Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 14 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 »Neue National-Zeitung« Nr. 14 Va&lBSWeSUNG Wien. Das deutsch-fortschrittliche Wahlkomitee für Leopoldstadt I hat den Beschluß gefaßt, den Gemeinderat Ferdinand Klebinder als Kandidaten aufzustellen. Klebinder, der seit mehreren Jahren im Leopoldstädter Ortsschulrat die Obmannstelle bekleidet, ist einer der ältesten liberalen Parteimänner in diesem Bezirke. Nachdem sich nun vier jüdische Kandidaten gegenüberstehen, wird in der Presse sehr viel von einer „Einigung" gesprochen; auch die „Union" erklärt in ihrem letzten Monatsbericht, die Einigung in die Hand nehmen zu wollen. Das sind aber bloß Worte. Eine Einigung kann nur darin bestehen, daß drei Kandidaten zugunsten eines Einzelnen abdizieren. Wer das zustande bringt, hat ein Meisterwerk vollbracht! Wien, 12. März. (Orig.-Koi r.) Am 11. d. M. fand im Hotel Zentral die von der jüdisch-nationalen Partei einberufene Wählerversammlung statt. Auf der Tagesordnung war die Anhörung des Reichsratskandidaten für den Bezirk Leopoldstadt I Dr. Isidor S c h a 1 i t. Die Versammlung war zahlreich besucht und wurde von Dr. Margulies eröffnet. Zuerst sprach Dr. Weisengrün, welcher die Verdienste des Kandidaten, speziell um die Entstehung der jüdisch-nationalen Verbindungen ausführlich hervorhob und auch auf den persönlichen Mut des Kandidaten verwies. Dr. Schalit, der sohin seine Kandidaturrede hielt, betonte die Notwendigkeit einer jüdisch-nationalen Organisation und Agitation. In scharfer Weise griff Dr. Schalit den Gegenkandidaten Dr. Bloch an, indem er ihm zum Vorwurf machte, daß er den Jüdisch-nationalen anläßlich ihrer Agitation für das allgemeine Wahlrecht in den Bücken gefallen sei und zwar „im Einvernehmen mit den Hausjuden des Polenklubs", sowie daß er ein Gegner des allgemeinen Wahlrechts für den Kultusvorstand sei. Weniger heftig, aber ebenso entschieden bekämpfte er die Kandidatur des Dr. Ofner. Auf die Ausführungen des Kandidaten folgte eine Diskussion, an der sich die Herren Sternberg, Böhm und Lucian Brunn er beteiligten. Der letztere Redner besprach in einer außerordentlich humoristischen Weise die gegenwärtige politische Lage der Juden, wobei er ebenfalls in sehr scharter Weise Herrn Dr. Bloch angriff. Diesem machte er eine rein persönliche Politik zum Vorwurf, die vom Bestreben geleitet sei, zu verdienen. Er meinte: „Für Dr. Bloch könne kein Christ stimmen, wohl aber für Dr. Schalit." Die Versammlung nahm über Antrag des Herrn Böhm die Kandidatur des Herrn Dr. Schalit an. Lemberg, 6. März*) (Orig.-Korr.) Die Politik unserer Moschkos hat am letzten Sonntag, bei der Versammlung der Delegierten für den polnischen „Nationalrat * wohlverdiente Ohrteigen bekommen. Der polnische Nationalrat, im Volksmunde „National-Verrat" genannt, welcher die Wahlen macht und weder die Autorität des Statthalters noch des Ministerpräsidenten über sich anerkennt, besteht aus 32 Mitgliedern. Hievon ernennt der Landtag 10 Mitglieder aus seiner Mitte, 12 Mitglieder werden von den Delegierten der galizischen Städte und Bezirke gewähltdiese 22 kooptieren weitere 10 Mitglieder. Bei einer derartigen Zusammensetzung ist es doch klar, daß die Majorität den Stanczyken und ihren bürgerlichen Hauskneehten (den Allpolen) gesichert ist. Sountag handelte es sich darum, die 12 Delegierten zu wählen. Als solche wählten die Anwesenden unter dem Vorsitze des Fürsten Czartoryski