Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 13 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 13 »Neue National-Zeiturtg Seite / Feuerstein abgemacht. Von den sechs Maudaten, die den 800,000 Juden gegeben wurden, will man ihnen noch einige wegstehlen. Die Stanczyken, die überall abgewirtschaftet haben, die man überall hinauswirft, sollen mit Hilfe korrupter Kahalmacher in den jüdischen Städten gewählt werden. Besser können wohl die Schlachta und ihre Hausjuden die jüdischnationale Agitation nicht fördern! Ein 31 Ilsterdirektor. Herr Elias Nagelberg. Leiter der Baron Hirsch'schen Schule iu Sniatyn ist ein Gemütsmensch. Als Dr. S. R. Landau im Jahre 1900 in Brody gegen Dr. Byk kandidierte, erklärte er. als rechte Hand des Bürgermeisters Billet. offen, man müsse gegen diese Kandidatur mit Messern kämpfen. Aus dem Messer wurde bald ein Revolver. Damit zwang er seine Lehrer, für Byk zu stimmen. Nun zeigte sich bald, daß Herr Nagelberg mit Messer und Revolver deswegen so gut umzugehen weiß, weil er etwas zu — lange Finger hat. Er wurde sohin nach Sniatyn versetzt, auf einen kleineren Posten. Das ließ den Herrn Nagelberg kalt. Der Mann ziert das Amt, Und welches Amt könnte dieser Mann besser zieren, als die Vertrauensstelle des polnischen Nationalrates? Elias Nagelberg als Vertrauensmann des ..Nationalrates" ist der richtige Mann am richtigen Platz. Es fragt sich nur. ob er auch als Leiter einer Baron Hirsch'schen Volksschule am richtigen Platze ist? ... . .KßRRGSPONDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Wien. (7 März.) Wie wir erfahren, hat der Kultusvorstand in der nichtöffentlichen Sitzung vom 3. März d. J. die G eha 1 tsreguli erung der Kultusbeamten beschlossen. Diese Regulierung besteht in einer Gehaltserhöhung, speziell bei den untersten Rangsklassen. So entfällt die unterste Gehaltsstufe per K 1560 und beginnt dieselbe mit 1800 K. Eine Aenderung ist jedoch nicht erfolgt betreffs der erforderlichen Dienstzeit zur Erlangung einer Pension und der Anrechenbarkeit des Quartiergeldes in die Pension. Diese Postulate. denen gegenwärtig neben den staatlichen auch die autonomen Behörden Rechnung zu tragen beginnen, werden sich die Wiener Kultnsbeamten wohl erst erkämpfen müssen. Bei der Gehaltsregulierung wurde auf die Religionslehre r g a r keine Rücksicht genommen — diese Frage wurde ad calendas graecas hinausgeschoben. Vielleicht ist dies auch ein Grund, daß der Kultus vorstand so lange zaudert, über seine Sonntagsitzung ein Communique zu veröffentlichen und daß er seinen Motivenbericht der jüdischen Presse vorenthält. Wien. (Orig.-Bericht.) Der bekannte Soziologe Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin, der wissenschaftliche Berater der zionistischen Parteileitung, hielt hier in den letzten Tagen zwei sehr interessante Vorträge; einen über „Rassenvorurteil" im „Verein zur Abwehr von Antisemitismus", den zweiten über „S i e d 1 u ng sgenossenschaftliche Kolonisation in Palästina" im „Jüdischen Kolonisationsverein". In seinem Vortrag über das Rassenvorurteil bezeichnet der Vortragende die Rassenlehre als eine der unhaltbarsten Theorien, die es je gegeben hat. Sie sei dazu.ausersehen, die Klassenkämpfe durch Rassenkämpfe.:abzulösen und zu ersetzen, da sich nach Gobineau tua4i.Ghamberlain der soziale. Kampf nicht zwischen begünstigten oder unbegünstigten Elementen des gleichen Volkes, sondern zwischen zwei mechanisch vermengten Rassen abspielt. Dabei bietet sich uns diese Rasseulehre nur als eine politische Klassenlehre ohne den geringsten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit