Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 21 (3.5.1907)
- Date
- 1907-05-03
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425689--0121-2426380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 21 »Neue National-Zeitung« Seite 9 Busenfreund (Jorga) auf sein Schloß üombräveui - entführt hat, und während in der strada Buzesti Nr -4 jede zweite Stunde die Wache abgelöst wird, stachelt Herr Jorga die Bauern in Dombräveni zu neuen Pogroms gegen die Juden auf!. . W. — Deutsches Reich. Soziale Hilfe. Berlin. In der letzten Zeit begann wiederum der vor ungefähr zwei Jahren hier gegründete „Jüdische Volksverein" eine sehr rege Tätigkeit. Er ist eine Vereinigung in- und ausländischer Juden von — wie es in seinen Statuten heißt — bewußt jüdischer Gesinnung, die sicli zur Aufgabe stellt, durch praktische Hilfsarbeit auf sozialem Gebiete den hier ansässigen und durch wandernden Juden brüderlich beizustehen. Zu diesem Zwecke unterhält der Verein eine wirtschaftliche und kulturelle Abteilung. Die Tätigkeit dieser zwei Abteilungen erstreckt sich auf folgende Punkte: 1. Bahnhofswache Die Emigranten werden auf vier Bahnhöfen von ca. 50 Damen und Herren, die durch Vereinsabzeichen und Legitimation zu erkennen, sowie mit genügenden Informationen versehen sind, empfangen. 2. Reiseangelegenheit. Durchreisende erhalten im Bureau genaue Auskunft über Weiterreise. Abfahrzeit, Reisekosten, beste und billigste Reiseroute, Auswanderungsbestimmungen, Lebens- und Arbeitsbedingungen in verschiedenen Ländern u. s. w. 3. Logisnachweis. Es untersteht dem Verein die Kontrolle über 17 Hotels und Herbergen, in denen die Emigranten untergebracht werden. 4 Arbeitsnachweis. Ungelernten Arbeitern wird die Möglichkeit gegeben, schnell ein Handwerk zu erlernen. 5. Studienangelegenheiten. Es wird Auskunft erteilt über Aufnahmebedingungen und Studiengang an Hoch-, Fach- und Mittelschulen in Berlin, außerhalb und im Auslande. 6. Juristische Hilfe. Mit Hilfe einiger Rechtsanwälte werden im Bureau in einer wöchentlichen Sprechstunde juristische Auskünfte gegeben. 7. Aerztliche Hilfe. Mehrere Aerzte behandeln durchreisende Kranke und untersuchen die Emigranten auf ihre körperliche Qualifikation zur Einwanderung. 8. Wohlfahrtseinrichtungen. Durch Nachweis von Wohlfahrtseinrichtungen soll vermieden werden, daß die Emigranten sich zwecklos hier aufhalten. 9. Sprachenkurse. Den sich hier vorübergehend aufhaltenden ausländischen Juden wird Unterricht in deutscher, französischer und englischer Sprache erteilt. 10. Krankenfürsorge. Alleinstehende ausländische kranke Juden werden in hiesigen Kranken- und Privathäusern sowie in den Kliniken besucht. 11. Ausbildung von Mitarbeitern. Zwecks Ausbildung von Mitarbeitern an diesen Aufgaben finden Vortrags-Zyklen über Wohlfahrtspflege, Exkursionen u. s. w. statt. England. Die zionistisch-sozialistische Arbeiterpartei. London. Die jüdische Arbeiterpartei in Rußland (S. S.) versendet folgendes Zirkular: »Nachdem das Zentralkomitee der Zionistisch-Sozialistischen Arbeiterpartei (S. S.) in der Sitzung vom 20. Februar den Bericht über die Verhandlungen der russischen »tto«-Konferenz entgegengenommen hatte, hat es für nötig gefunden, folgende Erwägungen zu fixieren und zur Kenntnisnahme der Interessenten zu bringen: Aus den Beratungen der russischen »Ito«-Konferenz hat das Zentralkomitee der Zionistisch-Sozialistischen Arbeiterpartei entnommen, daß es der territorialistischen Sache nutzbringend wäre, wenn der territorialistische Autonomiebegriff, der sich im territorialistischen Lager