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Neue Nationalzeitung · 1907-03-08 · Heft 13 (8.3.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 13 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 »Neue National-Zeitung« Nr. 13'-' werden, um Kranke und Verwundete zu heilen. Es war auch möglich, eine Anzahl von Christen, darunter in Rußland ansässige Deutsche, die während der Judenmetzeleien in anerkennenswertester, zum Teil helden harter Weise die Juden zu verteidigen suchten und dabei Schädigungen erlitten hatten, zu unterstützen. Von den 1650 Kindern, die durch die Judenmetzeleien verwaist wurden, konnte der größte Teil in Rußland versorgt werden. Für 120 aber wurden durch des Hilfsvereins und der Großloge für Deutschland Vermittlung in Westeuropa und in überseeischen Ländern eine neue Heimat geschaffen. Soweit bei der Lage in Rußland der Hilfstätigkeit in Rußland Grenzen überhaupt gesteckt werden können, ist das Hilfswerk jetzt zum Abschluß gebracht. Im Anschlüsse an das Hilfswerk für Rußland vollzog sich die Fürsorge für jüdische Auswanderer durch das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten. Der Strom der 132.000 jüdischen Auswanderer, zum größeren Teile russische, der sich durch Deutschland ergoß, ist so gelenkt worden, daß die Durchwände rung durch Deutschland sich glatt und ohne Störung vollzog. Durch Einrichtung und Unterhaltung von besonderen Herbergen an der Grenze wurde den Auswanderern Nahrung und Obdach geboten und sie wurden vor Ausbeutung, Uebervorteilung undkörpeilichen und moralischen Schäden geschützt. Für die russischen Flüchtlinge wurden an den Haupteisenbahnpunkten Verpflegungsstätten unterstützt, bezw. eingerichtet. 60.751 Auswanderern hat der Hilfsverein in dieser Weise seine Fürsorge zuwenden können. 2265 Auswanderer, die auf der Reise erkrankten, wurden durch die Anstalten des Hüfsvereins geheilt. Das Zentralbureau arbeitet auch für die Gesamtheit der jüdischen Auswanderer, nicht bloß für die durch Deutschland ziehenden. Das Bureau hatte im letzten Jahre 1858 Anfragen von 8200 Personen, darunter 100 von christlichen Auswanderungslustigen zu erledigen. Die gesamte jüdische Auswanderung dürfte im vergangenen Jahre 200.000 Seelen betragen haben. Durch die Unterstützung durch die deutschen Glaubensgenossen ist es dem Hilfsverein möglich geworden, in den ersten fünf Jahren seines Bestehens 3,081.874 Mark aufwenden zu können. Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: »Alesia«, 27. Februar, 2 Uhr nachm. in Newyork. »Barcelona«, 27. Februar, 8 Uhr morgens von Philadelphia nach Hamburg. »Blücher«, 28. Februar, 8 Uhr morgens in Newyork. »Dania«, von Neworleans kommend, 28. Februar von Newport News. »Inch Borva«, 27. Februar, 4 Uhr morgens in Galveston. »Rapallo«, von Neworleans kommend, 28. Februar, 3 Uhr 30 Min. nachm. Lizard passiert. — Westindien, Mexico, Südamerika: »Albingia«, 28. Februar von Tampico. »Allemania«, von Mexico kommend, 25. Februar vdn Havana. »Altenburg«, nach Westindien, 28. Februar, 3 Uhr nachm. in Antwerpen. »Bavaria«, nach Westindien und Mexico, 27. Februar, 10 Uhr 40 Min. abends. Cuxhaven passiert. »Dacia«, nach Mittelbrasilien, 28. Februar, 12 Uhr mittags von Lissabon. »Dortmund«, 28. Februar voji Rio Grande nach Bahia Bianca. »Helvetia«, von Westindien kommend, 1. März, 4 Uhr 20 Min. morgens auf der Elbe. »König Friedrich August«, von dem La Plata kommend, 28. Februar, 9 Uhr 30 Min. abends von Boulogne sur Mer. »Kirchberg«, nach' Westindien, 28. Februar, 3 Uhr nachm. in Antwerpen. »La Plata«, nach Nordbrasilien, 27. Februar, 8 Uhr morgens von Boulogne sur Mer. »Mecklenburg«, von Westindien kommend, 28. Februar, 5 Uhr nachm. in Bremen. »Rugia«, nach Mittelbrasilien 27. Februar in Bahia. »Sardinia«, 27. Februar in Jamaica. »Sparta« von dem La Plata kommend, 27. Februar, 1 Uhr 30 Min. nachm. auf der Elbe. »St. Croix«, nach Westindien und Mexico, 28 Februar, 4 Uhr nachm. in Cadiz. »St. Thomas«, von Mexico und Westindien kommend, 28. Februar, 12 Uhr 35 Min. mittags auf der Elbe. »Troja«, 28 Februar in Rio de Janeiro. — Ostasien: »Rhenania«, auf der Ausreise nach Ostasien, 27. Februar, 7 Uhr abends von Lissabon. — Verschiedene Fahrten: »Ganadia«, von Persien kommend, 28. Februar in Marseille. Vergnügungsdampfer »Meteor«, auf der Mittelmeerfahrt, 28. Februar, 