öfner. Wien, den 5. Mai. (Orig.-Bericht). Für jedermann, der die Entwicklung der ..Union" in der letzten Zeit verfolgt hat, waren die Tumulte und Skandale in der Generalversammlung vom 3. d. M. nichts überraschende*. Der Verein, der die Interessen der Judenschaft vertreten sollte, war in Wirklichkeit eine Clique von Wahlmachern, die bald bei Reichsrats-, bald bei Gemeinde-, bald b-1 Kultuswahlen einzelnen Strebern, die mit dem Judentunie nichts anderes als die Konfession verband, zu Mandateu