Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 15 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425679-2425680-2425684--0050-2426304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 15 »Neue National-Zeitung« Seite 7 wurden, und dieser Einladung gern Folge geleistet haben etc." Als langjähriger Vertreter der jüdischnationalen Gruppe lege ich im Einverständnisse mit meinen Parteifreunden Wert darauf, festzustellen, daß die jüdischnationale Gruppe sich an dieser Feier nicht beteligt hat. Unter „jüdischnationaler' Richtung wurde immer jene verstanden, welche ihren Konzentrationspunkt im Jüdischen Volksverein gefunden hat, und deren politische Tätigkeit auf dem am 10. Jänner 1902 publizierten Programm der jüdischen Volkspartei fußt. An dieser Tatsache ändert nichts der Umstand, daß sich andere dieses Namens, den wir durch unsere Arbeit zu einen Ehrennamen gemacht, und dieses Programmes, das heute Gemeingut aller jüdisch-volksbewußten Kreise ist, ohne Quellenangabe bedienen. Wir aber legen Wert darauf, Verwechslungen und hiemit Verantwortlichkeiten für andere zu vermeiden. Hochachtungsvoll Richard Bappoport. * Dr. Artur Niinhin als deutscher Korps-Student. Herr Dr. IsaakKohn, Advokat in Sereth, schreibt uns: „Das Polentum des Herrn Dr. Nimhin ist ihm weder angeboren noch anerzögen. Denn er war im ersten Jahre der Gründung der jüngsten Pflanzschule deutschen Wissens, der Czernowitzer Universität, Hörer der Rechte an dieser Hochschule und hat als Mitglied des akademischen Kor ps „Au Stria" begeisterte Reden auf das Deutschtum und auf das schwarz-rot goldene Band, das ihn damals umschlang, gehalten. Dies scheint aber wohl eine jugendliche Verirrung gewesen zu sein; denn als er sah, daß man als jüdischer Pole zu einer einflußreichen Stellung emporsteigen könne, wurde er als reifer Mann rasch ein eifriger Pole. Vielleicht wird er als Greis, wenn er das Fazit seines Lebens ziehen wird, sich noch auf das Judentum zurückziehen. Diese Gedanken hat die Bekanntmachung des Manifestes des Herrn Schmelke Horowitz in mir ausgelöst, da ich Herrn Dr. Nimhin als Mitunterzeichner finde. Das Manifest selbst aber ist sicherlich als politisches Schriftstück ein Unikum! So einen Wahlaufruf dürften sich selbst in Rußland die Hooligans nicht leisten. Nur in Galizien, welches nach jeder Richtung hin ein Ausnahmsland ist, ist so ein Wahlmanifest möglich. Denn die s. g. maßgebenden Persönlichkeiten der Landesjudenschaft, die sich als Volksführer ausgeben und eigentlich Volksverführer sind, fordern die Juden auf, sich mit den Polen solidarisch zu erklären, weil sonst die Polen die im Manifeste enthaltenen Drohungen ausführen würden. Also nicht die Nation, die die jüdischen Stimmen braucht, wirbt bei den Juden um die Stimmen, sondern eigene Volksgenossen befehlen den Juden eine bestimmte Richtung einzuhalten. Nun ist es doch in der Politik (wenigstens in zivilisierten Ländern) Brauch, beim Anwerben von Bundesgenossen Vorteile in Aussicht zu stellen, nicht aber bei Verweigerung der Gefolgschaft mit Vernichtung von Existenzen zu drohen! Die Polen selbst, die viel zu klug sind, würden es gewiß nicht gewagt haben, ein derartiges Manifest an die Juden zu erlassen. Das Manifest beinhaltet den Tatbestand d e s V e rbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit durch gefährliche Drohung! Würden etwa die Juden selbst eine der anderen Nationen des Landes um politische Gefolgschaft ersuchen und so einen Aufruf erlassen, so würden die Unterzeichner ganz zuverlässig und mit Recht unter Anklage gestellt werden. Da es aber die Moschkos für die Polen tun, so läßt sie der Staatsanwalt ungeschoren". Dieser Teil unseres Blattes steht unseren Lesern zur Verfugung. Wer der Oeffentlichkeit in jüdischen Fragen etwas zu sageD hat, wer an die jüdische Oeffentlichkeit appellieren will, dem stellen wir diesen Raum gern znr Verfügung. Die Redaktion. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich lese in den heutigen Blättern vom gestrigen Empfange beim Herrn Minister des Innern, Baron Bienerth. Ich lese da, daß der Präsident des protestantischen Konsistoriums, Geheimrat Franz, anwesend war, und auch die Spitzen der Geistlichkeit, die Herren Bischöfe und Pröbste Marschall, Mayer, Belo potoezky usw. Wo war denn unser Oberrabbiner, Herr Dr. Güdemann? Wurde er gar nicht eingeladen? Das ist doch nicht in Ordnung! Dr. Güdemann ist ja doch jedenfalls das geistliche Oberhaupt der Wiener Judenschaft und jeder Minister, der einen öffentlichen Empfang veranstaltet und ein solcher Empfang kostet ja das Geld aller Steuerträger, weil doch jeder Minister 24.000 K an Repräsentations-Zulagen aus dem Staatssäckel bekommt, soll die geistlichen Würdenträger aller Konfessionen einladen. Allein die Juden werden immer zurückgesetzt und sie lassen sich's gefallen. In unserem Kultusvorstand sitzen so viele gescheite Herren; vielleicht denken diese einmal über meine bescheidene Anregung nach. Hochachtend Dr. X. X. Wir erhalten von Herrn cand. jnr. Hanns Fischt in Wien, 1. Bezirk, Stadiongasse 4, nachstehende Zuschrift: Ich mache der jüdischen Studentenschaft hiedurch Mitteilung davon. daß sich in meiner Verwahrung sämtliche behördlichen Bewilligungen, ferner das Inventar des vor drei Semestern gegründeten und später suspendierten „akademischen Sport kltilis der jüdischen Studenten "'befinden, in der Erwartung, daß von irgend einer Seite der Versuch "einer Reaktivierung des Vereines unternommen werden wird. Sollte das nicht der Fall sein, so werde ich die vorhandenen Sachen der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler" in Wien zur Verwahrung übermitteln. Studcuten-Sederab nde. Es ist Pflicht eines jeden nationalen kenden Juden, seine nationalen Feste in würdiger Weise zu feiern. Wieder naht ein solches und wenige unserer connationalen Studenten haben Gelegenheit, die Sederabende in unserer alt hergebrachten Weise zu halten. Der Unterzeichnete fordert deshalb alle jene Studenten, welche an einem gemeinsamen Sederabend teilnehmen wollen, auf, ihre Namen im akademischen Verein „Theodor Herzl", IX., Grüne Thorgasse 33, bekannt zu geben, wo auch etwaige Auskünfte erteilt werden. Die Preise sind sehr mäßig. __ exp. Adolf Beer. Der »Allgemeine jüdische Arbeiter-Verband Oesterreichs in Krakau, Sebastyana Nr. 27, gibt bekannt: Unentgeltliches Stellenvermittlungsbureau: Wir geben hiemit der Oeffentlichkeit bekannt, daß wir den Bestimmungen unserer Verbandsstatuten gemäß ein »Unentgeltliches Stellenvermittlungsbureau« ins Leben gerufen haben. Die Zentrale wurde in Krakau errichtet und sind schon in Galizien selbst Filialen unseres Bureaus in Brody, Drohobycz, Jaroslau, Rzeszow, Kolomea, Lemberg, Neu-Sandez, Stanislau, Sanok, Tarnopol, Tarnow, Zloczöw und 15 anderen Ortschaften gegründet. Außerhalb Galiziens funktioniert unser Stellenvermittlungsbureau durch seine Filialen in Czernowitz, Sereth, Radautz, Brünn, Prag, Bielitz, Wien. Wir erachten es als ü berflüssig, auf die Beschreibung der Notwendigkeit einer solchen Institution näher einzugehen — es genügt wenn wir auf das tagtäglich wachsende arbeitslose Proletariat und auf die Ausbeutung seitens verschiedener Vermittler hinweisen, um schon die Wichtigkeit unseres Bureaus zu bezeichnen. Wir hoffen durch eine groß und stark angelegte Organisation unserer Institution vieles zum Wohle der Arbeitssuchenden leisten zu können, aber selbstverständlich hängt die Ersprießlichkeit unserer Arbeit viel von der moralischen Unterstützung der an der Sache Interessierten ab. Wir glauben daher annehmen zu dürfen, daß uns sowohl die Arbeitsgeber wie die Arqeitssuchenden alle offenen und gesuchten Posten angeben werden.