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Neue Nationalzeitung · 1907-04-26 · Heft 20 (26.4.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 20 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Nene National-Zeitung« Nr. 20 aufnähme seiner Entrüstung wiederholt Ausdruck. Er erklärte nun dem Major Altred Yull gegenüber, daß er über die Behandlung der Mannschaft, speziell aber über den Fall Kohn die strengste Untersuchung fordere. Alle Protokolle in dieser Affaire müssen ihm vorgelegt und die Schuldigen exemplarisch bestraft werden. Frankreich. „Ho". Paris. Die neugegründete Ortsgruppe der „lto- Sektion Centrale de.Paris" hat am 9. April eine Massenversammlung abgehalten, in welcher die Herren M. Eben und Dr. Slousch Referate über die ,.ltoi£ erstatteten. Den Vorsitz führte der Präsident der Pariser Ito Mr. Kahn. In einem Briefe, welchen Dr. Nordau an den Ehrensekretär gerichtet hat, drückt er sein Bedauern darüber aus, daß es ihm leider wegen Unwohlseins nicht möglich sei, der Versammlung beizuwohnen. Er wünscht aber dem Unternehmen, welches den ewig wandernden Juden rasche Hilfe bringen will, den wohlverdienten Erfolg. In der Versammlung wurde einstimmig ein Vertrauensvotum für Zangwill und seine Mitarbeiter sowie, für die Mitglieder der geographischen Kommission der „Ito" beschlossen. llussland. Od<»ssa. Der Sekretär des Londoner Ito-Komitees Herr Dr. Jochelmann hat über Einladuug der Odessaer „Ito-1 in dem 8000 Personen fassenden, überfüllten „Schalascheu - Tempel•' eine Rede über „die Bedeutung der „Ito" gehalten. In glänzender Form entwickelte der Redner die Pläne für die Regulierung der wilden Emigration, wie sie jetzt im Londoner Komitee unter dem Vorsitz Mr. Zangwills durchgeführt wird, wobei er auch auf die bereits in Funktion befindlichen drei „Emigration-Departements"-Filialen-. London, Berlin und Kiew verwies. Die zweistündige Rede, die auf die Anwesenden tiefen Eindruck machte, wurde mit Beifall aufgenommen. Herr Dr. Jochelmann begibt sich im Auftrag des Ito-Komitees von hier nach Rumänien, um an Ort und Stelle die Lage der dortigen Juden zu studieren und sogleich alle Maßregeln zu treffen, die für die Regulierung der rumänischen Emigration notwendig sind. Rumänien. Die Verhaftung eines fflinistcrsohiics. Bukarest, den 23. April (Orig.-Korr). Am 6. April alt. Styl. (19. d.) hat die hiesige Polizei in der Wohnung des Vasile Kogalniceanu, Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Mihai Kogalniceanu, eine Hausdurchsuchung vorgenommen, die zur Folge hatte, daß der Ministersohn tnv verhaftet erklärt und wegen vorliegenden Fluchtverdachts dem Gerichte in Giurgiu eingeliefert wurde. Auf seine Frage, warum man ihn „wie einen abgeurteilten Verbrecher Sibiriens" behandle, wurde ihm bedeutet, daß er die Bauern der Walachei durch seine Flugschrift „Cätre satenr' (an die Bauern) zum Aufruhr gehetzt habe. Anschließend an diese sensationelle Nachricht, will der „Adeverul" hinter den Kulissen erfahren haben, daß gleichzeitig mit dem Haftbefehle gegen Oogalniceanu auch ein solcher gegen den Jass3Ter Universitätsprofessor und wütendsten Judenhetzer Dumitru Nica Jorga seitens der Generalstaatsanwaltschaft erlassen wurde, doch im letzten Momente ist er teiegraphisch rückgängig gemacht worden, da gegen die Verhaftung Jorgas kein geringerer als Prinz Ghica-Dombraveni energischen Protest erhob, indem er es als unerhört bezeichnete, daß einem Jorga auch nur der leiseste Vorwurf gemacht werden könne, wiewohl seine Schriften — geradeso wie die des derzeitigen Unterrichtsministers Herrn Spiru Haret — antisemitische Pamphlets sind. Es sei lächerlich, meint Se. Durchlaucht, Herrn Jorga als Rädelsführer