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Neue Nationalzeitung · 1907-04-19 · Heft 19 (19.4.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 19 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 »Neue National-Zeitung« Seite 7 wird das Projekt eines Zubaues zum Versorgungshause erwogen. Diese großartige Wohltätigkeitsstiftung ist umso erfreulicher, als sonstige jüdische Millionäre —in jüngster Zeit Baron Nathaniel Rothschild -- ihr Geld ohne Unterschied der Konfession vermachen, wovon dann die Juden so gut wie ganz ausgeschlossen sind. Die lüütusgemeiiule Floridsdort' — aufgelöst. Wien. Infolge der letzten Erweiterung des Groß- Wiener Stadtgebietes wurde auch die bisherige Kiütusgemeinde Floridsdort zu einem Bestandteile unserer Großgemeinde. Aus diesem Anlasse fand am 27. v. M. eine Schluß- und Festsitzung des Floridsdorfer Kultusausschusses statt. Dieselbe wurde mit einer Ansprache des Präses Dr. König eröffnet, welcher die äußerst interessante 60jährige Geschichte dieser kleinen und doch ansehnlichen Gemeinde entwarf. Er sagte: „Der Uranfang unserer Kultusgemeinde reicht zurück bis in die 40 er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Um diese Zeit verließen mehrere Glaubensgenossen, welche sich aus den an der mährischen Grenze gelegenen ungarischen Ortschatten wie Szobotist, Szenicz etc. rekrutierten, ihre Heimat, um sich einen Erwerb in Niederösterreich zu suchen. Sie nahmen einen temporären Aufenthalt, teils in Jedlesee, Jedlersdorf und Strebersdorf, teils auch in Leopoldau und Hirschstetten, d. h. sie betrieben in diesen Ortschaften in unbefugter Weise den Hausierhandel und waren den Verfolgungen der Sicherheitsorgane ununterbrochen ausgesetzt; da dazumal den Juden ein längerer Aufenthalt, als durch einige Tage, nur gegen vorherige behördliche Bewilligung in Niederösterreich gestattet war. Ihre religiösen Bedürfnisse befriedigten sie in der Weise, indem sie die Gebete zu Hause verrichteten, oder an Samstagen Wiener Tempel aufsuchten. Die hohen Feiertage und die Ostern verbrachten sie in ihrer Heimat. Von diesen damals lebenden Glaubensgenossen wurden mir genannt: Herr Markus. Schwarz, Herr Michael Grünwald und Herr M. Treibl. Erst nach dem Jahre 1848 wurde unseren Glaubensgenossen gestattet, sich in Niederösterreich seßhaft zu machen und finden wie schon im Jahre 1851 Juden in Jedlesee, Strebersdorf und Jedlersdorf, ferners in einzelnen Dörfern des Marchfeldes wohnen. Die erste Niederlassung von Juden in Floridsdort fällt in das Jahr 1853, woselbst ein Schochet, namens Schwarz in der Pragerstraße eine koschere Garküche für durchreisende Juden inne hatte.'' Dr. König schilderte sehr eingehend, wie in dem jüdischen Gemeinwesen Stein auf Stein gebaut winde, wie ein Wohltätigkeitsverein auf den anderen folgte, Gemeinde-Institutionen dank dem Gemeinsinne der Bürger sich aneinander reihten: zuerst der Friedhof, dann ein Tempel, weiters ein Talmud-Thora-Verein, der jetzt unter der Leitung des Rabbiners Dr. Rosen mann sich vorzüglich bewährt, schließlich ein Amtshaus. Der Präses schloß mit den Worten: „Durch politische Verhältnisse veranlaßt, mußte unser junges, modern konservatives, in schönster Entwicklung begriffenes Gemeinwesen zur Auflösung gelangen, hiedurch hat es aber nicht zu existieren aufgehört, sondern hat nur eine Lebensmetarmorphose durchgemacht und wird weiter fortleben und zu einem neuen, kräftigen Leben in den drei neu gegründeten Kultusgemeinden, Gänserndorf, Stockerau und Groß-Enzersdorf, welchen ich ein kräftiges Gedeihen, Wachsen und Blühen wünsche, erwachen." Es folgten hierauf die Dankreden der Vorstandsmitglieder Dr. Brüll, Moriz