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Neue Nationalzeitung · 1907-04-19 · Heft 19 (19.4.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 19 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 »Neue National-Zeitung« Seite 9 Moldau hat Resultate ergeben, die die Stellung* des gegenwärtigen Unterrichtsministers Spiru Haret als unhaltbar erscheinen lassen. Herr Haret wird beschuldigt, durch Schriften antisemitischen Inhaltes, viel zum Aufstande beigetragen zu haben. Seine Verbindung mit arg kompromittierten Judenhetzem ist entdeckt. Der Gymnasialdirektor Tiberius Popescul, Mitarbeiter der Zeitschrift „Liga Antisemita14 ist eines der vielen Protektionskinder Harets. Jonel Radulescu, der bekannte Judenhetzer, der verhaftet wurde, ist auf seine Intervention wieder in Freiheit gesetzt worden; der berüchtigte Bottuschanier Präfekt Vasescu ist jetzt täglicher Gast des Unterrichtsministers Spiru Haret!.. . Der „Adeverul" fügt hinzu, er habe aus absolut sicherer Quelle erfahren, daß der Premier Sturdza nunmehr seinen Busenfreund Haret fallen lasse. Kusslaiul. Banditen überfallen die jüdische Ocincindekasse. Warschau. Ende März. d. J. sollte in dem Gemeindehause der jüdischen Gemeinde die übliche alljährliche Armenunterstützung vor den Osterfeiertagen verabfolgt werden. Zu diesem Behufe hatte der Gemeindekassierer einige tausend Rubel aus dem Bankhause Wilhelm Landau behoben. Auf dem Wege vom Bankhause zum Gemeindeamte bemerkte er, daß einige verdächtige Männer ihm folgten. Er beschleunigte seine Schritte, erreichte glücklich das Gemeindehaus und begab sich in die Kanzlei der in einem Seitenflügel befindlichen Handwerkerschule, wo er das Geld dem Gemeindebuchhalter Muszkat zu übergeben hatte. Einige Minuten später drangen einige anständig gekleidete junge Männer, die die Uniformmützen der technischen Schule trugen, in die Kanzlei ein und begannen unter den Rufen „Hände hoch!" aus Revolvern zu schieß.n. Der in der Nähe der Tür sitzende Meister Ferdzik stellte sich ihnen entgegen und aus dem Nebenzimmer eilten Muszkat und einige Schüler der Handwerkerschule herbei. Bei ihrem Anblick ergriffen die Angreifer die Flucht und suchten, immer feuernd, das Haustor zu erreichen. Muszkat an der Spitze der Schüler folgte ihnen auf den Fersen und im Haustore gelang es ihm, einen der Leute am Kragen zu packen. In diesem Augenblicke erfolgte eine furchtbare Explosion, die das Gebäude erschütterte. Unmittelbar darauf vernahm man Hilferufe und Schmerzensrufe Verwundeter. Aus der benachbarten Gendarmenkaserne stürzten die Soldaten auf die Straße und bemerkten dort einen blutbedeckten jungen Mann, der, mit einem Revolver in der Hand, über die Straße wankte. Er wurde festgenommen und nach der Kaserne abgeführt, wo ihm ein Verband angelegt wurde. Es ist der mutmaßliche Bombenwerfer, ein etwa SOjähriger Mann. Die Bombe tötete Muszkat und einen zufälligvorübergehenden Tischler Namens Dwezarek und verwundete neun Personen; neben der Leiche des Muszkat lag noch eine zweite Bombe, die nicht explodiert wrar. Wie ich aus ganz zuverlässiger Quelle erfahre, waren es nicht die Banditen, welche die Bombe geworfen haben; sie besaßen keine. Es liegt hier vielmehr eine sonderbare Verkettung der Umstände vor. Die in der Nähe des Gemeindehauses befindliche Gendarmeriekaserne sollte heute von dem Gehilfen des Generalgouverneurs besucht werden. Gegen ihn wa2ein Anschlag geplant und da er die Grzykowskastraße, in der sich das jüdische Gemeindehaus befindet, passieren mußte, erwarteten