Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 19 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425687--0096-2426353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 »Neue Natlonal-Zeltung« Nr. 19 «IISN WSLOTilgN Die jüdische Bevölkerung Italiens beläuft sich auf 52.115 Seelen. Die größten jüdischen Gemeinden sind hier: Rom (10.000), Turin (5100), Livorno (4200), Mailand (3600), Venedig (2850), Florenz (2000), Ferrara (1730), Bologna (1500), Ancona (1285), Mantua (1000), Neapel (1030). Es gibt in Italien 70 Rabbiner; der älteste ist der Oberrabbiner von Ancona. Im italienischen Senat sitzen s i e b e n Juden: D'Ancona, Ulderico Levi, Malvazo, Ugo Pisa, Sanguinetti, Treves dei Bonfili und Vito Volterra. Von den 13 jüdischen Abgeordneten, die in der Kammer sitzen, sind die bekanntesten: Barzilai, Franchetti, Luigi Luzzatti, Lazzatto, Morpurgo, Romanin-Jacur und Wollemborg. Die jüdische Einwanderung in Palästina ergab für das Jahr 1906 die stattliche Zahl von 3427 Emigranten gegenüber 1229 im Jahre 1905, also fast das Dreifache. Ein Landrabbiner für Monaco. Das Fürstentum Monaco hat jetzt einen eigenen Staatsrabbiner in der Person des Herrn M. Bauer, des Oberrabbiners von Nizza, erhalten. Sein neues Amt wird ihm kaum zu viel Mühe machen, da die Juden, die nach Monaco kommen, dort meist etwas anderes suchen als die Tröstungen der Religion. Die amtlichen Statistiken bringen keine Angaben über die Zahl der Juden im Fürstentum. Die Fürstin war bekanntlich ein Mitglied der Familie Heine; doch wurde die Ehe des Fürstenpaares bereits vor einigen Jahren gelöst. Ein Rabbiner als Einjähriger. Der Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Göttingen, Dr. Sonderling, der österreichischer Staatsangehöriger war, ist von der Regieruns bestätigt worden unter der Bedingung, daß er sich naturalisieren lasse und seiner Militärpflicht genüge. Dr. Sonderling, der bereits Familienvater ist, hat denn auch dieser Tage beim Infanterie- Regiment Nr. 82 als Einjähriger eintreten müssen. Der Gemeinde, die ihm für das Dienstjahr sein volles Gehalt zahlt, hat er einen Vertreter gestellt. Adolf Sabor. Vor einiger Zeit starb in Frankfurt a. M. der frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Adolf Sabor. Am 26. September 1841 geboren, hat er ein Alter von 65 Jahren erreicht. Er studierte in Breslau und Berlin Philosophie, Sprachen und Staatswissenschaft und war lange im Jn- und Auslande als Hauslehrer tätig. An der israelitischen Realschule in Prankfnrt a. M. legte er das Probejahr ab und erhielt eine Anstellung an derselben Anstalt, wurde aber 1873 wegen seiner Vorträge in Arbeitervereinen des Amtes entsetzt. Seitdem wirkte er als Privatlehrer. 1884 von seiner Partei als Reichstagskandidat aufgestellt, kam er mit Sonnemann, dem langjährigen Vertreter Frankfurts, in die Stichwahl. Auf die vielbesprochene Drahtantwort des Fürsten Bismarck auf Anfrage aus Wählerkreisen: „Fürst wünscht Sabor gewählt", errang Sabor in der Stichwahl die Mehrheit, die er anch bei den Wahlen von 1887 behauptete. Im Beichstage prägte er die grflügelten Worte: „Das läßt tief blicken" und „Es geht etwas vor, man weiß nur nicht was." Seit 1890 hatte sich Sabor, dessen Gesundheitszustand sehr viel zu wünschen übrig ließ, ganz vom politischen Leben zurückgezogen. Knijrg'es Umgang mit — Juden. Der bekannte Baron Knigge, der Verfasser des einst vielgefeierten Buches „Umgang mit Menschen", zeichnete sich nicht gerade durch sonderliche Judenfreundlichkeit aus. Als einst in der Türkei kriegerische Unruhen herrschten, brachten die Zeitungen die wunderliche Nachriebt aus Konstantinopel, daß die Türken nach alter Sitte ,,zur Versöhnung des Propheten Muhammed" einen Juden neben einem Esel begraben haben. In einem Kreise von Hofdamen sprach man eben von dieser Neuigkeit, und Baron JKnigge benutzte dieselbe, um dem jüdischen Oberhofagenten Feidel spottend zuzurufen: „Wie gut, Herr Oberhofagent, daß Sie nicht damals in Konstantinopel waren." — „Ja, ja", erwiderte der Angesprochene, „ein wahres Glück für mich. Aber auch für Sie, Herr Baron, ist es gut, daß Sie an jenem Tage nicht dort waren". — „Für mich? Wieso? Ich bin doch kein Israelit", rief Knigge. — „Das wohl nicht", antwortete Feidel, ,.aber Herr Baron vergessen, daß außer dem Juden noch jemand begraben wurde!" Die ganze Gesellschaft brach in schallendes Gelächter aus. Der Baron entfernte sich wütend. Ein jüdischer (Jeneralstabsehef in — Frankreich.. Bataillons- Kommandeur L e v y ist zum Generalsta bschef der 13. Infanteriedivision befördert worden. Die jüdische Wochenschrift in Philadelphia „The Jewish Exponent" feierte am 5. d. M. ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlasse erschien eine Festnummer zu der die hervorragendsten jüdischen Publizisten und Gelehrten Nordamerikas Beiträge lieferten. Wenn man sieht, wie sich die jüdischen Wochenschriften in Amerika an Ausstattung und Inhalt immer mehr entwickeln und wenn man damit den tristen Zustand der jüdischen Presse diesseits des Kanals vergleicht, so fühlt man sich nicht bloß von den Empfindungen der Bewunderung, sondern auch des Neides ergriffen.___ Briefkasten der Redaktion. Dem anonymen Briefschreiber. Sie waren so aufmerksam, uns zu beglückwünschen, daß die konservativen und christlichsozialen Tagblätter, „Vaterland", „Reichspost", „Czas" etc. unsere Stellungnahme zur Frage der „Eherechts-Reform" unter Reproduzierung unseres Entrefilets mit Dank zur Kenntnis nahmen. Sie können überzeugt sein, daß wir fortfahren werden, gewissen „Glaubensgenossen" die Wahrheit zu sagen; selbst auf die Gefahr hin, daß wir unseren Gegnern damit ein Vergnügen bereiten. Volkswirtschaftliches. (Kapitalserhohung .; er Weelisdstufoeü-Aktien-Gesellschaft „Mercur".) Die am 13. April d. .7. stattgefundene Generalversammlung hat auf Grund des § 7 der Statuten beschlossen, das Aktienkapital um K, 4.000.000, also auf K.. 20,000.000 durch Ausgabe von Stück 10.000 neue Inhaber-Aktien ä K 400 Nominale zu erhöhen. Diese K 4,000.000 neue Aktien, welche an dem «lesckäftsergebnisse des laufenden Jahres bereits partizipieren, sind zufolge der Beschlüsse dr-r Generalversammlung den bisherigen Aktionären zum Kurse von K 600 derart anzubieten, daß auf Grund von je vier Aktien eine neue Aktie zum erwähnten Kurse nebst 5 Prozent Zinsen von demselben vom 1. Jänner 1906 ab bezogen werden kann. Wie in den früheren Jahren, wird der Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur" bei dieser Kapitalserhöhung ein aus der Bank für Handel und Industrie, Darnistadt-Berlin, und der Basier Handelsbank, Basel, gebildetes Garantiesyndikat zur Seite stehen. Der Agiogewinn wird dem Kapitalsreservefonds zugewiesen, wodurch die gesamten Reseiven der Gesellschalt eine Höhe von rund K 8,400.000 42 Prozent des Aktienkapitales erreichen werden. Die "Wechselstuben- Aktien-Gesellschaft .Mercur" bietet nunmehr den Aktionären die vorbezeichneteu 10.000 Stuck neue Aktien von je Nominale K 400 zum Kurse von K 600 unter vorstehenden Bedingungen an. Die Anmeldung des Bezugsrechtes hat bei sonstigem Verluste desselben bis inklusive 20. April 1907 bei der Hauptkasse der Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur", Wien, I., Strobelgass 2, bei deren Niederlassungen in Böhm.-Kamnitz, Böhm.-Leipa, Brünn, Mähr.- Schönberg, Neutitschein, Pilsen, Prag, Reichenberg und Zwittau, bei der Wechselstuben-Aktien-Gesellschaft „Mercur', Budapest, V., Badgasse 3, bei der Bank für Handel und Industrie in Berlin, Darmstadt und Frankfurt am Main bei der Basler Handelsbank in Basel zu erfolgen. Zugleich mit der Anmeldung des Bezugsrechtes sind auf jede zu beziehende neue Aktie K 600 zuzüglich 5 Prozent Zinsen von diesem Betrage ab 1. Jänner 1907 bis zum Anmeldnngstage in Barem zu erlegen. Aufruf! Dem Andenken des kürzlich in Hamburg dahingeschiedenen, unvergeßlichen Mitschöpfers und Vorkämpfers derzionistischen Idee Gustav G. Cohen, der als treuer Jude und echter Menschenfreund in stiller Einfachheit Großes geleistet hat, soll von seinen Freunden und Verehrern ein Ehrenzeichen gestiftet werden, das — in der Richtung seines jüdischen Lebensideals gelegen — gleichzeitig ein in die Zukunft ragendes Kulturwerk im Heiligen Lande darstellt. Wir gedenken zur ewigen Erinnerung einen Oelbaumgarten in Palästina zu pflanzen, der seinen Namen trägt, und bitten alle, die dem Verstorbenen ein treues Gedächtnis bewahren, sich durch eine Geldspende an dieser Ehrung zu beteiligen. Beiträge nimmt entgegen: Herr Saml. Cohen, Hamburg, Admiralitätsstraße 33. Bank-Konto: Norddeutsche Bank. Dr. Besser, Saml. Cohen, L. Estermann, Dr. L. Franck, Dr. Halpern, Dr Huldschiner, Dr. Kalmus, Ed. Levinson, Ludwig Mathiason, Otto Rüben, Gustav Tuch, Dr. Victor, Mor. S. Wolff in Hamburg-Altona; David Wolffsohn, Köln; Dr. Adler, Lübeck; Dr. Bodenheimer, Köln; Jos. Cowen, London; Berthold Feiwel, Köln; Dr. Friedemann, Wiesbaden; L. J. Greenberg, London; Dr. Hantke, Berlin; Prof. Dr. Kellner, Czernowitz; J. Kremenezky, Wien; Dr. Schemarja Lewin, Wilna; Dr. H. Löwe, Berlin; Prof. Dr. Mandelstamm, Kiew; Dr. A. Marmorek, Paris; Dr. MaxNordau, Paris; N. Sokolow, Köln; Hermann Struck, Berlin; Wl. Temkin, Elisabethgrad; Dr. Tschlenow, Moskau.