Mandl, Dukes, Rabbiner Dr. Rosenmann u. s. w. Ein kleines musterhaftes Gemeinwesen, das trotz der Nachbarschaft der Großstadt sich sein individuelles Gepräge zu bewahren gewußt hat, wurde nun in den Rachen der Großstadt geschleudert, politisch und geistig. So will es die Entwicklung. Ob dies dem jüdischen Gemeindeleben zugute kommt? Dekorierung eines Rabbiners. Linz. Sonntag vormittags fand im festlich geschmückten Tempel die Dekorienmg des Rabbiners Moriz Fried mann, der vom Kaiser durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet wurde, durch den Statthalter Freiherrn v. Handel statt. Außer dem Statthalter, der vor dem Gotteshause von dem Vorstande der hiesigen Kultusgemeinde empfangen und in den Tempel geleitet wurde, hatten sich noch eingefunden: die Herren Hofrat Binder, Statthaltereirat Berg er, Platzkommandant Major Steiner, die Landesschulinspektoren Dr. Loos und Dr. Zenz, die Direktoren Regierungsrat Würfi (Gymnasium), Commenda (Realschule), Schulrat Habenicht (Lehrerbildungsanstalt , Dr. Putsch (Mädclienlyzeum), Schuh (Gymnasium Gmunden), ferner die Mitglieder des Stadtschulrates in Linz Inspektor Direktor Aichberger, Ig. Hahn und Oberlehrer Seefeldner, dann einige Professoren, Rabbiner Schön aus Steyr, Kultusvorsteher Reiß aus Steyr sowie Vertreter der verschiedenen israelitischen Wohltätigkeits- und Beerdigungsvereine von Linz und Steyr, endlich sehr zahlreich die Mitglieder der Kultusgemeinde Linz-Urfahr. Mit einem vom Oberkantor Löwensohn gesungenen Psalm und einem Choral des Tempelchores wurde die Feier eingeleitet, worauf der Vorsteher der Kultusgemeinde eine Ansprache hielt. Der Statthalter nahm sodann die Dekorierung vor. In seiner Rede verwies er auf die vierzigjährige Seelsorgetätigkeit des Ausgezeichneten, der sich der allgemeinen Wertschätzung in den weitesten Kreisen der Bevölkerung erfreue und dessen Lebenswerk kein vergebliches war. Der Statthalter drückte ihm auch den Dank für sein Wirken im oberösterreichischen Land esc hulrate aus und überreichte sodann dem Rabbiner unter herzlichen Beglück wünseluvngsworten den Orden. Tiefbewegt dankte der Rabbiner dafür, daß seine bescheidene seelsorgerische Tätigkeit Anerkennung gefunden habe und dankte dem Statthalter insbesondere für die persönliche Teilnahme an der Feier und bat ihn, zu vermitteln, daß er den Dank persönlich an den Stufen des Thrones abstatten dürfe. Sodann verrichtete der Rabbiner vor der Bundeslade das Gebet für den Kaiser, in das er auch den Statthalter einschloß, worauf mit der Absingung der Volkshymne die schöne und würdig verlaufene Feier ihr Ende fand. Deutsches Reich. Berlin. Dem soeben erschienenen Jahresbericht des „Hilfsvereins dei Deutschen Juden" entnehmen wir über die Kooperation zwischen der Ito und dem Hilfsverein folgenden Passus: „Neue Einwandernngsmöglichkeiten". Wie im vorigen Jahre, so waren auch im Jahre 1906 unsere Bemühungen darauf gerichtet, die Auswanderungsmöglichkeiten für jüdische Auswanderer zu vervielfältigen, denn die Länder, nach denen jetzt der Hauptstrom der jüdischen Auswanderer geht, können auf die Dauer die Massen der Juden, die durch die Verhältnisse im Osten Europas gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen, nicht aufnehmen. Die Vorsitzenden des Hilfsvereins, die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan, sind ans diesen Gründen der geographischen Kommission, welche die Jewish Territorial Organisation (Ito) eingesetzt hat, beigetreten. Neben ihnen gehören dieser Kommission noch an: Lord Rothschild, London, Oskar Strauß, New-York und Professor Mandelstamm, Kiew.

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