ihn dort in Haustoren zwei mit Bomben versehene Revolutionäre. Der Banditenüberfall und die darauf folgende Schießerei brachten sie vermutlich aus der Fassung; sie wollten sich der Bomben entledigen und warfen sie weg; eine davon explodierte. Der verwundete Revolutionär wurde dann verhattet, sein Genosse aber entkam. Paliistina. Die Einsetzung des Chachaui Basehi. Jerusalem, Ende März. Die amtliche Einsetzung des Rabbiners Eliahu Mosche Panigl als Kaimakam- Chacham-Baschi von Palästina fand in außerordentlicher Feierlichkeit statt. Die Vertreter der verschiedenen Gemeinden sowie die Leiter der Jerusalemer jüdischen Anstalten trafen sich nach Verabredung in der Mittagsstunde im Zentral-Hotel. Es herrschte eine feierliche Stille im Saale, als Rabbi Panigl in der mit Silber bedeckten Amtsrobe — einem Geschenk des Sultans — geleitet von 6 uniformierten Kawasseu, eintritt. Direkt voran schritt der Regierungsbote, der mit dem Chacham von Konstantinopel gekommen war, auf einer Platte den in eine goldgestickte, seidene Decke gehüllten Firman des Sultans tragend. Rabbi Panigl begrüßte gleich darauf die Anwesenden und dann formierte sich der Zug nach dem Serail (dem staatlichen Gerichtsgebäude), wo die offizielle Einsetzung durch den Gouverneur stattfinden sollte. Der Zug, der aus mehr als 10.000 Menschen bestand, wandte sich durch die engen, steilen Gassen der Altstadt bis zum Serail, welches an die Stätte unseres heiligen Tempels grenzt. Als Rabbi Panigl in die Nähe des Tores kam, präsentierten die dort aufgestellten Soldaten das Gewehr. Die Zeremonie im Serail im Beisein des Pascha verlief würdevoll. Der Regierungsbote enthüllte den Firman, legte denselben an Lippen und Kopf und überreichte ihn dem Pascha, der ihn stehend empfing und dem schriftlichen Befehl des Sultans die gleiche Ehrerbietung darbrachte. Der Firman wurde danu vom Sekretär des Paschas, nachdem dieser ihn ebenfalls geküßt, vorgelesen. Der Inhalt war, daß es des Sultans Wille sei, daß Rabbi Eliahu Mosche Panigl Kaimakam-Chacham-Baschi Palästinas werde und daß der erwählte Führer der Juden in der heiligen Stadt zum Segen seiner jüdischen Untertanen sein Amt verwalte. Rabbi Panigl sprach arabisch die vom Gesetz vorgeschriebene Erwiderung. Treue dem Landesherrn im Namen aer Juden Palästinas versprechend. Man gratulierte dem Kaimakam-Chacham-Baschi, setzte sich, und Mokkakaffee wurde gereicht; die offizielle Zeremonie war zu Ende. Vom Serail aus wallte die Menschenmasse zur Jochananben-Sakai-Synagoge, wo Rabbi Panigl seine Antrittsrede in hebräischer Sprache hielt. Panigl ist eine ehrwürdige Erscheinung und steht in den Fünfzigerjahren. Sein lauteres Wesen, sein biederer frommer Charakter hat längst die Aufmerksamkeit des Kaimakam Etfendi auf sich gezogen. Seine Wahl durch den letzteren, Rabbi Möschen ha-Lewy, hat Se. Kaiserliche Majestät der Sultan nicht allein mittelst Firmans gutgeheißen, sondern ihm, dem Erwählten, auch als Anerkennung seiner Untertanentreue den Medjidie-Orden 3. Klasse verliehen. GEMEiSöS=UN5 VSRCiNSNÄUtöiüBW , Wien. Derhumanitäre Verein der jüdisch-orthodoxen^Volksküche.,,E i n h e i.t" hatte am verflossenen Passahfeste die erfreuliche Gelegenheit, an jedem Sederabend etwa 100 Gäste zu bewirten. Den Verständnis- und gemütvollen Vortrag^des rituellen Teiles übernahm der als Mazgid wohlbekannte Rabbi M. Prag er aus Warschau. Die Honneurs machten die Mitglieder des Vorv Standes, die Herren: Pappenheim, Hofbauer, Schiff usw.

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