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Neue Nationalzeitung · 1907-03-15 · Heft 14 (15.3.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 14 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 »Neue National-Zeitung< Seite 9 seit der im Jahre 1897 vorgenommenen ersten Regulierung der Beamtengehalte die Teuerung auf sämtlichen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens in ungewöhnlicher Weise zugenommen hat, eine Tatsache, welcher sowohl der Staat, als auch die meisten größeren Korporationen durch eine Regulierung, beziehungsweise Erhöhung der Gehaltsbezüge ihrer Angestellten Rechnung getragen hat. Zu einer solchen Regulierung lag aber insbesonders hinsichtlich der Kultusgemeindebeamten ein besonderer Grund vor, weil die Anfangszifier des Gehaltsschemas für dieselben weit hinter der aller anderwärtigen Gehaltssysteme zurückbleibt, ein Umstand, der naturgemäß auch auf die Bezüge der höheren Rangsklassen rückwirken mußte. In diesem Sinne wurde das Gelialtsschema zunächst nach der Richtung geändert, daß der Gehaltsansatz in der untersten Rangsstufe von K 1560 auf K 1800 erhöht (von uns bereits gemeldet, Anm. d. Red.) und die Vorrückungsbeträge, welche bisher in den vier unteren Rangsklasseu — das Schema umfaßt insgesamt sieben Rangsklassen — K 260 betrugen, in den drei unteren Rangsklasseu auf K 300, in der IV. Rangsklasse auf K 400 erhöht und in den Rangsklassen I, II und III gegenüber der bisherigen Systemisierung etwas herabgemindert wurde. Die Rangsklassen VII und VI sind durch ein sogenanntes Zeitavancement miteinander verbunden, so daß jeder in diese Rangsklassen eingereihter definitive Beamter nach Ablauf einer bestimmten Zeit einen Gehaltsbezug von K 3400 erreicht. Eine Aenderung des Gehaltsklassen-Schemas wurde auch nach der Richtung durchgeführt, daß an Stelle des mit jeder Gehaltsstufe steigenden, mit 30 Prozentes Grundgehalte^ bemessenen Quartiergeldes für jede Kangsklasse ein einheitliches Quartiergeld festgesetzt wurde, welches ungefähr 25 Prozent des Grundgehaltes beträgt. Hierdurch erfährt der für die Pension anrechenbare Grundgehalt eine Erhöhung. Die Abänderungsanträge des Vertretelkollegiums werden einhellig angenommen und sohin die einzelnen Beamten auf Grund des neuen Gehaltsschemas eingereiht, wodurch deren Gehaltsbezüge eine angemessene Erhöhung erfahren. Wien. Das jüngste Landesverordnungsblatt enthält die Verordnung der Auflösung der israelitischen Kultusgemeinde Floridsdorf. Das den 21. Bezirk Wiens umfassende Gebiet wird der Kultusgemeinde Wien und das Gebiet des Gerichtsbezirkes Wolkersdorf mit Ausnahme der Gemeinden Aderklaa, Bockfließ, Deutsch-Wagram, Gerasdorf, Lang-Enzersdorf und Süßenbrunn dem Sprengel der Kultusgemeinde Mistelbach einverleibt. Aus dem restlichen Gebiete des Sprengeis der israelitischen Kultusgemeinde Floridsdorf werden drei neue israelitische Kultusgemeinden errichtet, und zwar 1. für das Gebiet der Gerichtsbezirke Korneuburg und Stockerau; 2. für das Gebiet der Gerichtsbezirke M a r c h e g g und Matzen und der Gemeinden Aderklaa, Bockfließ, Deutsch-Wagram, Gerasdorf, Lang-Enzersdorf und Süßen brunn des Gerichtsbezirkes Wolkersdorf und 3. für das Gebiet des Gerichtsbezirkes Groß-Enzersd o r f. Diese neu errichteten Kultusgemeinden haben ihrem Sitze entsprechenden Namen zu führen. Lemberg, 5. März (Orig.