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Neue Nationalzeitung · 1907-04-19 · Heft 19 (19.4.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 19 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 »Nene National-Zettung« Nr. 19 Der Nationalfond in Gefahr? „Glauben Sie. daß der Nationalfond durch die verschiedenen in Palästina bevorstehenden Experimente gefährdet sei!" fragte der Interviewer." »Ihre Frage — erwiderte Dr. Nordau — läßt eine zweifache Deutung zu. Erstens, daß die Verwalter des Fonds unehrlich wären. Davon ist keine Rede. Es handelt sich vielmehr darum, ob diejenigen, die das zionistische Geld für palästinensische Zwecke ausgeben wollen, das Geld für richtige Zwecke verwenden werden. Auch das bestreite ich. Diese Herren haben schon bewiesen, daß sie unpraktisch sind und zwar bei der Verausgabung der Pogrom - Gelder, die ganz anderen Zwecken zugewendet worden sind. Man muß also rechtzeitig dafür sorgen, daß nur solche Männer mit der Geldgebarung betraut werden, die praktischen Sinn und Interesse für die gesamte Bewegung verbinden." Die Realisierbarkeit des Zionismus. „Man behauptet — setzte Dr. Nordau fort — daß ich und andere den Glauben verbreitet haben, der Zionismus werde bald verwirklicht werden. Nein, ich habe das nie getan. Im Gegenteil. Ich habe stets vor der Illusion gewarnt, als ob der Zionismus im Handumdrehen zu machen wäre. Wenn jemand von mir zu einer falschen Ansicht verleitet wurde, so war ich es selbst. Ich habe mir eingebildet, wir wären anders, als wir in Wirklichkeit sind; daß wir uns nach Palästina sehnen, daß wir zu arbeiten entschlossen sind, um es zu erlangen. Ich habe sonst in niemandem den irrigen Glauben erweckt, man könnte heute oder morgen mühelos Palästina erhalten." „Ito." Zum Schlüsse seiner Ausführungen kam Dr. Nordau auf die „Ito"-Bewegung zu sprechen. „Meine Beziehungen zur „Ito"-Bewegung haben sich nicht geändert. Ich könnte nicht behaupten, daß sie dem Zionismus schadet; es kann uns doch nicht unerwünscht sein, wenn in einem Territorium die Juden ruhig leben. Und hat sie keinen Erfolg, dann verliert sie ohnehin ihre raison d'etre." Der Ton der Ausführungen Nordaus war sehr gereizt Sein Dank an den Interviewer für den Besuch, ließ die Kränkung darüber durchschimmern, daß Ussischkin während seines jüngsteu Besuches in Paris bei ihm gar nicht vorgesprochen hatte. Die beiden Herren dürften wohl noch miteinander abrechnen — in Basel. WftftLBSWSGUNG Dr. Leopold Kahn für — Dr. Bloch. Wir erhalten folgende Zuschrift: An die verehrliche Redaktion der „Neuen National-Zeitung" Wien. Mit Bezug auf Ihre mich betreffende Nachricht in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 18 vom 12. April 1907 ersuche ich um Aufnahme folgender Berichtigung unter „Wahlbewegung" : Es ist nicht wahr, daß ich die Kandidatur des Herrn Dr. J. S. Bloch in der Leopoldstadt gegen Herrn Dr. Schafft, von dem mir bekannt war, daß er auch in Galizien, und, meiner Ansicht nach, mit mehr Aussicht auf Erfolg kandidierte, unterstützt habe, sondern bezog sich meine Befürwortung seiner Wahl auf alle in Betracht kommenden Gegenkandidaten, also ebenso Herrn Dr. Ofner1 Wte Herrn Klebinder, und habe ich dieselbe von meinem'jüdischen Standpunkte aus in einer Weise begründet, die keinen Zweifel darüber aufkommen läßt, daß es