Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1907-03-22 · Heft 15 (22.3.1907) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 15 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2425679-2425680-2425684--0053-2426307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 10 »Nene National-Zettung« Nr. 15 Ausländer; er ist am 22. April 1879 zu Mogilew in Rußland geboren, hat die Universität Odessa und Straßburg besucht und an der hiesigen Universität am 13. Januar 1902 mit einer Dissertation über das Thema „Bestimmung der Schwingungsdauer der oscillatorischen Kondensatoren- Entladung" promoviert. Mit dem Beginn des Winterhalbjahres 1904/1905 ist er an dem physikalischen Institut der hiesigen Universität als Assistent eingetreten. Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: »Acilia«, 14. März 12 Uhr mittags von New-York nach Newport-News. »Arcadia«, 13. März 4 Uhr nachm. von New-York nach Philadelphia. »Barcelona« von Philadelphia kommend, 13. März 5 Uhr nachmittags Dover passiert. »Batavia«, von New-York kommend, 14. März 6 Uhr morgens Lizard passiert. »Bitschin« 12. März 9 Uhr abends in New-Orleans. »Dania« von New- Orleans kommend, 15. März 8 Uhr 25. Min. morgens auf der Elbe. »Hamburg«, von Genua nach New-York, 14. März 7 Uhr abends von Neapel. »Pallanza«, nach New-York und Philadelphia 14. März 1 Uhr morgens Cuxhaven passiert. »Sizilia«, von Galveston kommend, 13. März von Newport News. Belgien. Antwerpen. Die Präsidentin des hiesigen zionistischen Frauen- und Mädchenvereins, die Gattin des Herrn Heinrich Grünau-Grünzweig, Mitgliedes des großen A. C, Frau Mania Grünzweig, starb nach längerem schmerzvollem Leiden am 2. März d J. im 33. Lebensjahre. Die so jung Verblichene entstammte einer angesehenen Krakauer Familie und war die Cousine ihres Gatten. Eine außerordentlich sympathische Erscheinung, war sie für die zionistische Bewegung unermüdlich tätig. Der Zionistische Frauen- und Mädchen verein Antwerpens , dessen Präsidentin sie bis zum Tode blieb, ist ihr Werk. Und wenn es heute in Belgien eine stattliche Anzahl Frauen und Mädchen gibt, deren Herzen für die jüdische Volkssache entbrennen, dann ist das größtenteils dem vovanleuchtenden Beispiel dieser Frau zu danken. Den Teilnehmern an der jüngsten Jahreskonferenz in Köln ist ihr feines, anmutendes Wesen, mit dem sie aller Herzen gewann, noch in frischer Erinnerung. Möge es unserem Freunde Heinrich Grünzweig zum Tröste dienen, daß alle, die diese Frau gekannt haben, ihren Verlust empfinden und beklagen. G£MEiNtiS=UKö VSftCiNSNftlftRtUttgN Wien. Die Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien »Bar-Kochba« hat nachstehenden Ausschuß gewählt: Präses: jur. Moses Stockei, Vizepräses: techn. Hillel Bazar, I. Schriftführer: jur. Wilhelm Schenkel, II. Schriftführer: jur. Mendel Schmorak, Kassier: techn. Josef Franzos. Wien. Mittwoch, den 20. d. M. um V25 Uhr nachmittags findet im Saale der Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46, ein Vortrag des Herrn Religionslehrers Wilhelm Breuer für Volks- und Bürgerschüler unter gleichzeitiger Vorführung von Lichtbildern statt. Thema: Pessachfest. (Geschichte Israels in Aegyten, Auszug, Hagadah, Sederabend.) Wien. Die am 11. März 1. J. stattgefundene XXVI. Plenarversaromlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschule r" hatte folgendes Ergebnis: Präses iur. Leon Ziffer; I. Vizepräses iur. Samuel Schndmak; II. Vizepräses phil. Hermann Rosenberg; I. Kassier med. Albert Baum; H. Kassier com. Julius Diamant; I. Schriftführer med, Moriz Tauba: IL Schriftführer med. Fritz Tüchler; Bibliothekar med. Bernhard Kohn; Zeitungsveiweser jur. Karl Bondy; Hausverweser med. Josef Winter. Wien. Die am 28. Februar in den Sofiensälen zur Feier des XXV. Semesters des Vereinsbestandes veranstaltete Festakademie der „Lese- und Redehalle jüd. Hochschule r", bildete einen der glänzendsten und bestbesuchten Abende der Saison. Unter den zahlreichen Ehrengästen befand sich auch Herr Dekan Prot. Dr. Friedrich J o d 1. Der künstlerische Erfolg der Akademie war ein bedeutender. Die Darbietungen der Künstler und zwar der Damen Elizza, Keplinger, Schapira nnd Walde, sowie der Herren Treumann, Gregori, Eibenschütz und Pahlen fanden lebhaften Beifall. An die Akademie schloß sich ein Tanzkränzchen an, dessen Arrangement Herr Prof. Julius Singer besorgte. Berlin. Das Kartell Zionistischer Verbindungen hat beschlossen, einen Preis von Mark 50.— auszusetzen für die beste Agitationsbroschüre über das Thema »Der jüdische Student und die national-jüdische Bewegung.