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Neue Nationalzeitung · 1907-03-29 · Heft 16-17 (29.3.1907) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 16-17 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 16/17 Im Namen des „Kilfsvereines der Deutschen Juden", der durch eine Deputation vertreten war, spracü dessen Präsident.Herr James Simon. EJr sagte u. a.: ,, Hochansehnliche Versammlung! Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat meine Freunde und mich entsandt, der Großloge für Deutschland und der Deutschen Reichsloge zum heutigen Jubelfeste die herzlichsten Glückwünsche darzubringen Diesem Auftrage nachzukommen, gereicht uns zu besonderer Freude. Wird uns doch damit willkommene Gelegenheit geboten, unserer Gesinnung gegenüber dem Orden Ausdruck zu geben. Orden und Hilfsverein — bei'e entstammen demselben Boden, beide ruhen auf der Grundlage der Bruderliebe; beide verfolgen ein Ziel: die Hebung des wirtschaftlichen, kulturellen und ethischen Niveaus der Glaubensgenossen. Da konnte es nicht fehlen, daß beide Institutionen sich auf ihren Wegen begegneten. Daß sie sich^aber unmittelbar nach Begründung des Hilfsvereins znsammenschlossen, Hand in Hand zu arbeiten, dazu bedurfte es des Vertrauens, das die Großloge unserem jungen Unternehmen in ehrender Weise entgegenbrachte. Dieses Vertrauen trat auch nach Außen hin dadurch in die Erscheinung, daß alsbald der hochwürdige Herr Großpräsident und andere hervorragende Männer aus den Logenkreisen, unserer Bitte folgend, unserem geschäftsführenden Ausschnsse beitraten. Seither haben sie uns ihre Einsicht, ihre reichen Erfahrungen, ihre Tatkraft zur Verfügung gestellt und jede Gelegenheit nach Möglichkeit wahrgenommen, unser Werk zu fördern. Für solches Vertrauen bleibt der Hilfsverein der Großloge für Deutschland allezeit verpflichtet. Daß die gemeinsame Arbeit erfreuliche Früchte gezeitigt, hat der hochwürdige Herr Großpräsident in seiner Rede bereits zu erwähnen die Güte gehabt; es des weiteren auszuführen, ist hier nicht der Ort. Ich muß mich bescheiden, die Hoffnung auszusprechen, daß auch künftighin dieses fruchtbare Zusammenwirken fortdauern und daß das Band, welches beide Institutionen umschlingt, sich immer enger und innigtr gestalten wird." Dieses schöne Fest wird allen, die das G-lück hatten, ihm beizuwohnen, noch recht lange unvergeßlich bleiben. Die drei hiesigen Logen planen für die allernächste Zeit den Bau eines gemeinsamen Logenpalais. Jüdisehe^Wählcr, reklamiert Euer Wahlrecht! Die Wählerlisten liegen zur allgemeinen Einsicht auf. Es zeigt sich, daß hunderte Wähler in d e n W ä h 1 e r listen nicht enthalten sind, weil sie entweder Juden sind oder liberaler Gesinnung verdächtigt werden. Wir richten deswegen an alle jüdischen Wähler die dringende Mahnung, im Interesse ihrer politischen Rechte in die Liste Einsicht zu nehmen. Lemberg, den 22. März. (Orig.-Korr.) Gestern fand die von Samuel von Horowitz einberufene Versammlung statt, in welcher der Beschluß gefaßt werden sollte, im jüdischen Wahlbezirke Lembergs nur einen solchen „Alttestamentarischen" — die neueste Bezeichnung der Exzellenz Abrahamowicz für Moschko — zu wählen, der die Solidarität des Polenklubs anerkennen würde. Die Versammlung war beschränkt auf geladene Gäste, die sich des Vertrauens des Edlen von Horowitz zu ertreuen hatten. Allein die Einberufer wurden sehr enttäuscht. Mehrere Anwesende, darunter Dr. Buber und Dr. Nußbrecher, traten gegen den Polenklub auf und die Versammlung verlief resultatlos. Herr von Horowitz gedenkt selbst im jüdischen Wahlbezirke gegen den Zionisten Dr. Braude, der sein Neffe ist, zu kandidieren. Es