herausgebildet hat, präziser definiert und darüber eine Verständigung unter allen Territorialisten erzielt wäre. Das Schlagwort, politische Autonomie oder Autonomie kurzweg, das allem Anschein nach eine große Rolle in den Verhandlungen der »Ito« mit den verschiedenen Regierungen gespielt hat, ist ein verfehlter und gerade in unserer Sache kaum fördernder terminus technicus. Sowohl das Ausmaß, wie die Qualität der zu gewährenden Rechte wird hier ganz unberücksichtigt gelassen. Daß solche Unklarheit viel Schaden bringen und große Schwierigkeiten bei der Verfolgung des territorialistischen Zieles bereiten muß, liegt auf der Hand. Sich auf die angeführten Erwägungen stützend, hat der im Februar vorigen Jahres einberufene Parteitag der S. S. bei der Festlegung unseres Programmes das durch die Verhandlungen zu erstrebende Ziel dahin definiert, daß für die Realisierung des Territorialismus Rechte auf ein zusammenhängendes Territorium zu erlangen wären, die die Ansiedlung und Konzentrierung der großen jüdischen Massen garantieren sollen. Diese Rechte müssen uns die wirtschaftliche Freiheit garantieren, die Freiheit, in großen Massen und nach einem einheitlichen Plane zu kolonisieren. Hier wird also nicht die politische, sondern die ökonomische, die eminent soziale Seite des territorialistischen Zieles hervorgehoben. Was wir nötig haben, ist, nach unserer Meinung, ein ökonomisches Monopol, das in einem freien Lande bei allen übrigen günstigen Bedingungen, vielleicht auch auf privatrechtlichem Wege erlangt werden kann. Die Autonomie sowohl in der Gegenwart wie in der Zukunft ist dem Lauf der Entwicklung zu überlassen. Nach unserer Meinung können wir uns durch ein Stück Papier keine Autonomie in der Zukunft sichern. Wir müssen den jüdischen Wanderern (und darunter ist der größte Teil des jüdischen Volkes gemeint, da dem Gros derselben die Emanzipation in Rußland ebenso wie in Galizien und Rumänien keine radikale Abhilfe bringen kann) einen aufnahmsfähigen Arbeitsplatz schaffen, einen Platz für produktive Arbeit, der selbstverständlich nur durch eine großangelegte Kolonisation geschaffen werden kann. Das ist zunächst alles, was der Territorialismus zu erstreben hat.« Kusskuid. Der Pogrom in Bialystok. Bialystok, 21. April (Orig.-Bericht). Die Verhandlung wegen der Juden-Massakres am Bahnhof, die im März vertagt wurde, ist wieder nicht zu Ende geführt worden. Es waren diesmal 114 Zeugen vorgeladen, von denen jedoch bloß 90 erschienen. Die Verhandlung förderte die unmenschlichsten Greuel der Soldaten und Offiziere, darunter des Obersten und Stations-Koninmndanten Szreter zutage. Schließlich kam es zu einer neuerlichen Vertagung. Cui bono? Russische „Ito".Konferenz. Odessa, Ende April. (Orig.-Bericht). Am 9. Juni findet eine Konferenz der „Ito" in Rußland statt. Dieselbe wird 3 bis 4 Tage dauern und ausschließlich einen praktischen Charakter tragen. Der Ort, wo die Konferenz stattfinden wird, ist noch unbekannt, da diesbezüglich die behördliche Erlaubnis noch aussteht. Das Programm der Konferenz ist folgendes: 1. Die Eröffnungsrede; 2. die Wahl des Präsidiums und der Kommissionen; :-}. Bericht über die territorialistische Bewegung in Rußland: Referent J. J o s s e 1 e w; 4. Diskussion über den Bericht; 5. Die politische Lage des Territorialismus: a) Theoretisches Referat: Referenten M. Gepstein und L. Paperin; b) Bericht über die politischen Verhandlungen: Referent: Dr. D. Joe hei mann; 6. Diskussion; 7. Regulierung der Emigration: a) die Notwendigkeit, die Regulierung der Emigration in das Programm