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Neue Nationalzeitung · 1907-03-29 · Heft 16-17 (29.3.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 16-17 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 »Neue National-Zeitung« Nr: 16/17 der Zerstreuung aber ergeht meiiie herzliche Bitte, sich über die Armen der Jerusalemer Gemeinden zu erbarmen, über ihre Witwen und Waisen, die der Not preisgegeben sind und insbesondere über die bisher schwer geschädigten Armen der sephardischen Gemeinde. Die für diese bestimmten Gaben sind an den Vorsitzenden des Administrations-Ausschusses der sephardischen Gemeinde, Herrn Chaim Ahron Valero zu richten. Konstantinopel, am 22. Adar 5667. Der Kaiserliche Oberrabbiner der jüdischen Gemeinden im türkischen Reiche. Moi'se Levy m. p. G5M5iNÖ5=UNt> VSRCiNSNÄUWiUÄCN Czernowitz. Der Jüd. akad. Leseverein »Emunah« hat für das laufende Sommersemester folgende Chargen gewählt: cand. iur Josef Wagner*; cand. iur Moses Hönig**; stud. iur Adolf Frommer***. Frankfurt a. M. Der soeben zur Versendung gelangende Jahresbericht des »Vereines zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit Frankfurt a. M.« pro 1906 kann erfreulicherweise von einer gedeihlichen Weiterentwicklung sämtlicher; Vereinsinstitutionen berichten. Die Stellenvermitlungsabteilung konnte 118 Stellen besetzen, darunter 17 mit Gehältern von Mk. 2000 bis 3000. Die Versicherungskasse zahlte an Entschädigungen für Stellenlose Mk. 1148.—; im ganzen wurden bisher aus dieser Kasse über Mk. 12.000 gezahlt. Gleichzeitig wurde der Sicherheitsfond des Vereins auf nahezu Mk. 28.000 gebracht. Seit Anfang 1907 nimmt der Verein auch Gehilfinnen als ordentliche Mitglieder auf, die dadurch jetzt Gelegenheit erhalten, sich gegen die Gefahr der S t e 11 e n 1 o s i g k e i t zu sichern. Der Beitrag der ordentlichen Mitglieder beträgt in der untersten Klasse nur Mk. 6.— p. a. Die Stellenvermittlung erfolgt für Prinzipale und Gehilfen kostenfrei. Dem Verein, der seine Tätigkeit über ganz Deutschland erstreckt, gehören jetzt gegen 700 Mitglieder an; es ist dringend zu wünschen, daß auch die noch außenstehenden Prinzipale wie Gehilfen, soweit sie am Sabbath fest halten, die Mitgliedschaft baldigst erwerben und so die Ziele des Vereins erreichen helfen. AUEN Weitf&lgN Aus dem Arheiterlehen in Palästina. lieber Veranlassung des Palästinakomitees in Odessa wurde in Jerusalem bei der „Bezalel"- Schule ein Kurs für jüdische Steinmetze errichtet. Zu diesem Zwecke wurden auch 2500 Frcs. angewiesen. Dieser Kurs wird gegenwärtig von 13 Personen besucht, die bisher brotlos waren und denen durch die Absolvierung dieses Kurses die Möglichkeit geboten wird, sich eine Existenz zu gründen. — In letzter Zeit macht sich in Palästina der Mangel an Handwerkern sehr fühlbar. So mangelt es an Bäckergebilfen, Tisch'ern und Juwelieren. In Jerusalem, Beyrut oder Damaskus könnte eine jüdische Modistin mit einem kleinen Kapital eine sehr gute Ezistenz finden. Jüdische Kolonien im Sudan. Wie der Wilnaer „Hasman" berichtet, plane ein jüdisches Komitee in Amerika, jüdische Kolonien im Sudan zu begründen. Dieser Plan sei bereits der „Ica" unterbreitet worden. Der Sultan über die Juden. Die »Daily Mail" veröffentlicht ein Interview, das ihrem Korrespondenten Sydney Whitman von türkischen Sultan bewilligt wurde. Bemerkt zu werden