der — gesamten — Bauernbewegung zu: bezeichnen, ihn, der es doch „bloß auf die verjudete Moldau abgesehen hat!" So spricht bei uns der Geburtsadel, wie soll erst das Volk reden. Professor Nieu Jorga — verhaftet. Bukarest, den 24. April. (Telegramm der „Neuen Natio nalzeitung.") In später Nachtstunde wurde in der Wohnung des Universitätsprofessors Damitru Nicu Jorga in dessen Abwesenheit eine Hausdurchsuchung vorgenommen und alle daselbst vorgefundenen Papiere und Korrespondenzen beschlagnahmt. Jorga selbst wurde von Polizeiagenten in einem Chambre separee des Kaffeehauses „High-life" ausgeforscht und verhaftet. (Professor Jorga ist der gefährlichste antisemitische Hetzer in Rumänien. Seine Verhaftung beweist, daß die rumänische Regierung nunmehr ernstlich entschlossen ist, die antisemitische Bewegung zu erdrücken. Anm. d. Red.) GgM&N0g=UN0 VSRSkNSNÄUWitWW Wien. Der Verein „Kaiser Franz Josef-Ferienheim", eine der größten und eifrigsten unter den Organisationen, die sich der Aufgabe widmen, arme Kinder die hygienischen und pädagogischen Vorteile eines gesunden Ferienaufenthaltes genießen zu lassen, versendet soeben den Bericht über seine Tätigkeit im Vereinsjahre 1906. Der Verein hat im abgelaufenen Jahre 562 arme, kranke Kinder in seine Kolonien aufgenommen, teilweise auch in Heilstätten untergebracht und mit Genugtuung konstatieren können, daß bei allen Kindern günstige, sanitäre Resultate erzielt wurden. In den 15 Jahren der Vereinstätigkeit haben 6117 Kinder die Wohltat des Landaufenthaltes genossen und der Verein hat hiefür nahezu Million Kronen aufgewendet. Er hat seine Hauptkolonie in Tischnowitz (Mähren) in dem sein Eigentum bildenden Schlosse und Parke; ferner sind Kolonien in Darkau, Bad Hall, Petrau und Austerlitz eingerichtet; überdies wurden Kinder in Baden bei Wien und in Roznau untergebracht. An den Verein waren 1200 Gesuche um Aufnahme von Kindern in die Kolonien gelangt und von diesen wurden die Aermsten und Würdigsten ausgesucht. Die Kinder werden sorgfältig gepflegt und pädagogisch beschäftigt, damit Geist und Körper während des Landaufenthaltes gestärkt werden. Die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen bestimmen den Verein, jetzt die Errichtung eines Seehospitzes ins Auge zu fassen, da die Zahl der Kinder eine sehr große ist, für welche die Behandlung in einem Seehospitze unentbehrlich ist, während die bestehenden Hospitze nicht ausreichen. Auch für diesen Zweck sind dem Vereine bereits ansehnliche Mittel zugekommen und in weiten Kreisen gibt sich für diese neue Schöpfung des Vereines ein lebhaftes Interesse kund. Wien. Samstag den 27. d. M. spricht Herr Dr. Hermann K a d i s c h bei den „Sozialisten-Territorialisten" im Cafe Zentral, II. Taborstraße 25, über „Die nationale Autonomie und ihre Bedeutung für das jüdische Proletariat". Die Gesinnungsgenossen werden gebeten, bestimmt zu kommen. Gäste sind willkommen. Prag". (Der Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung verschämter israelitscher Hausarmen in Prag) hielt heute im Sitzungssaal des Altstädter Rathauses unter Torsitz des Herrn Dr. ßendiener seine Generalversammlung ab. Der Verein zählt jetzt 715 Mitglieder Aus dem vom Herrn Sekretär Dr. Daschenes vorgetragenen Kassebericht ist zu entnehmen, daß der Verein an Miteliedsbeiträgen K 4485"10, an Zinsen K 16.704 54, an Spenden K 20.077 eingenommen und an Unterstützungen K 28.535, für religiöse Funktionen K 1551-08, für Darlehen K 456 verausgabt hat. Bemerkenswert ist die Mitteilung des Vorsitzenden, daß der jüngstverstorbene Gr. Ind. Herr Hoschek Ritter von Mühlheim 5% seines Nachlasses dem Verein vermacht hat.

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