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Neue Nationalzeitung · 1907-04-26 · Heft 20 (26.4.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 20 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 «Neue National-Zeitung« Seite 7 Am 16. d. M. hat sich der hiesige Bezirkshauptmann Josef Ziemba erschossen. Ziemba, der ein allgemein beliebter," gutmütiger, gewissenhafter und schlichter Mann war, ist den bevorstehenden Reichsrats wählen zum Opfer gefallen. Der arme Bezirkshauptmann, der kein Wahlenmacher war und sein wollte. — derselbe wurde erst vor zwei Jahren als Bezirkshauptmann für die hiesige neukreierte Bezirkshauptmannschaft ernannt — machte aus seinen Antipathien gegen Dr. Gold kein Hehl und er ließ unlängst dem Herrn Ernst Breiter in Lemberg mitteilen, er möge hier kandidieren, er (Ziemba) werde ihm seine Stimme geben. In der Kollision zwischen seinem Gewissen und dem, was die galizischen Statthalter als Pflicht hinstellen, zog er es vor, seinem Leben durch die Revolverkugel ein Ende zu machen. spmmtäi Dieser Teil unseres Blattes steht unseren Lesern zur Verfügung Wer der Oeffentlichkeit in indischen Fragen etwas zu sagen hat, wer an die jüdische Oelfentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern zur Verfügung. Die Redaktion. Nachträgliches zur Rothschildtrauung. Geehrte Redaktion! Einige Tagesblätter bringen „sensationelle" Meldungen über bedenkliche Trübungen am jungen Himmel der jüngst geschlossenen Rothschildehe. Ohne diese für den weiteren Gang der Weltgeschichte sicherlich nicht höchst bedeutsamen Vorfälle auf ihre Richtigkeit zu prüfen, erscheint es mir angemessener, von der Munifizenz (!) der englischen Rothschilds zu sprechen. Bei der Trauung im Josefstädter Tempel wirkten 50 Chorsänger aus den Synagogen Innere Stadt u. Leopoldstadt mit, zumeist erwachsene Männer und Familienväter. Dieses Sängerpersonal entlohnte man mit K 200* - Der Betrag ordnungsgemäß aufgeteilt gibt für jeden der Sänger — schreibe und sag's" nicht laut — Kronen vier. Wobei sie diesmal selbstverständlich auf einen höheren Betrag rechneten, der seine Begründung übrigens auch darin hätte, daß alle Sänger vielfach Proben mitmachen mußten, um dem seltenen Brautpaare einen ganz besonderen Genuß zu bereiten. Und schließlich alles in allem: K 200-—. Gäb's ein Gesetz, das enttäuschten Optimisten den Klageweg gestattet, dann hätte das Brautpaar Rotschild unter den vielen Gratulationen manch' Klageformular gefunden. Im Grunde genommen handelt sich's hier ja um die angemessene Entlohnung für eine private Dienstleistung, die gleichzeitig künstlerische Leistung ist. In dieser Erkenntnis haben die Tempelsänger diesen lächerlich minimalen Betrag schon aus Gründen der Selbstachtung zu Händen des Herrn Alfred Strasser, des Verwandten und bevollmächtigten Arrangeurs der Braut, retourniert, ohne bis heute überhaupt einer Antwort gewürdigt worden zu sein. Also hätten die Chorsänger und Chorknaben bei der Trauung eines Rothschild-Ehepaares umsonst gesungen! Warum nicht? Schrieb ja Dr. Philipp söhn im Jahre 1848, als es sich um den Bau einer Synagoge handelte: „Der Baron Rothschild ist reich, sehr reich; der Jude Rothschild ist arm, sehr arm." Ein alter Chorfreund. Oesterreich-Ungarn, Darf ein Oberrabbiner hetzen? Wien, den 21. April (Orig.