7 Uhr morgens von Pera. GSMeiNDS=üNt> VSRGiNSNWrtRiCBSW Wien. Die am 4. März stattgefundene XXIX. Generalversammlung des Vereines jüdischer Hochschüler »Bar Kochba« hatte folgendes Ergebnis. Es wurden gewählt: Obmann: cand phil. Leo Eisner, Obmann-Stellvertreter: phil. Viktor Kellner I. Schriftführer: jur. Friedrich Steiner, II. Schriftführer: cand. ing' Oskar Bergmann, Bibliothekar: stud. ehem. Emerich Hofmann, Kassier: cand. ing. Ernst Löwy, Zeitungsverweser: stud. techn' Viktor Pollak. Prag. Der israelitische Frauenverein in Königl. Weinberge hielt am 21. Februar 1. J. seine XIX. Generalversammlung ab. Die Vorsteherin, Frau Louise Engel, gedachte der im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder. Nach einem warmen Appell an die erhöhte Werktätigkeit der Mitglieder kam der Geschäftsbericht zur Verlesung. Aus diesem ist zu ersehen, daß 81 arme Schulkinder mit vollständigen Anzügen, Winterröcken und Schuhwerk mit einem Kostenaufwande von 1648 K 9 h beschenkt wurden. E<? erhielten 5 arme Wöchnerinnen Kinderausstattungen. An Unterstützungen wurden 5377 K 8 h, an Stiftungen 720 K verausgabt. Sowohl der Geschäfts- ,als auch der Kassebericht wurden genehmigt. Bei der Ergänzungswahl in den Ausschuß wurden die ausscheidenden Mitglieder wieder-, und an Stelle der^Frau Karoline Arnstein Frau Leonie Weil, in den Ersatzausschuß an Stelle der Frau Anna Pollak Frau Ernestine Altsch ulf neugewählt. WeitttilgN Eine interessante Urkunde über die Judenkolonie im ägyptischen Arsinoe hat Professor Dr. Wessely jüngst in den Akten des XIV. internationalen Orientalistenkongresses einer besonderen Untersuchung unterzogen. Es handelt sich um eine große Liste, die alle Steuerpflichtigen der Straße »Lager des Apollonios« der genannten griechisch-ägyptischen Stadt aufführt, und die den Behörden als Unterlage für die Steuererhebung diente. Eine besondere Rubrik wird in dieser Urkunde von den Juden gebildet. Es sind ihrer im ganzen fünfzehn, nämlich fünf erwachsene Männer, sechs erwachsene Frauen und vier Kinder. Sie alle sind der Judensteuer unterworfen, die auf den Kopf acht Drachmen und zwei Obolen ausmacht. Außerdem wurde noch von jedem eine Zusatzsteuer von einer Drachme unter dem Titel »Aparche« eingetrieben. Daß diese Steuer eine besondere Härte war, sieht man daraus, daß bei ihr nicht einmal die sonst bei der Kopfsteuer üblichen Vergünstigungen gewährt wurden. Während gewöhnlich die Kinder und Greise steuerfrei sind, müssen sie bei den Juden zahlen. Die Urkunde stammt aus dem Jahre 73 n. Chr., aus der- Zeit Vespasians, und bestätigt die Nachricht des Josephus, daß dieser Kaiser den Juden acht Drachmen und zwei Obolen als Steuer auferlegte. Unter Domitian wurde die Eintreibung immer härter und sie führt endlich zu großen Aufständen, von denen ebenfalls in den Papyrusurkunden Spuren zurückgeblieben sind. Ein Denkmal für Baronin Hirsch. Der Millionär Daniel Osiris hat der Stadt Paris eine größere Summe hinterlassen mit der Bestimmung, der verstorbenen Baronin Hirsch eine Statue zu setzen. Ei« jüdisches Gymnasium in Budapest. Die Pester israelitische Religionsgenieinde beabsichtigt, an die Hauptstadt mit dem Ersuchen heranzutreten, ihr behufs Errichtung eines jüdischen Gymnasiums das städtische Grundstück auf der Dohäny-utcza nächst dem israelitischen Tempel zu einem begünstigten Preise zu überlassen. Das Parlament von Transvaal: Das nunmehr zusammentretende Parlament von Transvaal hat im Unterhaus und Oberhaus je ein jüdisches Mitglied. Es sind - dies Harry Solomon und Max Langermann. Letzterer wurde in Bayern geboren und wanderte mit 20 Jahren nach Südafrika aus, wo er es zum Präsidenten der Kultusgemeinden von Transvaal und Natal brachte. Nunmehr hat ihn die englische Regierung mit Rücksicht auf diese "Würde ins Oberhaus berufen Der deutsche Kaiser hat bekanntlich unter den Juden einige besondere Lieblinge, die er stets gerne auszeichnet. Aus Anlaß seines Geburtstages hat er mehreren Persönlichkeiten ans der Industrie und der Hochfinanz, u. a. dem Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bank, Steinthal, und dem Generaldirektor der A. E.-G. Rathenau seine Büste übersandt. Die Büsten sind aus Kadiner Ton gebrannt und von einem Handschreiben des Kaisers begleitet gewesen.

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