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Neue Nationalzeitung · 1907-04-19 · Heft 19 (19.4.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 19 (19.4.1907)
Date
1907-04-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 »Neue National-Zeltung« Seite 3 zweimal auf den Weg. Er war der erste Europäer, der von der Südspitze des Kaspischen Meeres über die Hyrkanische Wüste nach Khiwa und von dort über die Khalata-Wüste nach Bokhara und Herat gelangte. Durch diese gefahrvolle und einzigartige Entdeckungsreise — er machte sie ohne Mittel als verkappter Derwisch — wurde er mit einem Schlage ein berühmter Mann. Der ehemalige Hauslehrer wurde in London, Paris und anderen Städten als Entdeckungsreisender ersten Ranges gefeiert. Seine Reisebeschreibung wurde mit Gier verschlungen und ward infolge seiner bezauberten Schreibweise im Laufe der Zeit zur Jugendlektüre. Vämbery ist öfter der gerngesehene Gast der Hohen Pforte und ist personagrata beim Sultan Abdul Hamid. Er hat auch mit andern Herrschern Verbindungen, weshalb er oft boshaft „der allgemeine Hofjude" genannt wird. Er fühlt sich durch dieses Epitheton nicht im Mindesten verletzt, denn er gehört zu den selbstbewußten Edelnaturen, „die sich nicht entdecken lassen wollen". Während kleine Geister, um ihren Ursprung zu verheimlichen, sich als Inquisitionsritter und Judenschläger geriren, hat Vämbery in seiner Selbstbiographie mit Stolz seine Abstämmling betont und den Hinweis auf diese bei jeder Gelegenheit wiederholt. Als ein Freiheitskämpfer von echtem Schrot und Korn hat er stets die Partei der Unterdrückten ergriffen. Er ist mit seinem Feuerworte für die Schwächsten der Schwachen, für die verfolgten Juden des Zarenreiches eingetreten. Er war es, der den Empfang Theodor Herzls beim Sultan erwirkte. Er unterstützt auch Zangwill in seinen territorialistischen Bestrebungen. * * * Wir hatten die Absicht, das Bild Professor Vämbery's zu reproduzieren und stellte daher unser Budapester Korrespondent an denselben ein bezügliches Ansuchen. Leider besitzt Herr Professor Vämbery keine Photographie und konnte unserer Bitte nicht entsprechen. Bei dieser Gelegenheit hatte er mit unserem Korrespondenten nachstehende Unterredung: „Wer wünscht denn das Bild?" fragte Vambery, . „denn in letzterer Zeit überstürmen mich jene Blätter, die mich nur deshalb zu verehren glauben, weil sie meinen, daß ich der ihrige — Nichtjude — sei, mit ihren Lobesäußerungen. Ich reflektiere jedoch nicht auf ihre Liebenswürdigkeiten." „Die Wiener „Neue Nationalzeitung". „Da, mit Vergnügen. Einem jüdischen Blatte alles! Es ist wohl mein Stolz, als Jude den englischen König und den deutschen Kaiser meine illustren Freunde zu nennen. Mein allergrößter Stolz ist es jedoch, daß ich Jude bin, Jude, der Sohn jener Rasse, die der Inbegriff alles Edlen, alles Guten, alles Menschlichen, alles Erhabenen ist. Dem Judentum, dem jüdischen Volke — wie ich dies meinem Freunde N. Rothschild aus London, der bei mir unlängst zum Besuche war, sagte, — gehört die Zukunft." „Was führte Rothschild zu Ihnen, Herr Staatsrat?" *) „Er kam, um mit mir zu besprechen, wie Palästina für das Judentum zu beschatten wäre. Er will Geld zu diesem Zwecke hergeben. Doch sagte ich ihm: Die Zeit ist noch nicht da, aber sie kommt sicher, sicher." „Meister, ist es wahr, daß Sie nicht getauft sind? Ist es möglich, daß Sie ganz uns angehören sollen?" „Ich bin, mein lieber Freund, Mensch. Aber sich zu taufen, ist das Verwerflichste, das