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Neue Nationalzeitung · 1907-03-29 · Heft 16-17 (29.3.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 16-17 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16/17 »Neue National-Zeitung« Seite 11 einem erfreulichen Gewinn abscliliessen und auch die Beiruter Filiale bereits jetzt nach kaum halbjähriger Arbeit ein recht erfreuliches Bild bietet und ganz vorzügliche Aussichten für die Zukunft eröffnet. Zu den Palästinafragen werden von Professor Warburg sachliche Vorschläge gemacht. Frankfurt a. M. 14. März. In der »Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung« sprach gestern abends Herr Ahron Marcus aus K r a k a u über die Entwicklungslehre in der jüdischen Wissenschaft. Thema und Redner hatten ein zahlreiches Publikum angezogen. Der Vortragende gab zunächst einen historischen Ueberblick über die verschiedenen Phasen, welche der Entwicklungsgedanke innerhalb der Naturphilosophie durchgemacht hat. Leibni2, Kant-Laplace, Goethe, Darwin-Haeckel und Driesch-Reinke bezeichnen diesen geschichtlichen Entwicklungsgang, der aus dem Ueberschwang der Begeisterung für die Evolutionshypothese zu einer stark ernüchterten Auffassung in unsern Tagen geführt hat. Demgegenüber gab der Redner alsdann in ausführlichen Zitaten aus Luzattos Klach und aus dem Magid Meschorim des Rabbi Joseph Karo eine Darstellung der Entwicklungsidee in der überlieferten jüdischen Wissenschaft. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, sachlich auf die überraschenden Ergebnisse der hierher gehörenden Untersuchungen einzugehen. Es muß vielmehr auf die Schriften des Vortragenden selbst verwiesen werden, der schon vor einem Jahrzehnt in seinem unter dem Titel: »Hartmanns induktive Philosophie im Chassidismus« erschienenen Werke den Gegenstand behandelte und ihn in seiner neuen größeren Arbeit »Barsilai« mit quellenmäßigen Belegen weiter erörtert hat. Das Publikum lohnte den Redner durch laute Befallsäußerungen. Großbritannien. London. Vor kurzem hielt der Loudoner Ausschuß des Emigrationsdepartements der „Ito" seine Monatssitzung unter Z a n g w i 11 s Vorsitz ab Anwesend waren die Herren M. H. Kisch, Leopold von Rothschild, Clemens J. Salaman, Karl Stettaner und Lucien Wolf. Es wurde ein Organisationsstatut beraten und angenommen, das den Beziehungen zum „Ito"-Bureau in London und den Galveston-Bureaus in Amerika und Rußland sowie dem Berliner Bureau Rechnung trägt. Herr A. Marks aus Melbourne, Mitglied der königlichen geographischen Gesellschaft für Australien, ist von Zangwill zum Mitglied des internationalen Rates der „Ito" ernannt worden. London, den 22. März. (Orig.-Korr.) Der Rabbiner der sefardischen Gemeinde, Dr. Gaste r, begibt sich nach den Ostern auf eine große Studienreise nach Aegypten, Kleinasien und Palästina. Hauptgegenstand der Studienreise wird die Lage der Juden in den angeführten Ländern bilden. — Viel Aufsehen erregt die Ernennung des jüdischen Feldwebels Josef Miller zum Leutnant des königl.-airikanischen Regimentes. Miller, der Sohn eines russischen Juden, der selbst als Korporal auf russischer Seite im russisch-türkischen Kriege gekämpft hat, war kaum 16 Jahre alt, als er im Jahre 1899 freiwillig bei der neu geschaffenen berittenen Infanterie eintrat, um am südafrikanischen Kriege teilzunehmen. In der Schlacht bei Braken Laagte wurde er verwundet und erhielt damals die Verdienstmedaille. Nach Beendigung des Burenkrieges ging er wieder freiwillig in das Somaliland. Miller besitzt drei Orden und ist nunmehr als Soldat von Pike auf mit 24 Jahren zum Leutnant ernannt worden. — Die 27. Jahreskonferenz der sozialdemokratischen Partei (Social' Democratic Federati on) hat nach eifriger Diskusion nachstehende von der Ortsgruppe