scheint also mit der Herrenhauswürde sehr zu wackeln. Krakau. Der Wahlbezirk Podgörze—Wieliczka— Bochnia hat den Finanzminister von Korytowski als Keichsratsabgeordneten in Aussicht genommen Interessant ist der Grund, warum besonders die Juden von Podgörze den Finanzminister wählen wollen: Sie möchten ihren Steuerinspektor los werden. Wird der Finanzminister gewählt, dann wird der Inspektor transferiert. Nicht, nicht. Sonderbar sind doch die Wege der österreichischen Steuerschraube. Kolomea. Unser Wahlbezirk wimmelt von Kandidaten, wenn auch der recht „schwere" von unseren Wahlhyänen noch erwartet wird. Als die wichtigsten Kandidaten können wohl Dr. Thon und Dr. Zipser angesehen werden. Ersterer hat für sich den zionistischen Anhang; Dr. Zipser als „Kolomaer Kind" die „heimischen" Leute. Am allerwichtigsten wäre der Zusammenschluß aller sauberen Elemente, um endlich die althergebrachte Korruption aus unserer Stadt zu bannen. fQKfteSPONDeNZgN Oesterreich Ungarn. Wien. Jüngst machte durch alle jüdischen Blätter Deutschlands eine Nachricht die Runde, wonach Geheimrat Prof. Dr. Jellinek in Heidelberg, der Sohn unseres großen Predigers Dr. Adolf Jellinek, getauft wäre. Wir werden nun von nächstverwandtschaftlieher Seite des Herrn Geheimrates Jellinek ersucht, zu konstatieren, daß diese Behauptung unrichtig ist. — Von anderer, hervorragender Seite wird uns folgende Episode erzählt. Als Prof. Jellinek unlängst in Wien war, begegnete ihm Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann. Letzterer richtete nun au Herrn Prof. Jellinek die Frage: „Gehören Sie noch zu uns?" Darauf erhielt er zur Antwort: „Gevviß". Nun erteilte Herr Dr. Güdemann dem Herrn Prof. Jellinek seinen Segen. Wien. Sonntag, den 24 d. M. fand die Generalversammlung des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" statt. Nachdem der Vizepräsident Herr Leder er die Versammlung eröffnet und die Anwesenden, insbesondere aber die Delegierten der Ortsgruppen und die Gäste begrüßt hatte, teilte er mit, daß Begrüßungsschreiben und -Telegramme, dann Entschuldigungsschreiben einlangten : Vom Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M., von der Jewish Colonization Association in Paris, vom Verband der österreichischen B'nai B'rith-Vereinigungen,^ von den Kultusgemeinden Wien und Mährisch-Ostrau, von den Ortsgruppen Jungbunzlau, Linz u. s. w. Hierauf erteilte der Vorsitzende dem Sekretär des Vereines, Herrn Dr. Wilhelm Löwy, über die Tätigkeit des Vereines das Wort zur Berichterstattung. Mit Rücksicht darauf, daß der erste Teil des gedruckten Jahresberichtes für das letztverflossene Jahr sich bereits seit längerer Zeit in den Händen der Vereinsmitglieder befindet, beschränkte sich der Sekretär darauf, bloß das zu erwähnen, was seit Beginn des neuen Jahres ausgeführt wurde. Was die einzelnen von dem Vereine in Galizien eingeführten Industrien betrifft, so erklärt er deren Stand als einen befriedigenden. Irische Spitzen wurden seit Neujahr um 37.000—38.000 Kronen geliefert. Der im Dezember 1906 veranstalteten Wiener Spitzenausstellung folgte im Jänner 1907 eine ähnliche Ausstellung in Prag, bei der ein überraschend hoher Erlös erzielt wurde. (19.000 Kronen). In Brünn, Krakau und Lemberg dürften solche Ausstellungen in den nächsten Monaten veranstaltet werden und die Vereinsleitung hat sich auch mit reichsdeutschen Städten zu dem gleichen Zwecke bereits in Verbindung gesetzt. Die Spitzenklöppelei macht sehr erfreuliche Fortschritte. Die Vereinsleitung bemüht sich in der letzten Zeit, Mittel und Wege zu finden, durch welche die Haarnetzerei in Galizien

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