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Neue Nationalzeitung · 1907-03-29 · Heft 16-17 (29.3.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 16-17 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16/17 »Neue National-Zeitung« Seite 7 Das Damoklesschwert schwebt über unserem Haupt und wir befürchten stündlich einen Ueberfall. Unser Leben schwebt in großer Gefahr, zumal wir jedes militärischen Schutzes entblößt sind. Wir bitten um schleunigste Hilfe für die Sicherheit unseres Lebens." Erst am nächsten Morgen, vier Stunden vor dem Erscheinen der Hooligans, erhielt die Stadt Mihaleni militärischen Schutz, und wurde noch in letzter Stunde den Klauen dieser Plünderer und Brandstifter entrissen. ___ W.— Bei Herrn Dr. Armand kanünka. Wien, den 27. März Herr Dr. A.Kaminka, Sekretär der „Israelitischen Allianz", ist soeben aus Itzkany zurückgekehrt und hatte die Freundlichkeit, sich einem unserer Mitarbeiter gegenüber nachstehend zu äußern: „Die Verwüstungen, die ich in Burdujeni gesehen habe, spotten aller Beschreibung. Hab und Gut der Juden sind total verwüstet. Die Häuser der christlichen Bevölkerung, die mit Kreuzen oder Bildern versehen sind, blieben verschont. Hier und in den anderen verwüsteten Ortschaften der Moldau sind allerdings Juden nicht gemordet worden, allein ich schreibe das dem Umstände zu, daß die österreichische Grenze sehr nahe war und die rumänischen Juden Zeit hatten, zu flüchten." „Ist es richtig, daß einzelne Postchefs in den Moldanstädten keine Telegramme an die militärischen Kommanden annehmen wollten?" „Gewiß. Dies war in Burdujeni auch der Fall. Der Postchef ist noch immer im Amte. Auch ist es mir von Augenzeugen erzählt worden, daß Offiziere passive Zeugen der Plünderungen waren und daß die Soldaten wiederholt blinde Salven abgegeben haben." Von der eigentlichen Hilfsaktion erzählte Herr Dr. Kaminka, daß dieselbe vorläufig darin bestanden hat, zirka 2000 Flüchtlinge, die in den Synagogen und Schulen von Itzkany und Suczawa untergebracht waren, zu repatriieren. Demnächst wird man daran gehen müssen, diesen ärmsten Leuten zu ihrer früheren Existenz zu verhelfen. Hiezu seien mindestens 200.000 Francs erforderlich. Ueberdies werde man aber auch Leuten aus den mittleren Schichten, die zwar nicht ganz aitf den Bettelstab gebracht wurden, aber doch jedenfalls sehr in ihrer Existenz erschüttert wurden, helfen müssen. Hiezu sei der gleiche Betrag notwendig. Für die rumänische Hilfsaktion haben ihre Hilfe in Aussicht gestellt: der „Hilfsverein der deutschen Juden" in Berlin, die „Alliance Israelite" in Paris und das Frankfurter „Komitee für osteuropäische Juden". Es dürfte auch demnächst eine gemeinsame Besprechung dieser Organisationen, vielleicht in Wien, stattfinden. Das Jubiläumsfest des Jß'nei-B'rith- Ordens. Von unserem Korrespondenten.) Berlin, den 20. Marz. Der deutsche B'nei-B'rith-Orden feierte am 17. d. M. in imposanter Weise das Jubiläum seines 25jährigen Bestandes. Alle Logen Deutschlands, Oesterreichs, Rumäniens sowie der Schweiz waren hier vertreten; auch die bedeutendsten jüdischen Korporationen Deutschlands nahmen Anteil an diesem Feste einer Institution, die in ihrem 25jährigen Bestände zu einem wesentlichen Glied des humanitären Lebens geworden ist, ohne die heute in ganz Deutschland keine größere jüdische Wohltätigkeitsaktion geschieht. Die Feier fand in der kolossalen Ausstellungshalle des Zoologischen Gartens statt und wurde von mehr als dreitausend Damen und Herren besucht. Die Festrede hielt der Präsident der Großloge für Deutschland, Herr Justizrat Timendorfer, einer der glänzendsten Redner. Die wesentlichsten Stellen lauteten: Nach Beglückwünschung der „Deutschen Reichstage", der Stamm mutter aller Logen auf deutscher Erde, begrüßte Redner die Erschienenen, dankte Herrn Sanitätsrat Dr. Maretzki für seine Darstellung der Geschichte des Ordens in Deutschland und teilte mit, daß die Gioß. löge dieses bedeutsame Werk in zehntausend Exemplaren zur Verteilung an alle Mitglieder des deutschen Distrikts und an sonstige Freunde des Ordens habe herstellen lassen. 