Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 21 (3.5.1907)
- Date
- 1907-05-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 21 zusammen und schlössen ein Kompromiß, inhaltlich dessen von den außerhalb des Judenviertels gelegenen 4 Wählbezirken 2 mit demokratischen nnd 2'mit konservativen Kompromißkandidaten besetzt werden. Gegen Daszynski kandidiert der Führer der Demokraten und gewesene Reichsratsabgeordneter Direktor Petelenz. Diese Bescherung! Die beiden Freunde, die bis zuletzt nebeneinander gegen die Stanczyken gekämpft haben, stehen sich jetzt wütend gegenüber; das sozialistische Organ wirft den Demokraten Verrat, Fahnenflucht und alles Mögliche vor. Das Mandat Daszynskis ist sehr gefährdet, denn er war ja in den früheren 2 Wahlperioden aller jüdischen Stimmen nur deshalb sicher, weil ihm ein Antisemit gegenüberstand. Diese jüdischen Stimmen weiden nunmehr teilweise auf Petelenz entfallen. Freund Groß kann hier wenig helfen, denn — zwei Seelen wohnen ach! in seiner Brust — er ist ja auch Demokrat und Parteigenosse des Petelenz. Und er hat auch für sich zu kämpfen, denn da das Juden viertel vom Kompromiß ausgenommen wurde, hat ihm der jüdische Flügel der konservativen Partei den Oberbaurat Sare entgegen gestellt. Die letztere Kandidatur wird durch eine groß augelegte Propaganda unterstützt, wozu sogar ein täglich erscheinendes jüdisches Jargonblatt gehört. Merkwürdig ist es, daß die Versammlungen des Dr. Groß stets mit Schimpfereien des Vorsitzenden und Referenten gegen die Zionisten beginnen. Da wird laut und feierlich verkündet, die Zionisten seien Verräter, weil sie nicht für Groß eintreten und nur herkommen,, um dessen Versammlungen zu stören. Der Vorsitzende Dr. Seinfeld leistete sich bei der Montags-Versammlung folgenden Satz: „Wir müssen gegpn eine dreifache Phalanx kämpfen: In der Mitte der Kahai, rechts die Zionisten, links die christlichsozialen Arbeiter." Und unsere Zionisten sind doch eigentlich so brav und fromm. Sie kränken zwar ein bißchen den Dr. Groß, wie ein schlimmer Bub seinen Papa, aber schließlich werden sie ihm nicht sehr wehtun. Sie werden höchstens eine in der ganzen Stadt unbekannte Person als Zählkandidaten aufstellen, nachdem Professor Kellner die Kandidatur abgelehnt hat . . .!|©RR5SPON[>5NZeN öesterrei eh-lIngar n. Ein geplanter Raubmord. Lemberg. Am Bahnhofe in S e d z i s z o w. der Bahnstation des Städtchens Kolbus zo w a, wurde dieser Tage von der Gendarmerie eine Räuberbande verhaftet, die mit den Zügen aus Lemberg gekommen war, die reiche Familie Eckstein in Kolbuszowa zu ermorden und zu berauben. Der Plan war durch einen Zufall aufgedeckt worden. Vor einigen Wochen hatte Abraham Eckstein in Kolbuszowa aus Lemberg eine Amme für sein Kind gebracht. Dieselbe kam ihm von allem Anfange an verdächtig vor, welcher Verdacht sich noch durch den Umstand verstärkte, daß dieselbe mit Lemberg einen ungemein regen Briefwechsel unterhielt. Er benützte deshalb dieser Tage die Gelegenheit, als er einem Knaben begegnete, der einen Brief von der Amme auf die Post trug, und nahm ihm denselben ab mit der Begründung, daß er dies selbst besorgen werde. Aus dem Briefe war nur zu entnehmen, daß ein Raubmord auf seine Familie zn einer Zeit geplant sei, während der er in Geschäften für einige Tage in Rzeszow abwesend sein sollte. Eckstein begab, sich sofort zum Bezirkshauptmanne, der den bewußten Brief absendete und Stillschweigen