« Als Preisrichter fungieren die Herren: Rechtsanwalt Dr. Hantke, Rechtsanwalt Dr. Pinkus, Dr. med. Zwirn, sämtlich in Berlin. Die Broschüre muß besonders die deutschen Verhältnisse berücksichtigen, in deutscher Sprache geschrieben sein und darf zwei Druckbogen 8° nicht übersteigen. Die Manuskripte sind an der Spitze mit einem Kennwort zu versehen und bis zum 15. Juli 1907 an den Vorsitzenden des Preisrichterkollegiums Herrn Rechtsanwalt Dr. Hantke, Berlin, Kaiser-Wilhelmstr. 3, einzusenden. Der Sendung ist ein verschlossenes Kouvert beizufügen, das das Kennwort des Verfassers trägt und seinen Namen nebst Adresse enthält. Das Resultat des Preisausschreibens wird bis zum 1. September 1906 bekannt gegeben werden. Alle Rechte an der preisgekrönten Schrift gehen an das Kartell Zionistischer Verbindungen über. UEISCNLCN Jüdische Flttcktling-e aus Rußland. Am 20. Februar kam in Groß-Becskerek eine aus 24 Gliedern bestehende flüchtende jüdische Gruppe unter der Führung des Odessaer Handelsmannes Hirsch Kahan an. Nach langem Herumirren und verzweifelten Kämpfen gelangten sie nach Ungarn. In Becskerek suchte der Führer der Gruppe den Polizeihauptmann auf, der die E/laubnis. zur Sammlung von Unterstützungen erteilte. Die Unglücklichen erhielten eine Unterstützung von 600 Kronen. Hirsch Kahan erzählte, welche Ungerechtigkeiten und Verfolgungen die OJessaer Judenheit von Seite des russischen Pöbels, des Militärs und der Polizei zu erdulden hat. Ueber das Schicksal seiner Gruppe berichtete er folgendes: „Vor etwa drei Monaten ist in der Nacht ein Feuer im jüdischen Viertel der Stadt ausgebrochen. Die alarmierte Einwohnerschaft flüchtete sich auf die Straße. Als sich nun die Straßen mit den aufgeschreckten Juden füllten, wurden diese -von* den - aus den Kreuzgassen hervorstürmenden betrunkenen Matrosen, Kosaken und dem sonstigen Straßenpöbel überfallen. Das Losungswort war: alle Juden müssen vernichtet werden. Wir, zirka 50 an der Zahl, flüchteten uns damals durch ein Durchhaus zum Meer, 35 von uns besetzten einen Fischerkahn und segelten ohne Nahrung und Wasser an dem Ufer des Schwarzen Meeres nach Rumänien. Die übrigen fünfzehn Personen sind in Odessa geblieben. Wir sind so gerettet worden. Unterwegs beteten wir und sangen Psalmen. An mehreren Stellen ankerten wir, und von milden Gaben lebend, gelangten wir nach Rumänien. Auf dem langen Wege starben sechs, fünf Personen verließen unsere Gruppe in Rumänien. Durch Rumäniea kamen wir nach Ungarn, wo wir ein wenig leichter aufatmen dürfen; von hier aus wollen wir nach Amerika auswandern". Unter den Flüchtlingen sind 10 Männer, 5 Frauen, 3 größere Mädchen und 7 Knaben. Dreißig Antisemiten? verschiedener Schattierung zählt der neugewählte deutsche Reichstag in seiner Mitte. Ihnen stehen zwei Juden gegenüber: die Sozialdemokraten Singer und Stadthageu. Was für Juden! PMlantropen. Oberlandesgerichtsrat Paul Rothschild hat di« Stadt Köln zu seiner Universalerbin eingesetzt. Von der auf 600.000 Mark geschätzten Hinterlassenschaft "soll die Stadt 100.000 Mark zum Bau eines Krematoriums verwenden, sobald die gesetzlichen Hindernisse, die der Errichtung eines solchen entgegenstehen, behoben sind. Die Erträgnisse des Restes des Vermächtnisses sollen für eine Stiftung für Lungenkranke verwandt werden. Falls die Stadtverordnetenversammlung die Annahme ablehnt, soll das Israelitische Asyl das Vermächtnis erhalten, das dem Verein für Feuerbestattung 100.000 Maik für ein Krematorium und 50.000 Mark für einen Urnenhain zu überweisen hätte: Die Stadtverordneten, die in ihrer Sitzung vom 8. März in der Sache beschließen sollten, setzten die Beratung bis zur nächsten Sitzung aus. — Jüngst starb in Seattle (Wash.) eine Frau Karoline Rosenberg- Galland, die ihr Vermögen von 1,500.000 Do'^.s für Wohltätigkeitszwecke hinterließ. Die Verwandten, die je mit 1 Dollar bedacht worden sind, fochten das Testament an. Der Czar iBt — Mazzoth. Es ist nicht ohne Interesse, daß alljährlich vor Ostern Mazzoth, die ein jüdischer Hofbäckermeister in Darmstadt fabriziert, iür. den Kaiser von Hußland bestellt werden und auf seine Tafel gelangen. Auch in diesem Jahre ist eine solche Bestellung, und zwar von dem Großherzog von Hessen, direkt „für Se. Majestät den Kaiser von Rußland", wie es auf dem Bestellschein heißt* erfolgt. Ferner hat der Großherzog für die Großfürstin Sergius von Rußland und für den. Prinzen Heinrich von Preußen einen Auftrag auf Lieferung von Mazzoth dem nämlichen Bäckermeister, dem schon seit Jahrzehnten die Lieferungen für den hessischen Hot obliegen, erteilt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.