ausschließlich christliche Angehörige der nach rechts gravitierenden Parteien, aber keinen einzigen Juden, trotz *) Unliebsam verspätet. Die Eedaktion. des einige Tage zuvor erlassenen Manifestes der Herren Horowitz, Löwenstein .und Genossen. Diese Herren haben sich daher ganz vergeblich bemüht. Diese Behandlung glaubten die anwesenden Mosrhkos trotz ihrer Kriecherei nicht verdient zu haben, sie verließen daher den Saal, dabei aber versichernd, daß ihr Patriotismus diese Ohrfeigen ruhig einstecken werde, sie würden sich nur diesen Vorfall merken. Letzteres war jedoch dem Exzellenz-Herrn Abrahamowicz. dem Obmann des Polenklubs, der selbst noch kein sicheres Mandat hat, unangenehm und er meinte daher, es wäre gut, einem .,alttestamentarischen" Herrn ein Mandat einzuräumen,' da sonst die Zionisten aus diesem Vorfall Kapital schlafen könnten. Diese Worte fielen bei Herrn von Mojsa, dem offiziellen Kandidaten für den jüdischen Wahlbezirk Buczacz u. A. auf fruchtbaren Boden und er resignierte zn Gunsten des Bürgermeisters Nimhin aus Stanislau. Damit hat sich der ganze Zwischenfall in Wohlgefallen aufgelöst und Moschko kann nunmehr wieder mit der Schlachta Hand in Hand bei den Wahlen vergewaltigen. Da nun überdies Herr Dr. Gold aus Zloczow. das Muster-Exemplar eines jüdischen ..Allpolen" in den Nationalrat kooptiert wurde, so wird dem Einvernehmen der „alltestamentarischen" Polen mit dem polnischen Armenier Abrahamowicz nichts mehr im Wege stehen.. Sie passen wirklich beide zueinander, Die zionistischen Kandidaten in Galizien. Die jüdisch-nationale Parteileitung für Galizien hat nachstehende Kandidaten aufgestellt: Rabbiner Dr. M. Brau de für Lemberg (III. Wahlkreis); Advokat Doktor Malz für Bursztyn u. A.; Rabbinatskandidat Dr. Rapaport für Brzezany u. A.; Advokat Dr. Salz für Stryj- Kalusz; Rabbiner Gedalje Schmelkes für Buczacz u. A.; Zahnarzt Dr. Schalit für Tarnopol; Adolf; Stand für Brody u. A.; Rabbiner Dr. Thon für Kolomea; Advokat Dr. Zip per für Drohobycz. Ueberdies wurde beschlossen, für Krakau, Stanislau und Zölkiew später Kandidaten namhaft zu machen. Dr. Strau eher (CzernowitzJ und Dr. Schalit (Wien-Leopoldstadt) wurden als Parteikandidaten anerkannt. Im Bezirke Buczacz u. A. hat auch Dr. Nathan Birnbaum aus Wien seine Kandidatur als Zionist aufgestellt, gORRSSPONDgNZeN Oesterreich Ungarn. Wien. Herr Oberkantor Bela Guttmann ersucht uns um Richtigstellung, daß er vom Kultusvorstande keine Rüge erhalten habe. Nun gut. Es war also keine „Rüge",, sondern bloß eine—Ausstellung. Diese kleinliche Unterscheidung erscheint uns von minimaler Bedeutung. Wenn wir auch meritoritisch mit. den beanständeten Ausführungen des Herrn Gutmann uns nicht identifizieren, so erscheint uns doch von prinzipieller Wichtigkeit die Frage, ob der Kultusvorstand berechtigt ist, die Meinungsfreiheit seiner Angestellten zu knebeln, und wenn einer sich bloß erlaubt, eine Einrichtung der Gemeinde zu kritisieren, ihm gegenüber gleich Polizei zu spielen. Wrien, den 13. März. Wir erhalten nachstehendes Kommunique: In der am 3. März 1907 stattgehabten Plenarsitzung des Kultnsvorstan-des wurden das bisher geltende Rang- und Gehaltsklassen- Schema für die Verwaltungsbeamten der Kultusgemeinde, sowie die Bestimmungen hiezu im Sinne der Anträge des Vertreterkollegiums abgeändert. In dem zu dieser Vorlage erstatteten Berichte des Vertreterkollegiums wird hervorgehoben, daß zu der beantragten Aenderung hauptsächlich der Umstand Anlaß gab, daß