-Korr.) Im großen Saale des ruthenischen „Dom Narodny" hat vorgestern die hiesige zionistisch-akademische Verbindung „Judea" einen Palästina-Abend veranstaltet, dessen Hauptanziehungspunkt der Vortrag des Herrn Ing. M. M. Ussischkin, des bekannten Zionistenführers aus Rußland über „Palästina und die reale Arbeit der Zionisten daselbst" bildete. Der Abend war sehr stark besucht und dürfte ein schönes Reinerträgnis zu Gunsten der palästinensischen Sache abwerfen. Es waren zugegen die „Spitzen" unserer jüdischen Gesellschaft, die Kanal-Größen inbegriffen, die sich sehr gerne als eifrigste Anhänger der Palästina- Kolonisation ausgeben möchten, um dadurch ihren Verrat an der heimischen jüdischen Sache zu decken . .. Gegen 9 Uhr abends bestieg der Gast die Tribüne, von der ganzen Versammlung stürmisch begrüßt und führte ungefähr folgendes aus: „Es würde so manchem unter Ihnen vielleicht befremdend erscheinen, daß ich gerade diesen Moment gewählt habe, um über solche „Kleinigkeiten" zu sprechen, wie irgend welche Kleinkolonisation eines kleinen Volkes in irgend einer kleinen Provinz Asiens, während so große Dinge von uns im Zuge sind: übermorgen wird in dem Lande, woher ich komme, ein historischer Tag sein — die Eröffnung der zweiten Reichsduma; hier in dem Lande, wohin ich gekommen bin, sind die Gemüter durch die bevorstehenden Reichsratswahlen aufgeregt, die auf Grund des reformierten Wahlrechtes stattfinden werden und die einen Wendepunkt in dem Staatsleben dieses Landes bedeuten. Allein die Begriffe von „Groß" und „Klein" sind bloß relative; manche „Kleinigkeit" hat unermeßliche historische Folgen und werden erst die späteren Generationen in der Lage sein, richtig abzuschätzen, was wirklich groß und was nur scheinbar groß gewesen war. Dies ist übrigens eine allbekannte Sache und wenn es noch irgend welcher Bekräftigung bedurfte, so sei darauf hingewiesen, daß von jenen großen Ereignissen im alten Rom nur noch schwache Anregungen für die Altertumsforscher zurückgeblieben sind, während die ganz kleinen, stillen Geschehnisse im noch kleineren Winkel des Judenlandes, in Galiläa, bis auf heutzutage die Menschheit beherrschen ... Ich darf schon gewiß behaupten, daß die Realarbeit der Zionisten in Palästina für das jüdische Volk eine viel größere Bedeutung haben kann und muß, als wie all jene wimmelnden „Welt-Ereignisse." Als Moses die berühmte Deputation, die „Meraglim" nach Palästina entsandte, haben Zehn von den Zwölf ein durchaus verwerfendes Resultat heimgebracht; sie haben auf die Schwierigkeiten hinge wiesen, die ihnen ganz unüberwindbar geschienen haben, und nur zwei darunter waren es, die sich dennoch 1 ü r den Plan ausgesprochen haben. Gewiß haben auch diese zwei nicht auf ein Haar die vorhandenen Schwierigkeiten übersehen. „Aber wir werden doch gehen und doch siegen" - das warder Schluß ihrer Berichterstattung! Wir wissen jetzt, wer Recht gehabt hat. Und auch wir „werden gehen nnd werden siegen", sämtliche Hindernisse werden an unserem felsenstarken Willen, an unserem rücksichtslosen Fortschreiten zerschellen müssen!" Redner bespricht dann die Lage und den Stand der jüdischen Kolonisation in Palästina, erwähnt die faktischen Eroberungen, die im Laufe der letzten paar Jahre gemacht worden sind und führt aus: „Freilich ist das nichts im Vergleiche mit dem, was erst zu erreichen notwendig ist. Kaum drei Prozent des palästinensischen Bodens sind in jüdische Hände gelangt, aber die Mathematiker wissen es am besten, daß drei unzähligmal mehr sind, als 0, als wie 100 sich über 3 erhebt. Und wenn man in Erwägung zieht, daß wir erst vor einigen Jahren in Palästina 0 gehabt haben, so muß man zur Ueberzeugung gelangen, daß bereits der reale Boden geschaffen worden ist, von dem aus das Weitere sich schon entwickeln kann — wenn wir nur unaufhörlich weiter arbeiten werden." Zum Schlüsse weist Redner noch auf das geistige Kapital hin, das in Palästina erworben wurde. Die hebräische Sprache habe dort ganz aufgelebt und werde allmählich zur herrschenden Landessprache, so daß auch Nicht-Juden sie erlernen müssen, um im

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