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Neue Nationalzeitung · 1907-03-29 · Heft 16-17 (29.3.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 16-17 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue Natlonal-Zettung« Nr. 16/17 Rußland 125.234, Oesterreich-Ungarn 14.884, England 6113, Rumänien 3872, Deutschland 979, aus anderen Ländern 2666. Die Zahl der von der Landung Zurückgewiesenen ist verhältnismäßig nicht groß, sie betrug bei der Gesamteinwanderung 12.432 (1.13 %) bei den Juden 1523 (0.99 %), darunter 46 wegen Wahnsinns und Blödsinns, 1131 wegen Mittellosigkeit und der Befürchtung, daß sie der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen werden, 275 wegen ekelerregender oder gefährlicher ansteckender Krankheit, 33 als Kontraktarbeiter und 38 mußten als Begleiter von zurückgewiesenen Personen zurückgehen. 31 jüdische Einwanderer wurden nach der Landung aus Amerika ausgewiesen, davon 5 innerhalb eines Jahres und 76 innerhalb dreier Jahre nach der Landung. Von den ankommenden Einwanderern mußten 9300 nach der Landung in Krankenhäusern verpflegt werden (0.84 %), darunter 2495 Juden (1.62 %). Die jüdische Einwanderung im Kalenderjahr 1906 war eine bedeutend größere als im Fiskaljahr 1905/06. Nach den Mitteilungen der United Hebrew Charities sind im Kalenderjahr 1906 über den Hafen New-York allein 156.964 Juden eingewandert. Da über den Hafen New-York */6 der gesamten Einwanderung geht, so dürfte sich die jüdische Einwanderung nach Amerika vom 1. Jänner 1906 bis 31. Dezember 1906 auf 300.000 Personen belaufen. Berlin. Der hiesige Palästina-Kolonisationsverein „Esra" erläßt nachstehendes Rundschreiben: Im Frühjahre des verflossenen Jahres haben wir durch eine Vertrauensperson sämtliche jüdischen Kolonien des Heiligen Landes besichtigen lassen. Das Ergebnis der eingehenden dreimonatlichen Inspektionsreise ist sehr ermutigend: Die Kolonisation hat die unvermeidlichen Kinderkrankheiten fast völlig überstanden. Mehrere Kolonien stehen bereits auf eigenen Füßen, einigen von ihnen, wie Pethach-Tikwa, Ekron und Chedera, geht es glänzend. Es gibt da weite, zur Aufnahme von Hunderttausenden heimatlos werdender Glaubensbrüder geeignete, fruchtbare Gebiete, wo ein Morgen Land noch 16 Mk. kostet und die Ansiedlung einer Bauernfamilie schon mit 3000 Mk. möglich ist. Und wenn man bei der Auswahl der anzusiedelnden Kolonisten etwas weniger auf „Würdigkeit und Bedürftigkeit" und etwas mehr auf Tüchtigkeit sehen und überdies prinzipiell auf der Rückzahlung der gewährten Unterstützungssummen bestehen würde, so könnte die Wiederbesiedlung des Landes unserer Väter in wenigen Jahrzehnten ohne jeden politischen Lärm einen gewaltigen Schritt vorwäns gebracht werden. Jedenfalls kann die gesamte jüdische Emigrationsfrage allein auf palästinensischem Boden ihrer Lösung entgegengeführt werden! Unter solchen Umständen ist es in hohem Grade bedauerlich, daß das deutsche Israel der jüdischen Kolonisation Palästinas noch so wenig Beachtung schenkt. Noch bedauerlicher erscheint es uns, wenn selbst die Herren Rabbiner unsere Bestrebungen bisher so wenig gefördert haben. Diese sollten doch am besten wrissen, daß die ganze Judenfrage, das ganze lange und finstere Golus nichts ist und auch niemals weiter war als eine bloße Emigrationsfrage. Die Kolonisation Palästinas kommt auch der bisherigen auf die Chalukah angewiesenen jüdischen Bevölkerung des Heiligen Landes im hohen Grade zugute! Nicht bloß nimmt durch die Kolonisation Handel und Gewerbe einen größeren Aufschwung, nicht nur finden zahlreiche Juden aus Safed, Jerusalem und Tiberias auf den jüdischen Kolonien reichlich Arbeit und Brot als Tagelöhner, es haben sich Hunderte mitgiftlose jüdische Töchter des Landes mit jungen Kolonisten verheiratet. So arbeiten wir Hand in Hand mit der Chalukah und glauben mit vollem Rechte den