Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 14 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »Neue National-Zeitung« \ fNr: 14 Umgänge mit der jüdischen Bevölkerung- Stand halten zu können. Er appeliert an die akademische Jugend, bei der jüdischen Volkssache auszuhalten — der Sieg werde schon kommen. Eine begeisterte Ovation hat den Redner für seine trefflichen Ausführungen belohnt. Dann sprach Herr Adolf Stand, um die Person Ussischkin und seine Leistungen für den Zionismus und für Palästina zu preisen. „Wenn man vom Zionismus als wie von einem Organismus sprechen darf' — sagte er — „so war Herzl sein Haupt, Nordau sein Mund und Ussischkin — sein Wille/' — Hiermit war der offizielle Teil des Abends zu Ende. Die Ausstellung palästinensischer Produkte hat die Versammelten lebhaft interessiert. Hen- Ussischkin ist bereits nach Paris abgereist. Kn. Krakau, 10. März. (Orig.-Korr.) Bei der am 8. d. M. stattgehabten Landtagswahl hat die hiesige Handels- und Gewerbekammer den Oberbaurat Sare einstimmig gewählt. Gestatten Sie mir. über die Persönlichkeit dieses neuen Landtagsabgeordneten einiges anzuführen; schon deshalb, weil er von konservative]' Seite als Kandidat für das Mandat im Judenviertel (Kazmierz) in Aussicht genommen wird. Sare ist ein seif made man. Als Sohn eines Vorstadtschänkers geboren, hat er es durch seinen Fleiß und seine Begabung zu einer angesehenen gesellschaftlichen Stellung und als Beamter zu einer hohen Stufe (Oberbaurat) gebracht. Er wurde von einer Kurie mit christlicher Majorität (Intelligenz) in den Gemeinderat und von diesem zum zweiten Vizebürgermeister gewählt. Was für seinen Schwager, den verstorbenen Präsidenten der Kultusgemeiude, Doktor Horowitz, trotz vielfacher Bemühungen nicht erreichbar war, ist ihm mühelos in den Schoß gefallen. Sare ist das Muster eines korrekten, ehrenhatten Beamten; Jude aber ist er bloß dem Namen nach, durch Zufall der Geburt. Der Landtag gewinnt an ihm einen sehr tüchtigen Fachmann; die Juden gar nichts. Es ist doch das Merkwürdige, daß die Juden für den Polenklub die Fachmänner beistellen. Und diese Juden (Kolischer im Reichsrat) sind so sehr Fachmänner, daß sie an die Interessen ihrer jüdischen Wähler keine Zeit zu denken haben. Anderen Assimilanten gegenüber, die auf dab Mandat von Kazmierz Appetit haben, hat Sare das vor, daß er sich stets als das gibt, was er ist: als konservativer Pole „mosaischer Konfession"; er trägt nicht das Janusgesicht, mit dem sich unsere „unabhängigen Juden" bei den Polen als polnische Patrioten und in den jüdischen Kreisen als „nationale Juden" einführen. Wenn ich zwischen beiden die Wahl habe, so ist mir der politische Gentleman lieber als das politische Chamäleon. Ozcrnowitz. Sonntag den 5. März fand im größten Hörsaale unserer Universität die angekündigte von den akademischen Verbindungen „Emunah", „Hebronia" und „Zephirah" einberufene Studentenversammlung statt, welche hauptsächlich den Zweck hatte, zu der durch das Verbot des Unterrichts-Ministeriums betreffs der Frage der jüdischen Nationalität geschaffenen Lage Stellung zu nehmen: Als Referent in dieser Sache sprach cand. jur. Stecher. Redner weist darauf hin, daß der Senat die anmerkungsweise Berücksichtigung der Nationalitätsklausel beschlossen, daß aber jetzt unmittelbar von den Inskriptionen ein Ministerialerlaß die Ausführung jenes Beschlusses sistiert habe. Es sei merkwürdig, daß die Universität eine staatliche Einmischung auf einem Gebiete sich gefallen lasse, das in ihre autonome Kompetenz gehört Redner bespiicht dann das Wesen der Universität und weist nach, daß das innere Leben der Universitäten von staatlicher Hand ganz unbeeinflußt sei. was übrigens auch bezüglich der Czernowitzer Universität in der von der allerhöchsten Hand gezeichneten Stiftungsurkunde voll zum Ausdruck kommt. — : Da aber trotzdem der Senat nicht gewillt