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Neue Nationalzeitung · 1907-04-19 · Heft 19 (19.4.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 19 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 19 Die russisch-jüdischen Studenten an den deutschen Hochschulen. Leipzig". Seitdem sich Russen, die in Leipzig und Dresden studieren, im letzten Reichstagswahlkampfe agitatorisch zugunsten der Sozialdemokratie betätigt haben, hat sich die öffentliche Meinung lebhaft mit der Ausländerfrage an den deutschen Universitäten beschäftigt. Hier hat auch jüngst eine große öffentliche, von der hiesigen deutsch-sozialen (antisemitischen) Partei veranstaltete Versammlung stattgefunden, in der Dr.- Sevin, Redakteur der „Akademischen Blätter" in Berlin, die Angelegenheit sehr gründlich darlegte. Besonders wies er darauf hin, daß die überwiegende Mehrzahl der Ausländer Russen, Polen, Ga Ii zier und Bulgaren seien, die sich nur zu einem kleinen Teile den eigentlichen Universitätswissenschaften, vielmehr hauptsächlich aber solchen Studien widmen, die schnell Geld einbringen und die sie znr „Verdrängung" der deutschen Techniker, Ingenieure und Kaufleute im eigenen Lande am besten verwerten können, das ist z. B. Chemie, Physik, Landwirtschaft, vor allem aber sind es die technischen und die kaufmännischen Wissenschaften. So studieren an der Leipziger Handelshochschule beispielsweise 382 Ausländer, meist Russen, bei nur 338 Deutschen. Die Schule könne kaum noch als eine deutsche Hochschule bezeichnet werden. Das richtigste wäre es, wenn die Zahl der ausländischen Studierenden an den deutschen Hochschulen auf einen bestimmten Prozentsatz beschränkt, im übrigen aber die Aufnahmsbedingungeu in Bezug auf wissenschaftliche Vorbildung, sowie die Kollegiengelder erhöht würden. Die Versammlung beschloß, die maßgebenden Faktoren zu ersuchen, daß der steigende Zuzug „kulturell minderwertiger" Elemente aus dem Osten nach deutschen Hochschulen ferngehalten wird ... Dortmund. Bei der Verteilung der^Entschädigungen an die durch die Roburitexplosion schwer getroffenen Einwohner von Annen, wurden die beschäschädigten Juden in empfindlicher Weise zurückgesetzt. Von den insgesamt eingegangenen Hilfsgeldern im Betrage von 650.000 Mark sind neuerdings wieder 200.000 Mark der Gemeinde Annen überwiesen worden Es hätte vielleicht genügt und wäre wirksamer gewesen, wenn nur die Bedürftigen Unterstützung erhalten hätten. Aber man ist weiter gegangen und hat fast allen Beschädigten eine Entschädigung von 10 bis 30 Prozent des taxierten Schadens zukommen lassen. Ausgefallen sind jedoch sämtliche Juden mit Ausnahme eines Althändlers, dem man einige Mark gegeben hat. Dies hat allgemein unangenehm berührt, aber im besonderen noch deswegen, weil die christlichen Geschäftsleute, die teils in gleichen, teils in viel besseren Vermögens Verhältnissen als ihre Kollegen leben, sämtliche, selbst notorisch reiche Leute eine Entschädigung von 200 bis 1000 Mark erhalten haben. Eine bei dem Amtmann eingereichte Beschwerde hatte keinen Erfolg; der Amtmann verwies die Unzufriedenen auf den B eschwerdeweg an die Regierung, der auch beschritten werden wird. Dieser Fall der Zurücksetzung jüdischer Mitbürger ist umso ärger, als gerade die jüdischen Einwohner sich ganz besonders an dem Hilfswerk beteiligt haben. Zunächst sind Berge von Wäsche und dergleichen für das evangelische und das katholische Krankenhaus von jüdischen Frauen, die selbst die Pflege der Verunglückten übernommen hatten, beschafft worden. Obdachlos gewordene christliche Familien sind von Juden aufgenommen und