Rabbinern und sonstigen Verwaltern * der Palästinaspenden vorschlagen zu dürfen, einen Teil der direkt für die Armen des Heiligen Landes bestimmten Gelder, wieMachazishaschekel, Chalogelder etc. uns und unseren Zwecken zukommen lassen zu wollen. Die Einnahmen des „Esra" sind im verflossenen Jahre infolge der zur Linderung der Not unserer russischen Glaubensbrüder in ganz Deutschland vorgenommenen großen Sammlungen ganz erheblich zurückgegangen. Dennoch haben wir im Jahre 1906 für die Zwecke der jüdischen Kolonisation 8000 Mk. verausgabt und überdies unseren Kolonisationsfond um 10.000 Mk. verstärkt. Letzterer ist dazu bestimmt, gelegentlich in Palästina eine größere Aktion zu vollbringen. Der Zeitpunkt dafür dürfte schon in diesem Jahre kommen. Wir möchten nämlich gern die unserer Obhut anvertraute Kolonie B'ne-Jehuda jenseits des Tiberiassees von 8 auf 25 Familien bringen und so in einer bisher von den Juden gemiedenen, aber sehr fruchtbaren Gegend einen neuen jüdischen Kristallisationspunkt schaffen. Das Unternehmen wird auf 70 000 Mk. kommen, während unser Kolonisationsfond gegenwärtig etwa 43.000 Mk. beträgt. Berlin. Die Kommission im Reichstag für die Berufs- und Betriebszählung beschäftigte sich am 8. d. M. auch mit den Verhältnissen der deutschen Juden anläßlich der Beratung des betreffenden Gesetzentwurfs. Bei Besprechung des Fragebogens beantragte der Abgeordnete Trautmann (nationalliberal), die Frage nach der Religion*) wieder aufzunehmen, da es doch beispielsweise von Bedeutung sei, den Anteil der jüdischen Bevölkerung am Handwerksbetrieb und seine Veränderungen gegenüber der letzten Zählung ziffernmäßig feststellen zu lassen. Diese Anregung wurde unterstützt unter anderem von dem bekannten antisemitischen Abgeordneten S c h a c k, der ausführte, daß diese Frage für sich allein den großen Apparat, der dafür in Bewegung gesetzt werden müsse, nicht rechtfertige und da, wie dies" auch von dem Präsidenten des Kaiserlichen Statistischen Amtes hervorgehoben wurde, der relativ geringe Anteil der Juden am Handwerk und der relativ zu starke Anteil(?) am Handel allgemein bekannt sei. (?) Abgeordneter Schack wünschte besonders die Aufnahme dieser Frage, um das Aufsteigen in die höheren Berufe, die Fortschritte und Verschiedenheiten bei den verschiedenen Bekenntnissen gegenüber der letzten Zählung teststellen zu lassen. Auch von den Vertretern des Zentrums und der Sozialdemokratie wurde die Anregung unterstützt und schließlich mit acht gegen vier Stimmen angenommen. Köln, den 20. März (Orig.-Korr.). Bei den am letzten Montag und Dienstag stattgehabten Sitzungen des Engeren Aktionskomitees der Zionistischen Partei wurde beschlossen, auf den fünften Mai nach Köln eine Sitzung des Großen Aktionskomitees der zionistischen Partei einzuberufen, für die das Engere Aktionskomitee unter andern den Vorschlag machen will, den achten Zionistenkongreß zum August dieses Jahres einzuberufen. Es wurde auch die Bilanz der Kolonialbank entgegengenommen und mit Befriedigung konstatiert, daß diesmal ein Reingewinn von 7340 Pfund Sterling erzielt wurde. Nicht minder befriedigend sind die Erfolge der Anglo-Palestine Company, wo bereits die noch ziemlich jungen Niederlassungen von Jaffa und Jerusalem mit *) Auch in Oesterreich wäre eine confessionelle Berufsstatistik sehr nötig, um den Anteil der Juden an Handel, Gewerbe, Ackerbau und freien Berufen perzentuell zu fixieren. Leider hat sich, die statistische Zentralkommission hiezu bisher nicht entschlossen. Es wäre daher sehr notwendig, daß sich die berufenen jüdischen Faktoren anläßlich der in drei Jahren wieder beginnenden Volkszählung für diese Neuerung einsetzen. Da die Antisemiten in Oesterreich davon nichts wissen wollen, muß von jüdischer Seite hiefür umso energischer agitiert werden. (Anm. d. Bed.)

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