befahl. Eckstein gab nun zu Hause allen bekannt, daß er übermorgen verreise. Dies war für die Amme das Signal zum Handeln. Sie verständigte sofort ihre Genossen in Lemberg, daß die Zeit des Handelns gekommen sei und bat, sie von ihrem Einverständnisse durch ein fingiertes Telegramm : „Kind krank" zu verständigen. Dieses Telegramm langte auch am nächsten Tage für die Amme ein. Das Haus Ecksteins wurde abends mit Militär umstellt und der Bahnhof in Sedziszow, wo die Banditen nach dem mit der Amme vereinbarten Plane aussteigen sollten, mit Gendarmerie besetzt. Mit dem ersten Zuge kamen tatsächlich zwei elegante Herren an, die mit Hacken, Revolvern und Messern ausgerüstet waren, während mit dem nächsten Zuge weitere v i e r Banditen eintrafen. Sämtliche wurden verhaftet und mit der unterdessen im Hause Ecksteins verhafteten Amme dem Gerichte in Rzeszow eingeliefert. Hei der Revision der Sachen der letzteren wurde im Koffer eine größere Menge Arsenik vorgefunden. Auf Grund der beschlagnahmten Korrespondenzen der Amme wurden auch noch in Lemberg mehrere Verhaftungen vorgenommen. Bürgermeister Eduard Heiß. Czernowitz, den 29. April. (Orig.-Ber.. Nach längerem Leiden ist unser Bürgermeister Dr. Reiß, kaum 57 Jahre alt, in einem Wiener Sanatorium gestorben. Er war allgemein beliebt und er hinterläßt daher eine allgemeine Trauer. Sein Leichenbegängnis erfolgt auf Kosten der Stadt; der Kultusvorstand stellt ein Ehrengrab bei. Dr. Reiß war der erste jüdische Bürgermeister von Czernowitz und dürfte der letzte bleiben. Czernowitz. Die jüd.-nat. akademische Verbindung „Z e p h i r a1' hat vor einigen Monaten an das Ministerium für Kultus und Unterricht ein Memorandum gerichtet, in dem auf die von der Regierung inaugurierte Sammlung der Volkslieder aller Nationen Oesterreichs hingewiesen und das Ersuchen gestellt wurde, daß das Ministerium auch das jüdische Volkslied in die Sammlung miteinbeziehen möge. Dieser Eingabe hat Univ.-Prof. Dr. Friedwagner, zu dessen Händen dieselbe überreicht wurde, ein längeres und gediegenes Referat beigeschlossen. Vor einigen Tagen ist nun ein Rescheid seitens des Ministeriums herabgelangt, Avorin das Vorlangen der „Zephira" vollkommen anerkannt und die Aufnahme des jüdischen Volksliedes in Aussicht gestellt wird. Zugleich hat das Ministerium die Art und Weise angegeben, wie die ersten Schritte unternommen werden sollen. Die „Zephira" geht nun daran, die nötigen Vorarbeiten zur Ausführung dieser sehr wichtigen nationalen Aufgabe einzuleiten. Rumänien. Bukarest. 29. April, (Orig.-Korr.i. Die vor einigen Tagen erfolgte Verhaftung des genugsam bekannten Dimitru Nicu Jorga verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt. Se. Durchlaucht Prinz Ghica- Dombräveni erhielt erst in früher Morgenstunde Kenntnis davon, begann aber sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Freilassung seines Intimus zu— erzwingen. Prinz Ghica scheint jedenfalls persona grata im Unterrichtsministerium-zu sein, denn während man den Ministersohn und Bruder des derzeitigen rumänischen Konsuls in Czernowitz, Vasile Cogalniceanu, in strenger Haft behält, wird D. N. Jorga nach kaum 6 Stunden auf freien Fuß gesetzt!.... Unter Militäreskorte ist Jorga in sein Haus strada Buzesti wieder eingezogen, er darf seinen Freund Ghica empfangen und wird von 6 Polizisten, die vor seiner Türe postiert sind, strenge bewacht. Trotzdem ist das Gerücht verbreitet, daß Prinz Ghica seinen