verdient daraus die Art, wie der Sultan sich im Laufe der Unterhaltung über die Jaden geäußert hat. Die Juden, so berichtet Whitman, sind ein "Volk, für das der Sultan immer ein freundliches Gefühl gehabt hat, und er glaubt, daß sie dazu bestimmt sind, auch eine große Eolle in der Welt zu spielen. Luigi Luzzati, der schon wiederholt italienischer Finanz minister war, sollte zur Verhandlung über den russisch-iialienisehen Handelsvertrag nach Petersburg gehen. Die russische Regierung erklärte, Luzzati sei der russischen Regierung keine persona grata, weil er Jude ist. Die italienische Regierung sendet deshalb Prof. Orlando und Abg. Gayaazi. Die amerikanische Naturalisation. Die Naturalisation in den Vereinigten Staaten ißt durch ein Gesetz vom 29. Juni 19Ü6, in Kraft seit 27. September 1906, neu geregelt worden. Der bisherige Grundsatz, daß jeder Einwanderer nach öjäbrigem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten daselbst das Bürgerrecht und die Staatszugehörigkeit erlangen könne, ist beibehalten worden, jedoch unter Erschwerung der Form. Es bedarf nach mindestens ßjährigem Aufenthalt eines schriftlichen Antrages um Verleihung des Bürgerrechtes, einer eidlichen Versicherung des Einwanderers, daß er dauernd in den Vereinigten Staaten bleiben und deren Verfassung aufrecht erhalten wolle, und einer eidlichen Bestätigung der Angaben des Antragstellers durch zwei glaubhafte Zeugen, die amerikanische Staatsbürger sein müssen. Frühestens nach Verlauf von zwei Jahren erfolgt dann auf erneuten Antrag die Verleihung des Bürgerrechts. Für die jüdische Einwanderung ist von besonderer Wichtigkeit die Bestimmung, daß künftighin kein Einwanderer das" Bürgerrecht erhalten soll, der nicht des Englischen mächtig ist. Bisher lernten zwar die in Amerika geborenen Kinder der Einwanderer Englisch, aber für die Einwanderer selbst war das Yiddish die Umgangssprache, und sie zeigten, in bestimmten Stadtteilen der großen Städte zusammengedrängt und nur untereinander verkehrend, keine allzu große Neigung, sich das Englische anzueignen. Es ist wahrscheinlich, daß die Notwendigkeit, zur Erlangung der Naturalisation das Englische zu beherrschen, zur Aneignung dieser Sprache anspornen und dem Yiddish Abbruch tun wird. Die Juden in New-York hatten vor kurzem die 250. Jahreswende ihrer Ansiedlung in Manhattan gefeiert. New-York besitzt von allen amerikanischen Städten den größten Prozentsatz an Juden. Die 27 portugiesischen Juden, welchen man im Jahre 1655 nur widerwillig einige Acker Land außerhalb des städtischen Rayons gönnte, bilden den Grundstock einer Kolonie von 800.000 Seelen. Das ist die größte jüdische Gemeinde, welche jemals in alter oder neuer Zeit an einem Orte versammelt war. Da in den Vereinigten Staaten 1,400.000 Juden leben, befinden sich in New-York drei Fünftel der Gesamtzahl. Durch Einwanderung vergrößert sich diese Zahl jährlich um zirka 70.001). Der interessanteste Typus bleibt der russische Jude. Der Fortschritt der russischen Juden im Vergleiche mit den anderen Eingewanderten ist der bedeutendste. Was den raschen Erwerb und geistige Ausbildung betrifft, so bleiben die Irländer, Italiener, Deutschen., ja auch die deutschen Juden weit hinter den Juden aus Rußland zurück. Wie sie das fertig brachten? Durch ihre unglaublich zähe Ausdauer und Sparsamkeit. Man ist von der Ansicht