937 Brüder seien während der 25 Jahre abberufen worden; heute gehören ihm tast 7000 in 66 Logen an. Der Gesamtorden umfasse über 30.000 Mitglieder, die sich auf 425 Logen verteilen. „In der Welt unserer Wohlfahrtsbestrebungen geht die Sonne nicht unter.'' Der Logengedanke ist nichts weiter, als der Gedanke der Erhebung und Nenbelebung des jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins bei rückhaltlosem Anschluß an Vaterland und Menschheit. Der Orden wolle seine Mitglieder nicht von den Andersgläubigen absondern, sondern alles Gute und Edle wetteifernd mit ihnen fördern und nur in einer Richtung einen eigenen Weg gehen, den Weg, den unsere Religion uns vorschreibt. „Bleibe Jude*, so schärft der Orden den ihm Zugehörigen ein, „mit bescheidener Zurückhaltung» aber mit stolzem Selbstbewußtsein!-* Wie die Väter aufrecht gestanden unter schwerem Druck und nicht Freiheit erkaufen wollten mit innerem Widerspruch, so wollen auch wir nicht ermatten im Kampfe, nicht als Flüchtlinge befunden werden, die das Erbteil der Religion preisgeben, um äußere Vorteile! Getreu seiner Aufgabe religiöse Gesinnung zu verbreiten, unterstützt der Orden alle Institutionen, welche der jüdischen Wissenschaft dienen, leistet er Beiträge zur Vermehrung des jüdischen Religionsunterrichts, zum Baue neuer Gotteshäuser, und hat er gemeinsam mit dem D J. G. B. das „Archiv der Deutschen Juden" geschürten. Zur Förderung des geistigen und leiblichen Wohles des heranwachsenden Geschlechtes wurden Jugendvereine gegründet, für Ferienkolonien über 200.000 3rk. anfgewendet- Kinderbospize, Kindergärten und -Horte unterstützt usw. Redner gedachte sodann des Anteils der deutschen Logen an den großen Hilfsaktionen für unsere verfolgten Glaubensgenossen, namentlich die r ti s s i sehe n, seiner Zusammenarbeit mit dem „Hilfsverein der Deutschen Juden* und und verwies mit gerechter Genugtuung darauf, daß einschließlich der für die eigene Verwaltung erforderlichen Summen die deutschen Logen in ihrer 25jäbrigen Tätigkeit insgesamt acht Millionen Mark aufgewendet haben, davon drei Millionen für allgemein-jüdische Wohltätigkeitszwecke! Der Appell der Großloge, anläßlich der Jubelteier besondere Sammlungen zu veranstalten hatte den Erfolg daß von 55 Logen bereits jetzt die stattliche Summe von 387.470 Mk. gespendet wurde. Nachdem Redner den heutigen Beschluß der Großloge, für die vom D. J. G. B. zu begründende Anstalt für schwachsinnige Kinder 40.UÜÜ Alk. zu bewilligen, mitgeteilt, verbreitete er sich über die vielgestaltige innere Logentätigkeit und schloß mit dem Wunsche, daß der Orden mit wachsendem Erfolge seiner hehren Mission gerecht werden möge, indem er seine Mitglieder in dem Entschlüsse kräftigt, gnte und treue Juden, Staatsbürger und Menschen zu sein und zu bleiben. Nach dem Festredner, der unter jubelndem Applaus seine Rede schloß, überbrachten die auswärtigen Delegierten ihre Glückwünsche: Rechtsanwalt Dr. A. Stern- Bukarest die Glückwünsche des rumänischen. Herr Doktor Edm. Kohn-Wien die der österreichischen Großloge, Herr Rechtsanwalt Peiser-Breslau (unter Uebergabe der von Hermann Struck hergestellten Oelgemälde der drei Großpräsidenten Herren J. Fenchel, Sanitätsrat Maretzki und Justizrat Timend orter) die der deutschen, endlich Herr Rechtsanwalt Story die der beiden Berliner Schwesterlogen. Im Anschluß daran gab namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Herr Sanitätsrat Dr. Stern den wärmsten Sympathien mit den Bestrebungen des Ordens, der aufrichtigten Bewunderungseiner verdienstvollen Wirksamkeit und dem Wunsche für ein ferneres Gedeihen herzlichen Ausdruck.

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