-Bericht). Wie wir bereits in der vorigen Nummer berichtet haben, war die zahlreiche Beteiligung von Vertretern aus allen Schichten der jüdischen Gesellschaft an dem Leichenbegängnis des verstorbenen Kultusvorstandes und Obmanns der „Beth Israel", weil. Herrn Salo Landau, eine glänzende Manifestation der allgemeinen Verehrung. Es waren unter anderem erschienen: der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav K o Ii n und Baurat Theodor Ritter v. Goldschmidt, dem Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, den Vorstandsmitgliedern Salo Kohn, Dr. Markus Spitzer, Emil Horner, kais. Rat J. Weil. Dr. Alfred Berger, Architekt Baurat Oskar Mamorek, Dr. Hermann Löwy, Adolf Schramek, kais. Rat Leopold Sachs und S. Steiner, die Bethausvorstände S. A. Wasservogel und Julius Kopstein. der Vizepräsident der Börsekammer Leopold von Lieben mit. dem Generalsekretär Franz Lick und dem Kassenvorstande Inspektor Franz Horak. die Börseräte Koliseh, Sobotka und Steinhübe], Großindustrieller Bernhard von Pollack, kais. Rat Wilhelm Pollak. Direktor Löwy von der Kreditanstalt, die Schriftsteller Wilhelm Frey. Bernhard Münz, Jakob Kraus, die Bankiers Edier von Hofmannsthal. Jacques Weift und Johann Klein, Oberkantor J. Bauer, erster Kantor Jurberger, die Vorstandsmitglieder des Vereines „Beth-Israel„ die Herren S. Deiches, Max Rosenfeld, Ignaz Jolles, Alexander Landau, David Kolieb, Josef Silbermark, Julius Brecher, Dr. Karl Lifezis, A. M. Opper, J. M. Beif. der Obmann des Vereines „Einheit" Herr S. Meiseis, eine Deputation der Vereine „Machsike Hadas" und „Livvias Glien", eine Deputation der israelitischen Kultusgemeinde in Baden, bestehend aus den Herren: Simon Mandl, Alois Fleischmann und Ludwig Lackenbacher usw. An der Bahre trug Oberkantor Sc Iiorr in ergreifender Weise die Trauergebete vor, worauf Herr Rabbiner Mayerhofer die Trauerrede hielt, die das humane Wirken des Verstorbenen in treffender Weise schilderte. Er sagte: „Hochverehrte Trauerversammlnng! Als Rabbiner des Vereines „Beth Israel'1 ist mir die heilige Pflicht anferlegt, unserem ailgeliebten, teuren Obmanne einen Nachruf zu halten. Andererseits aber als Freund, denn wie bekannt, war unsere Freundschalt eine brüderliche zu nennen; seit mehreren Jahren war fast keine Woche verstrichen, ohne daß wir unsere Gefühle miteiander nicht ausgetauscht hätten. Ach! Dieses Hans, das war oftmals eine Trostquelle für mich und jetzt - - mit welcher Traner erfüllt es mich, von diesem mir teuer gewordenen Hause für immer Abschied nehmen zn müssen. Ich tinde keine anderen Worte, meinem tiefen Schmerze Ausdruck zu verleihen, als die einst König David seinem toten Freunde zugerufen: Wehe mir um dich, mein Brnder! Kaum sind die Feiertage vorüber und schon hat unsere Gemeinde einen so schweren Verlust za beklagen. Unsere Herzensfreude ist zerstört, unsere Fröhlichkeit in Trauer verwandelt, die Krone unseres Hauptes ist gefallen, wehe uns, denn wir haben gesündigt. Sein Wirken im Inneren des Vereines, sein ideales Familienleben, seine vielen, vielen Wohltaten nach allen Eichtungen hin, bin ich jetzt leider nicht in der Lage zum Ausdrucke zu bringen, das will ich an dem von unserem Vorstande bestimmten Trauergottesdienste in unserem Tempel zu würdigen versuchen; sein Wirken nach außen aber, finde ich für nötig, hier an dieser Stätte zu erwähnen. Seine aufopfernde Vertretung unserer konservativen Prinzipien bei unserer Muttergemeinde, das war unsere Krone und diese ist gefallen. Seine unzähligen edlen Taten werden für ihn vor dem hohen Gerichte sprechen. Seine vielen Wohltaten werden

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