abgekommen, daß die Juden sich nur für einzelne Fächer des Handels eignen; sie sind in alle Berufe eingedrungen und haben sich überall ihren Weg gebahnt. Ihren größten Stolz bildet aber der ausschließliche Besitz der Bekleidungsbranche, welche jährlich ein Ergebnis von 300 Millionen Dollars aufweisen kann. Man behauptet, es seien im elegantesten Stadtviertel von New-York 500 russische und polnische Juden, deren Vermögen von 100.000 bis 1,000.000 Dollars reicht. Da ist z. B. Harry Fischl, der unter anderem auch eines der größten Theater besitzt. Herr Fischl stammt aus Wilna und kam im Jahre 1884 mit 60 Cents in der Tasche in Amerika an. Er war in Rußland Tischler gewesen, verbrachte die erste Zeit mit Herumwandern aus einem Massenquartier in das andere und wartete mit seiner Säge an den Straßenecken auf Arbeit. Endlich fand er einen Posten für drei Dollars die Woche, von denen er noch etwas an seine hungernden Eltern senden mußte. Heute, da er Baumeister ist, kann man ihn auf 800.000 Dollars schätzen; sein Palais steht nicht weit von Carnegie's Residenz. Ein Anderer ist Harry Mandelbaum, den die Judenverfolgungen der achtziger Jahre vertrieben. Er begann als Hausierer und besitzt jetzt Gründe und Häuser im Werte von 400.000 Dollars. Eine Rothschild-Anekdote. Ein jüngst erschienenes Anekdoten- Büchlein behandelt auch folgende Rothschild-Anekdote: An einem Frühlingstage des Jahres 1848, wo wilde Stürme der politischen Leidenschaften durch Europa fegten, ging durch die enge Judengasse zu Frankfurt a. M. ein armes Weib aus dem Volke und weinte . . . Vor der Tür eines großen Hauses saß in einem Sessel ein altes Mütterchen und erfreute sich an dem Sonnenstrahl, der auf sie fiel. Das Mütterchen war 95 Jahre alt, aber ihre Augen blickten noch frisch und klug in die Welt hinein. „Warum weint Ihr?1 fragte das Mütterchen teilnehmend, als die Weinende in ihre Nähe kam. „Maier Levy hat mir soeben erzählt, es wird einen großen Krieg geben; die Russen, Franzosen, Preußen und Engländer werden sich schlagen, und hier am Main soll es losgehen. Meine Matter hat mir erzählt, damals in dem großen Völkerkrieg hätten die Russen Kinder gegessen und nachher gesagt, die Juden hätten es getan. 0 Gott, meine Kinder sind alle so hübsch, gesund und sehen so gut aus, die würden gewiß auch von den Russen fortgenommen." „Beruhigen Sie sich nur, liebe Frau, es wird keinen Krieg geben, mein Anselm, mein Salomon, mein Nathan, Karl und Jakob, den sie jetzt James nennen, haben mir fest versprochen, kein Geld zum Kriege zu geben, und ohne das Geld meiner Söhne können die Herrscher keinen Krieg führen; „ich bin die Mutter von den Rothschilds", bemerkte die Frau nicht ohne Stolz. Das alte Mütterchen in der Jndengasse zu Frankfurt war Gudula Rothschild, die ihr Leben lang nicht zu bewegen war, das düstere Haus zu verlassen, in dem das goldene Glück der Rothschilds zu erblühen begann, in dem sie fast 68 Jahre lebte und viele Kinder geboren hatte. Eine Mesalliance im Fürstenhause Eulenburg. Gräfin Augnsta Eulenburg, die zweite Tochter des Fürsten „Phili", des sangesfrohen Freundes des Kaisers, hat sich in London wider Willen ihres Vaters mit dessen Privatsekretär vermählt. Er heißt Emil Jorallinek, stammt aus Rumänien und bekannte sich vor noch nicht langer Zeit zum Judentum,

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