Gemeinste, was ein Mensch tun kann. Ich bin Jude." Cr. *) V. ist englischer Staatsrat. (A.nm. d. Korrsp.) Dr. Max Nordau über den nächsten Zionistenkongreß. Die Abhaltung eines Zionistenkongresses ist für dieses Jahr bereits" beschlossen; demnächst wird auch der Tag genau festgesetzt werden. Der Kongreß dürfte sehr heftig und stürmisch werden Es wird sich aber nicht um Zion oder Territorium, nicht um die ideale Seite des Zionismus handeln, sondern um die praktische Betätigung in Palästiua, somit um die Bank und den Nat ional fond . . . Außerhalb Oesterreichs, wo die Reichsratswahlen das gesamte Interesse der Zionisten absorbieren, zumal in Rußland und England, sieht man daher mit großem Bangen dem nächsten Kongresse, auf dem die entscheidende Schlacht zwischen den russischen Choveve-Zion und den westeuropäischen politischen Zionisten geschlagen werden soll, entgegen und man ist bemüht, den Schleier, der ihn umgibt, wenigstens teilweise zu lüften. Diesen Zweck verfolgte auch der Redakteur des Londoner „Jewish Expreß-, der vor einigen Tagen bei Dr. Max Nordau in Paris vorsprach, um dessen Ansichten über die Aufgaben des nächsten Kongresses zu hören. Dr. Nordau sprach rückhaltslos. Seine Antwort beleuchtete den gegenwärtigen Stand der zionistischen Bewegung nach jeder Richtung; er zeigte die Schwächen, er markierte die Gefahren, er gab auch vieles von dem zur Tradition gewordenen preis, um die Fundamente besser zu befestigen. Nordau wird nach Basel gehen, er ist aber fest entschlossen, den Vorsitz nicht zu übernehmen. Denn er wird dort sprechen und kämpfen, verteidigen und vielleicht auch angreifen müssen. Als Vorsitzenden wäre ihm dies nicht möglich. Der politische Zionismus. „Sie fragen mich" - sagte Dr. Nordau zum Interviewer -■- „ob ich glaube, daß der Zionismus in Palästina realisiert werden könnte? Ich bin davon tief überzeugt. Allein zur Realisierung sind andere Mittel und Wege erforderlich, als die bisherigen. Wir müssen nach unseren Kräften handeln." Kein Charter — sondern Konzessionen. „Wir haben bisher stets einen Charter erwartet. Aber wie könnten wir in Wirklichkeit daran denken? Weiche Macht besitzen wir denn, um ihn zu erlangen? Zählt denn unsere Organisation nach Millionen? Haben wir vielleicht Millionen in unseren Kassen? Mit unseren schwachen Kräften könnten wir doch gar nichts anfangen, selbst wenn wir schon den Charter hätten. Der Charter darf doch nicht das Alpha und Omega des Zionismus sein. Dagegen müssen wir nach zahlreichen Konzessionen streben: zum Baue von Eisenbahnen, Häfen u. s. w. Dadurch erlangen wir den legalen Eingang nach Palästina. Und haben wir Konzessionen, so könnten wir dieselben erst krönen mit einem Charter. Anders gehts nicht. Mit kurzen Flügeln kommt man nicht hoch." „Die praktische Arbeit.** „Sie wollen meine Ansicht über die praktische Arbeit in Palästina hören, über die von allen Dächern soviel geschrieen wird? Da möchte ich Sie aber doch bitten, mir zuerst zu erklären, was unter praktischer Arbeit zu verstehen ist Sie werden mir vielleicht darauf erwidern, daß ich die Schreier frage. Diese würden mich gewiß weiter schicken — an die PaKlstina-Kommission oder dergleichen. Darauf erkläre ich Ihnen, daß von praktischer Arbeit in Palästina bisher nur viel ge^ l ' ->n wurde. Was darunter zu verstehen sei, ii:u ai»;: erklärt. Bloßer Bodenankauf in Palästina für* -•>M dca Xu-tonajfonds scheint mir denn doch nicht gonucr Sicher.. ."

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