ist, einen Beschluß, den er selbst gefaßt hat, in Kraft treten zu lassen, seien die jüdischen Studenten gezwungeu neuerlich in den Kampf zu treten und jene Taktik anzuwenden, die die Behörde unbedingt zu einer Reaktion zwingt, das is als Muttersprache „rumänisch" und „ruthenisch" anzugeben. Ueber diese Ausführungen entspinnt sich eine lebhafte Debatte, in der Rektor Doktor Ehrlich bemerkt, daß die Nationalitätsklausel trotz des Erlasses höchstwahrscheinlich berücksichtigt werden wird. Hierauf richtete Professor Kromayer an die jüdische Studenten sehr warme Worte, wobei er versicherte, daß der Senat der wirklichen Ueberzeugung ist, daß die Forderungen der jüdischen Studenten die gerechtesten sind. Den jüdischen Studenten gebühre ebenso wie den anderen die Anerkennung ihrer nationalen Individualität. Die sohin von der Versammlung angenommene Resolution lautet: „Die jüdische Studentschaft erklärt ihren unerschütterlichen, durch nichts zu beugenden Entschluß, unentwegt und mit aller Energie dagegen anzukämpfen', daß ihre Nationalität, das Erbteil einer 1000jährigen Geschichte allein und im Gegensatze zu den anderen Nationalitäten amtlich als nicht existierend behandelt werde. Die jüdische Studentenschaft, zum Kampfe gedrängt, sofern nicht die Nationalitätsklausel im Rektoratsberichte des Sommersemesters ausgewiesen wird, erklärt diesen Kampf insolange mit den bewährten Mitteln „rumänisch" und „ruthenisch" im Nationale zu schreiben, fortzuführen, bis ihrer Nationalität volle Anerkennung verschafft wird." Hamburg, den 11. März. Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: rAmerika', nach New-York, 9. März, 12 Uhr mittags Lizard passiert. „Badeuia". von Baltimore kommend, 10. März 11 Uhr nachts auf der Elbe. ,.Inch Borva", 8. März, 6 Uhr morgens von Galveston nach Hamburg. „Kaiserin Auguste Viktoria", 9. März, 3 Uhr nachmittags von New-York über Plymonth und Cherbourg nach Hamburg. „Pennsylvania-', nach New-York, 10. März, 4 Uhr 20 Min. nachm. von Boulogne sur Mer. „Pisa", 8. März, 12 Uhr mittags von Boston nach Baltimore. „Roinanic"', 9. März, 4 Uhr nachm. von New- York nach Gibraltar, Neapel und Genua. „St. Jan*, 7. März in Galveston .Weptphalia", 8. März von Galveston nach Hamburg." GEMSiNü5uno VGRCiNSNfllftRiClWW *** Wien. Akademische Verbindung „Libanonia". Die Chargenwahlen der für das Sommersemester 19l)7 ergaben folgendes Resultat: med. Gustav Jellinek X, ing. Rudolf Linduer X X F X, med. vet. Walter Knlka XXX. Wien. Die Chargenwahlen der jüdisch-akademischen Verbindung rMaccabaea" für das Sommersemtster 1907 hatten folgenden Ausgang: J. U. C Karl Stiaßny X (XXX), ing. Viktor Popper XX, ing. Moriz Freundlich XX x. Wieu. Die Chargenwahlen der akadem Verbindung „Kadiinah" für das Sommersemester 1906/7 ergaben tilgendes Resultat: cand. med. Felix Deutsch X, cand. ing. Ernst Reizes X X, stud ing. Anton Diamant X X X- Wien. Der Israelitische ReligionsJehrerverein „Esra" veranstaltet Samstag, den 16. d. M. abends, präzise 7 Uhr, im Lokale der Religionsschule, I., Seitenstettenjrasse 2, II. Stock, einen Vortragsabend, hei dem Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang über die „Interpretation von Genesis Kap. 24" sprechen wird. Wien. Der TheologischeVerein gibt bekannt: Freitag, den 15. März a. c, findet im Festsaale der Universität die Promotion unseres Mitgliedes, HerrnKand.phil.Heinrich Schwengel-, statt. Wien. Die Ausschuß wählen des akad. Vereines ,,Jüdische Kultur" tür das Sommersemester 1907 ergaben folgendes Resultat: ing. Jos-ef Weißmann, Präses; phil. Moses Schor, Vizepräses; niech. Berl Friedberg, Schriftführer; techn. Josef Diamand, Bibliothekar; ing. Bruno Meisner. Kassier. Brünn. Für das Sommersemester 1906/7 ergaben die Chargenwahlen der jüd.-akad, Verbindung „V e r i t a su nachstehendes Resultat: Hermann Zeisel, Präses; Emil Grätzer, Vizepräses; Oskar Wolf, Schriftführer.