sich hier nicht um persönliche Sympathien oder Antipathien handelt. Es ist fernei nicht wahr, und steht im Widerspruch mit der in der „Wochenschrift" zu meinem Briefe gegebenen Einleitung, daß ich den Brief He;rn Dr. Blech übergeben hätte, wenn ich auch gewiß nichts gegen die Veröffentlichung einzuwenden gehabt hätte. Ganz entschieden unwahr aber ist, daß ich in diesem Briefe die zionistischen Reichsratskandidaten „Streber" nannte. Das ist weder dem Wortlaute noch dem Sinne nach aus meinem Schreiben herauszufinden und wenn Sie dies aus dem Passus der „Ergatterung einiger Mandate" deduzieren möchten, so bitte ich zur Kenntnis zu nehmen, daß ich damit nur das Mißverhältnis bezeichnen wollte, welch unansehnlicher Erfolg durch die Verquickung des zionistischen Ideales mit der politischen Betätigung erreicht werden soll, damit aber gewiß nicht den ehrenwerten Herren Kandidaten nahetreten wollte. Für die Aufnahme dieser Zeilen dankend, zeichne ich hochachtend Dr. Kahn. Wir haben zu dieser „Berichtigung", die wir, wiewohl sie nicht in den Rahmen des § 19 Pr.-G. paßt, veröffentlichen, nachstehendes zu bemerken: Wer den Brief des Herrn Dr. Kahn in der „Oest. W." gelesen hat, mußte sich sagen, daß Herr Dr. Kahn damit den Zweck verfolgt hat, für die Kandidatur des Dr. Bloch gegen Dr. Schallt und nur gegen diesen Stellung zu nehmen Das geht aus der Einleitung hervor, die von der „Oest W." dem Briefe des Herrn Dr. Kahn vorausgeschickt wurde. Hier heißt es ausdrücklich, daß der Brief des Herrn Dr. Kahn bestimmt sei, „die s c h ä dliehe Kandidatur Dr. Schalits gegen Dr.Bloch" zu verhindern. Warum hat Herr Dr. Kahn diese am 29. März 1907 in der „Oest. W." enthaltenen Bemerkungen bis heute in diesem Blatte nicht berichtigt? Herr Dr. Kahn insinuiert uns, daß wir aus seinen Worten „Ergatterung einiger Mandate" den Sinn des Strebertums „deduzieren möchten". Aber sind denn beide Begriffe nicht identisch? Hat vielleicht Herr Dr. Kahn den jetzt von ihm als „ehrenwerte Herren Kandidaten" bezeichneten Männern, deren Taktik er in der „Oest. Wochenschrift" antizionistisch und deren Streben nach Zionismus eine Maske nannte, mit dem Vorwurfe der „Ergatterung von Mandaten" etwas angenehmes sagen wollen? Es mag ja sein, daß Herr Dr.. Kahn speziell nach den heftigen Angriffen des Dozenten Dr. Maliler in der „Selbstwehr" und in der „Welt" seine höchst eigenartige Haltung bedauert; dann muß er aber andere Mittel suchen, um aus seiner schiefen Stellung herauszukommen, als bloße — Wortklauberei. Die Redaktion. Der TciTorisnius der Ofner-Partei. Wien. Von mehrfachen Seiten kommen uns Beschwerden zu, daß gerade in den Wählerversammlungen des Dr. 0 f n e r nicht bloß die Redefreiheit, sondern sogar die körperliche Sicherheit der Wähler arg gefährdet ist. Wenn auch Herr. Dr. Ofner derartige Gewaltakte persönlich gewiß nicht gut heißt, so wäre es doch wünschenswert, daß er seinen Agitatoren etwas mehr auf die — Fäuste schaut. In der am 11. April bei Guth stattgehabten Versammlung ist es besonders gewaltt ätig zugegangen. Da wurden selbst eingeladene Wähler wie Herr E. Torczyner u. a. von den „Ordnern" mißhandelt. Der Jurist Leopold Plaschkes wurde gewürgt. In der Versammlung wurde nach der Reihe nur hinausgeworfen. Diese Taktik dürfte der

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