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Neue Nationalzeitung · 1907-03-22 · Heft 15 (22.3.1907) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 15 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 ^Neue National-Zeitune:« Nr. 15 Die „Israelitisch-theologische Lehranstalt". Zu dieser Artikelserie von M. Friedländer, die allseits großes Aufsehen erregt hat. schon deshalb, weil der Verfasser den seltenen Mut gefunden hat, seinen Finger auf eine offene Wunde zu legen, erhalten wir von einem unserer Abonnenten aus Posen nachstehende Zuschrift: Posen, am 12. März 1904 „Sehr geehrte Redaktion! Bei der Lektüre des Artikels über die jüdischtheologische Lehranstalt kann ich einen Protest nicht unterdrücken. Der Artikel enthält zwar viel, sogar sehr viel Wahres, aber, daß der sei. Rapoport als nicht orthodox dargestellt wird, ist einfach ein Irrtum. Er war gerade so orthodox, wie einer der ältesten Rabbiner alten Schlages. Auch Zunz und Kr och mal kann man nicht ohneweiters mit Geiger auf dieselbe Stufe stellen. Doch ich will hier nur in betreff Rapoports meine Angabe wiederholen, daß er streng orthodox im Leben und Lehren war. Dies wird jeder, der ihn persönlich gekannt oder näheres über ihn gehört hat, gern bestätigen/' Hierauf hatte Herr Dr. M. F r i e d 1 ä n d e r die Freundlichkeit, nachstehendes zu erwidern: „Auf obigen, mir von der Redaktion zur Beantwortung übermittelten „Protest" erwidere ich kurz: Ich habe in dem Artikel wörtlich gesagt: „Mir für meine Person ist ein Seminardirektor, der für sich konservativ, seine Schule aber im liberalen, die freie Forschung begünstigendem Sinne leitet, ungleich sympathischer, als einer, der der entgegengesetzten Methode huldigt." Und hiemit allein ist der Protest schon erledigt Denn obige Worte habe ich gerade im Hinblick auf Männer, wie Rapoport, Krochmal und ähnliche niedergeschrieben. Ich weiß, daß diese im Leben konservativ waren, daß sie in Praxi nicht aus dem Rahmen ihres orthodoxen Milieus heraustraten. Wie aber waren sie auf dem Boden der Wissenschaft? Das lehrt zur Genüge ihre Freude an der freien Religionsforschung, deren Resultate uns ja noch vorliegen. Und was speziell Rapoport anbelangt, so hatte ich noch das Glück, ihn persönlich zu kennen und Worte der Belehrung aus seinem eigenem Munde zu empfangen. Ich saß nämlich zusammen mit seinem Enkel, dem wackern, im besten Mannesalter verstorbenen Arnold Bodek, gewesener Redakteur des „Berliner Tagblatt" und noch anderen Kollegen zu Füßen Rapoports und die Lust an der freien Forschung, die da in uns geweckt wurde, ist uns bis ins Alter frisch geblieben. Wer es mit angesehen, wie die Augen Rapoports leuchteten, wenn er von Mendelsohn sprach, mit welcher Freudigkeit es ihn erfüllte, wenn er eine freisinnige Auslegung einer Talmudstelle von Mendelsohn, die er noch aus mündlicher Ueberlieferung überkommen hatte, mitteilen konnte, der wird es nimmer glauben, „daß er streng orthodox im Lehren war." Und endlich, wenn Rapoport „genau so orthodox, wie einer der ältesten Rabbiner alten Schlages war", warum wurde er von den galizischen Rabbinern und Orthodoxen alten Schlages, als er noch in Tarnopol domizilierte, so verketzert und verfolgt? Doch wohl nicht wegen seiner „streng orthodoxen" Lehr weise 1 Und was schließlieh Geiger anbelangt, so lasse ich mir das Recht, ihn mit Rapoport, Zunz, Krochmal in einer Reihe anzuführen, nicht verkürzen: der Unterschied zwischen ihm und diesen war lediglich ein gradueller; Man weiß, wie Geiger über die Speisegesetze dachte; man weiß aber auch, daß er sich dessen uogeachtet nicht über dieselben hinwegsetzte, um nicht den Verdacht zu erregen, als wollte er zu seiner eigenen Bequemlichkeit dieselben abgeschafft wissen. Zuletzt darf man nicht vergessen, daß diese so hochverdienten Gelehrten doch erst an der Wiege der jüdischen Wissenschaft saßen; daß sie seitdem dort ohne weitere Entwicklung liegen geblieben und verkümmerte, ist nicht ihre Schuld. M. Friedender. Der galizische Landtag über die -„Israelitisch-theologische Lehranstalt". In der Sitzung vom 16. d. M. hat der galizische Landtag nach Anhörung des Referates von Professor Dr. Jaworski nachstehende Resolution angenommen: „Dem Landesausschusse wird aufgetragen, sich mit dem k. k. Unterrichtsministerium und den Kultusvorständen von Krakau und Lemberg wegen Schaffung einer israelitisch-theologischen Lehranstalt in Lemberg anläßlich des Kaiser-Jubiläums ins Einvernehmen zu setzen und in der Herbstsession des Landtags darüber Bericht zu erstatten:" Dieser Gegenstand hat bereits den Unterrichtsausschuß des Landtages beschäftigt. Auf Grund der Beratungen desselben wurde der Ausschußbericht verfaßt, dessen wichtigste Stellen lauten: „Die Kultusvorstände in Krakau und Lemberg erwarten vom Landesausschusse die Einleitung von Schritten, welche den Gedanken der Gründung einer eigenen israelitisch-theologischen Anstalt in Lemberg verwirklichen würden. Den die Wiener Zentralanstalt entspri cht nicht den Bedürfnissen des Landes. Nur eine Landesanstalt vermag jüdische Religionslehrer heranzubilden, die polnisch; sprechen und sich als Söhne des Landes fühlen würden. Deshalb empfiehlt der Un ter rieht sausschuß die Petionen der Kultusvorstände von Lemberg und Krakau, ohne jedoch bezüglich einer Subvention eine Entscheidung zu treffen, da diese Frage noch verfrüht ist. WAftlBSWeSUNG Die Wählerlisten für die Wiener Wahlbezirke wurden bereits aufgelegt. Da die Juden in den vorangegangenen Wahlperioden bezüglich ihrer Eintragung in die Wählerlisten bekanntlich die schlechtesten Erfahrungen gemacht haben und die jüdischen Stimmen bei den kommenden Reichsratswahlen, besonders in einzelnen Bezirken Wiens, ausschlaggebend werden dürften, so liegt es im Interesse der Wähler selbst, sich rechtzeitig davon zu überzeugen, ob sie in die Wählerlisten eingetragen sind, um im entgegengesetzten Falle von ihrem Reklamationsrechte rechtzeitig Gebrauch zu machen. Wir Juden, die leider auf allen Gebieten Rechte nur anf dem Papiere haben, dürfen schon aus prinzipiellen Gründen keine Gelegenheit vorübergehen lassen, unsere Rechte geltend zu machen, also im gegebenen Falle, uns unser Wahlrecht selbst dann nicht kürzen zu lassen, wenn wir auch an der Wahlkampagne in einzelnen Bezirken kein Interesse hätten. Wien. Wir erhalten nachstehendes Schreiben: Verehrliche Redaktion! Ich finde im Morgenblatte der „Neuen £>eien Presse" vom 15. d. M. eine von Herrn Dr. Schalit gezeichnete Berichtigtng, in der unter anderem der Satz vorkommt: „Vor allem sei konstatiert, daß die Jüdischnationalen zur Beteiligung an der Feier geladen

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