Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 18 (12.4.1907)
- Date
- 1907-04-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite b Neue National-Zeltung:« Nr 18 Das neue Ministerium. Der neue rumänische Minister des Innern hat mit Berufungauf den Erlaß über die (jemeinde-Org-anisation aus den Dörfern mehrerer Bezirke eine große Anzahl Judeiifarailien ausgewiesen- Das ist also der neue Kurs! „Letzte Post" (täglich): „Freitag" (wöchentlich*. In Lodz werden gedruckt „Lodzer Nachrichten". Die Jiddisch-Presse in Polen.*) Informationen. Sie existiert weder in Deutschland, noch in Frankreich. Spanien oder Schweiz.... Ihren Sitz hat die Jiddisch-Presse in Polen; noch besser repräsentiert als in England. Rußland. Ungarn, Amerika. Es erscheinen jetzt fünf Jiddisch-Blätter in Warschau, eines in Lödz, zahlreiche in Wilna, dann noch welche in Krakau, Lemberg, selbst in Przemysl und Drohobycz ... Eine merkwürdige, leider sehr unterschätzte Erscheinung. Sie ist auch zu begreifen. WOCHENBLATT DSWTX fiKttSORtt m aus den Informationen Wer versteht bei uns den polnischen-j üd isc hen Jargon, um unsereOefifentlichkeit zu informieren, was diese großen Menschenmassen denken und planen? Wir sind daher bloß passive Zuschauer des geistigen Lebens, das sich unter den jüdischen Millionenmassen abspielt. Wir wissen bloß, daß sie ihre eigenen Schulen in Polen bäben, daß sie eigene Kultusgemeinden bilden, daß sie ihre eigenen Jiddisch-Theater wr^3 gründen, daß sie in ihrer *^§s^t eigenen Sprache Bücher und Zeitungen herausgeben — aber wir wissen davon nur aus Gerüchten der Tagblätter. Merkwürdige Verhältnisse, ein merkwürdiger Mangel der Kontrolle und der Beobachtung unsererseits. * * * Weit populärer als alle Jiddisch-Blätter war bei uns bis in die jüngste Zeit das hebräische Tagblatt rHazefirah". Es ist jedoch eingegangen. Es hat sich .gezeigt, daß die hebräische Presse auf die Unterstützung der Massen nicht rechnen kann: die Sprache ist für die großen Massen zu schwer und unzugänglich. Es blieb nunmehr am Kontinent als einziges hebräisches Tagblatt der „Hasman" in Wilna. Die Jiddisch-Blätter erscheinen bei uns erst seit zwei Jahren. Der kolossale geschäftliche Aufschwung des jiddischen Tagblattes „Der Frajnd" in St Petersburg hat den Anstoß zur Schaffung ähnlicher Organe in Polen gegeben. Der „Frajod" druckte 75 000 Exemplare: infolge der Konkurrenz ist er auf 35.000 zurückgegangen. Sein größter Konkurrent in Polen ist das „Jiddische Tagblatt". Dieses außerordentlich volkstümliche Tagblatt wird in 70.000 Exemplaren verbreitet. Die Einzelnummer kostet 1 Kop., das jährliche Abonnement beträgt 4 Es. Als Gratisbeilage enthält das Tagblatt das „Jiddische Wochenblatt". Dann erscheinen noch „Unser Leben" und Um noch bessere Informationen zu erlangen, begebe ich mich in einige Redaktionen und werde überall freundlich empfangen. Die Jiddisch-Redaktionen besitzen keinen Komfort; überall herrscht eine Unordnung. Sie sind in den an Druckereien anstoßenden Bureaus untergebracht. Die Toilette der Redakteure ist sehr bescheiden und mannigfaltig; vom Sakko bis zum Chalai.*) „Welche politische Richtungen kommen in der Jiddisch-Presse zum Ausdrucke," fragte ich die Journalisten. „Alle sind liberal und verfolgen jüdische Interessen. Nur ein zionistisches Organ im Jiddisch fehlt. Das Tagblatt hat bloß Sympathien für die Territorialisten. Uebrigens dienen wir hauptsächlich zur bloßen Information." „Wie verhalten Sie sich zu polnischen Fragen?" „Keineswegs unfreund- .»9 2 r-it { UNSER LEB EH, * TO3Ö? TO» ] r~» Loäzer Nachrichten. lieh. Kein Organ ist antipolüisch, wenn wir auch einzelne polnische Parteien heftig bekämpfen." „Verfügt die Jiddisch- Presse über eine genügende Anzahl von Schriftstellern?" „Wir besitzen sogar noch mehr, als es angezeigt wäre. Wir leiden an einer Ueberproduktion von Schriftstellern." „Wie sind die Honorare?" „Wir zahlen von 3-15 Kop. **) für die Zeile; je nach dem Thema. Unsere Zeitungen werden viel gekauft und gelesen; sie rentieren sich aber doch sehr wenig, denn sie sind billig. Der Druck ist jedoch viel teurer, als bei der polnischen Presse. Die Setzer verlangen einen größeren Lohn." „Und die Jiddische Literatur?" „Die steckt noch in den Kinderschuhen. Alle Bücher ließen sich um 8—10 Rs. kaufen. Und doch verfügen wir über bedeutende Schriftsteller: Perez, Asch, Spektor, Dineson. Man interessiert sich bei uns mehr für Politik und Volkswirtschaft, als für Literatur." So weit die mir freundlichst erteilten Informationen. „Jr- ^3 .SÄT* JD*Xfl?BK j ^.:t^C^ IE *) Wir entnehmen diesen Aufsatz dem vornehmsten polnischen illustrierten Blatte Rußlands, dem in Warschau erscheinenden „Tygodnik Dlnstrowany", mit dessen spezieUer Erlaubnis. (Amn. d. Red.) *) Langer Rock. (Anm. d. Red.) **j Eine Kopejke besitzt einen Weit von 2-6 Heller. (Anm. d. Red.) jln unsere T. f. Abonnenten! Anläßlich des Quartalswechsels ersuchen wir dringendst um Erneuerung des Abonnements, resp. um Bezahlung der rückständigen Abonnementsbeträge. Die Administration »Neue National-Zeitung« Wien, L, Zelinkagasse 11.