Willesden vorgeschlagene Resolution angenommen : „In Anbetracht der Juden-Masacres in Rußland wird das Exekutivkomitee aufgefordert, im East- End eine Massenversammlung russischer Juden einzuberufen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, gegen die Ermordung ihrer Glaubensgenossen und Landsleute zu protestieren. Ebenso mögen unsere deutschen, französischen und belgischen Gesinnungsgenossen aufgefordert werden, in gleicher Weise zu protestieren." Rußland. Wilna. Das „zionistische Organisationskomitee" in Rußland erläßt nachstehenden Aufruf: Genossen! Trotz der Niederlage, die die Judenschaft in Rußland erlitten, wird sie im Kampfe für ihre bürgerlichen und nationalen Rechte nicht erlahmen. Doch in diesem Kampfe dürfen wir nicht vergessen, daß alle Konfessionen nur einen Palliativcharakter haben. Die fundamentalste Ursache unserer Leiden besteht in der „Exterritorialität". Das dürfen die Zionisten nicht vergessen. Wir fordern daher unsere Zionisten auf, die Agitation jetzt sehr kräftig zu entwickeln. Uebrigens, je kräftiger die zionistische Organisation, umsomehr wird die jüdisch-nationale Agitation sich entwickeln können. Denn nur das wiedergeborene Judentum wird die Idee der Wiedergeburt der Juden hervorbringen. Palästina. Jerusalem. Die Stelle eines Chacham Baschi (Oberrabbiner) unserer Stadt, die den Gegenstand vielfacher Intriguen und Parteistreitigkeiten bildet, ist vorläufig provisorisch besetzt worden. Es geschah dies mittelst nachstehender Bekanntmachung: In den weitesten Kreisen der gesetzestreuen Judenheit haben die Streitigkeiten, die sich in der heiligen Stadt an die Wahl des Chacham Baschi knüpften, das schmerzlichste Bedauern hervorgerufen, und eine lebhafte Entrüstung über die zur Herbeiführung jener Wahl angewandten Mittel hatte bei allen Wohldenkenden, wie zahlreiche an uns gelaugte Zuschriften zuverlässiger Männer beweisen, Platz gegriffen. Die Kaiserlich - Ottomanische Regierung hat sich daher veranlaßt gesehen, alle Wahlen, welche auf die erwähnte Weise unter dem Einfluß der bekannten Persönlichkeiten zustande gekommen sind, für ungiltig zu erklären, und hat mich beauftragt, den durch die Wahl eingetretenen Wirren mit der möglichsten Energie ein Ende zu bereiten. In der Erwägung, daß es kaum möglich wäre, zu warten, bis alle Parteien, Sephardim und Aschkenasim, sich auf einen Mann einigen werden, dessen Schultern würdig und fähig sind, das hohe Amt im Geiste unserer heiligen Lehre und staatsbürgerlichen Pflichttreue zu tragen, in der Erwrägung ferner, daß im Falle weiteren Zuwartens die wirtschaftlichen Nachteile für die heilige Stadt sich noch weiter ins ungemessene steigern würden, habe ich es für meine Pflicht gehalten, eine Entscheidung zu treffen. Ich habe daher den Herrn Rabbiner Elijahu Mosche Panisel, der, weil von Jerusalem abwesend, den Parteiungen während der Zeit der Streitigkeiten vollkommen ferngestanden hat, mit Genehmigung der Kaiserlich Ottomanischen Regierung zum Chacham Baschi der heiligen Stadt Jerusalem ernannt Wir erwarten, das diese Entscheidung Seiner Majestät des Sultans mit der gebührenden Ehrfurcht aufgenommen, und daß sich niemand unterfangen wird, ohne Zustimmung des neuernannten Chacham Baschi irgend welche Einmischung in Gemeindeangelegenheiten zu versuchen, bis die sephardischen und aschkenasischen Gemeinden sich auf einen allen Parteien genehmen, in Weisheit und Gottesfurcht hervorragenden Mann geeinigt haben werden, den sie mit Genehmigung der Staatsbehörde sich zum Chacham Baschi erwählen. Ich vertraue auf die Untertanentreue meiner Brüder in Jerusalem gegenüber Sr. Majestät dem Sultan, die sich noch immer bewährt hat. An alle Edlen Israels, in allen Ländern

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