dar. erfunden für die Feudaljunker. Sie weiß, oder sie will vielmehr nichts von der ..Plastizität der Rassen1wissen, von jener „Plastizität der Rassen", hervorgerufen durch das veränderte Klima, die veränderten Lebensbedingungen, durch die Anpassung. Akklimatisierung an das Volk, mit dem ein anderes Volk zusammen wohnt. Diese Rassentheorie scheint nie etwas von Rassenveredelnng und Verschlechterung gehört zu haben. Trotzdem hat diese Theorie mit allen ihren Fehlern — diese Theorie, die aus Christus einen Arier gemacht hat - einen großen Einfluß erlangt. Dies deshalb, weil die Mächtigen durch sie ihre Stellung befestigen wollen. Weniger wissenschaftlich, aber mehr von praktischen Gesichtspunkten geleitet war der zweite Vortragsabend. Derselbe war außerordentlich gut besucht u. zw. aus den besten Gesellschaftskreisen. Unter anderen waren erschienen der Präsident des zionistischen Aktionskomitees David W olf söhn aus Köln, mehrere Herren des Kultusvorstandes und Vertreter der bedeutendsten Korporationen und Vereine. Der Vortragende verwies zuerst auf die Notwendigkeit, den auswandernden russischen und rumänischen Juden ein geeignetes Kolonisationsgebiet zu schaffen und auf die Absperrungsmaßregeln, welche England und Amerika gegen die östlichen Proletariermassen systematisch treffen. Palästina erfülle durch seine Bodengestaltung und Bevölkerungsverhältnisse, durch seine kommerzielle Lage alle Vorbedingungen tür eine erfolgreiche Ansiedlung dieser Juden. Die Ansiedlung verspreche nur auf Grundlage der genossenschaftlichen Organisation und durch Einführung von Genossenschaftseigentum dauernden Erfolg. Redner entwickelte in wissenschaftlicher und zugleich populärer Weise seine Theorie der siedlnngsgenossensehaftlichen Kolonisation und erörterte besonders ausführlich die Vorteile landwirtschaftlicher Produktivgenossenschaften gegenüber den industriellen Genossenschaftsformen. Die Durchführung dieser siedlungsgenossenschaftlichen Kolonisierung in Palästina durch die Juden könne nicht nur zur Lösung der Judenfrage, sondern auch zur Entwirrung der allgemeinen sozialen Frage beitragen. Der mit stürmischem Beifall aufgenommene Vortrag schloß mit dem Appell zur Zusammenarbeit aller mit jüdischer Emigration und Kolonisation sich befassenden Organisationen der Welt zwecks Durchführung eines größeren Versuches in dieser Richtung. Namens des Präsidiums des „Jüdischen Kolonisationsvereines" sprach der Präsident, Herr k. k. Baurat Stiaßny dem Vortragenden den Dank und die Anerkennung der Versammlung tür die geistvollen Ausführungen aus. Zu Ehren des Gastes fand im Anschluß an die Versammlung ein gemeinsames Abendessen statt. Lemberg. Ende Februar. (Orig.-Korr.) Die Ereignisse an der Lemberger Universität und die Umstände, unter denen die Enthaltung der ruthenischen Studenten erfolgte, haben die Aufmerksamkeit nicht nur Oesterreichs, sondern auch Europas auf die ruthenische Frage gelenkt. Die deutsche Presse beginnt einzusehen, daß es nicht bloß ein Kardinalfehler, sondern geradezu ein politisches Verbrechen der deutschliberalen Partei war, daß sie in der Zeit ihrer Macht und ihres Glanzes die Ruthenen ohneweiters den Polen ausgeliefert hat. Nun sind die Polen die schrankenlosen Herren des Landes und das Helotenschicksal der Ruthenen bleibt besiegelt. Aber allzuscharf macht schartig. Die Behandlung der ruthenischen Studenten im Gefängnisse, die unbegründete lange Untersuchungshaft riefen Proteste der öffentlichen Meinung hervor, die nach einer Intervention der Zentralbehörden wider die hiesige Staats-