beherbergt worden, zum Teil findet diese unentgeltliche Beherbergung auch heute noch statt. Und der Dank dafür . . . Köln. Der Besuch des Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees, Herrn Wolffsohn in Palästina hat viel dazu beigetragen, die Informations- und Vorbereitungsarbeiten in Palästina zu fördern. Die nähere Beobachtung der neueren Versuche und Anstrengungen auf dem Gebiete des Acker- und Weinbaues und der Industrie war wichtig für die Entscheidung über mancherlei Fragen praktischer Art. Insbesondere interessierten Herrn Wolffsohn die in jüngster Zeit unternommenen verschiedenartigen Boden-Ameliorations- und technischen Verbesserungsversuche, von denen er bei emsiger und und rationeller Fortführung sehr gute Ergebnisse erhofft. An den meisten Orten war ein erfreulicher Fortschritt wahrzunehmen. In vielen Kolonien macht sich der kräftige Pulsschlag eines neuen Lebens bemerkbar. Viele Anfänge lassen, trotz der naturgemäßen Schwierigkeiten, die Keime künftiger Ersprießlichkeit erkennen. Die' Erstarkung des nationalen Geistes, die großen Fortsehritte und die ungeahnte Ausbreitung der lebenden hebräischen Konversationssprache in Palästina liegen klar und glanzvoll zutage. In allen diesen Merkmalen der jüdischen Renaissance ist die Gewähr des Wachstums und der besseren Zukunft der hebräischen Kultur zu sehen. Das Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds wird in den nächsten Wochen von Wien hieher übersiedeln. Großbritannien. Dr. Adolf Neubauer — gestorben. London. Vor einigen Tagen ist hier Dr. Adolf Neubauer, Bibliothekar an der berühmten Bodley- Bibliothek in Oxford, ein gebürtiger Ungar, ein naher Verwandter des Kurialrichters Dr. Ignaz Neubauer, 76 Jahre alt, gestorben. Er wurde in Nagy-Bittse, Kom.- Trencsen, geboren, hatte eifrige Talmudstudien getrieben und große Reisen unternommen, die er hauptsächlich zum Studium der Bibliotheken verwendete. Das Ergebnis dieser Reisen war zunächst ein Werk über die Geographie des Talmud. Nebst dem unlängst verstorbenen. Dr. Steinschneider war er der größte Kenner hebräischer Manuskripte und hat für mehrere Bibliotheken, darunter auch für die Bodleysche, einen Katalog dieser Manuskripte angefertigt. An dem letzteren Katalog, der sich als Monumentalwerk präsentiert, hat er 20 Jahre lang gearbeitet; derselbe enthält die eingehende Beschreibung von mehr als 2500 Manuskripten. Seit 1873 stand er in Diensten der genannten Bibliothek, eine der berühmtesten der Welt, für die er zahlreiche literarische Schätze zu erwerben wußte. Unter seinen Erwerbungen befindet sich unter anderem das hebräische Original des Buches Sirach. Er hat eine lange Reihe hervorragender bibliographischer Werke verfaßt, darunter ein großes zweibändiges Werk unter dem Titel „Les rabbins frangais", welches die französische Akademie unter dem Namen Ernst Renans herausgab, weil sie statutengemäß nur Werke ihrer eigenen Mitglieder veröffentlicht. Etwa 20 Jahre lang hielt er auch Vorträge an der Oxforder Universität über die r a b b i n i s c h e Literatur. Er war Mitglied zahlreicher Gelehrtengesellschaften, unter anderem auch der Academie des inscriptions et lettres. Das geschwächte Augenlicht zwang ihn, in den Ruhestand zu treten; seine letzten Lebensjahre verbrachte er hier. Rumänien. Der rumänische Uriterrichtsininister kompromittiert. Bukarest, den 16. April. Der heutige „Adever ul" berichtet: Die Untersuchung über die Ursachen der Bauernbewegung und die mit ihr im Zusammenhangstehenden Exzesse gegen die jüdische Bevölkerung der

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