Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 13 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 •Neue Tiational-Zeitunr« Nf. 13 natürlich, daß der „Bund" keinen nennenswerten Wahlerfolgzu verzeichnen hatte. Der wirkliche Anhang, d. h. also, die Bundisten selbst, sind zum größten Teile des Wahlrechtes beraubt oder noch überhaupt nicht im Besitze eines solchen. Er war also auf die Stimmen der jüdischen Kleinbürger angewiesen, derselben Kleinbürger, die er sich durch unausgesetzten Terrorismus völlig entfremdet hat. und die es auch nach außen hin dokumentieren wollten, daß sie mit dieser terroristischen Gruppe; nichts gemein habe. So erklärlich nun die Niederlage des „Bundes" erscheint, so unverständlich erscheint der Ausgang der Wahlen für die Zionisten. die doch in der ersten Duma eine verhältnismäßig stattliche Vertretung hatten. Aber es scheint blos unverständlich, denn wenn man den Dingen auf den Grund geht und sich nicht von Parteirücksichten beirren läßt, so wird man bald dahinter kommen, daß die Zionisten einem politischen Rechenfehler zum Opfer gefallen sind Die Kalkulation der Zionisten lautete folgendermaßen: ..Bei der ersten Wahl war unsere Partei nicht politisch organisiert, wir hatten kein politisches Programm und führten keine geschlossene Agitation, und dennoch wurden unsere Kandidaten gewählt. Nun wurde die zionistische Partei zu einer innerpolitischen proklamiert, ein zionistisch politisches Programm geschaffen und es unterliegt keinem Zweifel, daß wir unsere Kandidaten in größerer Anzahl durchsetzen als bei der ersten Dumawahl. So kalkulierten die Zionisten. Es fanden sich weitblickende Politiker, die auf die gefährliche Selbsttäuschung, die in diesem Kalkül lag, hinwiesen. Der Rechenfehler liegt auf der Hand. Bei der ersten Wahl wurden die zionistischen Führer nicht als Zionisten, sondern als markante, um das Judentum im allgemeinen vei diente Persönlichkeiten gewählt, von deren moderner Auffassung, Intelligenz und jüdisch fühlendem Herzen man sich vieles erhoffte. Bei den zweiten Dumawahlen jedoch wurde um die Stimmen der jüdischen Wähler nicht, für anerkannte, hervorragende Individualitäten, sondern für das mit innerpolitischen Forderungen verwobene zionistische Programm geworben. Und da hatte es sich gezeigt, daß entweder die Brücke, welche vom landfremden Zionismus, in welchem die russischen Zionisten erzogen wurden, zur inneren Politik gezimmert wurde, zu schwach, oder die Wähler zu schwerfällig waren: Tatsache ist, daß diese die Brücke nicht betreten wollten, und dort, wo dies doch geschah, stürzte die Brücke ein und begrub den — Kandidaten unter sich. Das war, wie gesagt, der Grundfehler. Dann kamen noch einzelne Fehler in der Ausführung. Die Juden lieferten sich fast überall den radikalen Bauern aus, in der Hoffnung, daß diese ihnen in den Städten beispringen würden; die Bauern wurden mit Hilfe der jüdischen Stimmen gewählt, während die Bauern ihre Bundesgenossen im Stiche ließen. Das Höchste, was zu erreichen war, ist eine Erklärung der Bauerndeputierten des Kiewer Gouvernements, wonach diese sich verpflichteten, die Interessen der Juden in der Duma zu vertreten. Welcher Art eine solche Vertretung sein kann, läßt sich ja leicht voraussetzen. Ein eigenes, trauriges Kapital in der Geschichte dieser verlorenen Wahlschlacht bildet das Vorgehen der Allpolen und ihrer mosaischen Helfershelfer. Sie sind nicht anders als die Schlachzizen von Galizien und ihre jüdischen Knechte. Die unverfrorensten Drohungen mit Pogroms und wirtschaftlichem Boykott, waren die wirkungsvollen Mittel, mit denen die Juden eingeschüchtert wurden. Und die Polen mosaischer Konfession wurden nicht müde, den Allpolen in ihren Drohungen zu sekundieren, und die Juden von ihren „ separatistischen Bestrebungen" abzubringen. In solchem Widerstreite der verschiedenen persönlichen und Parteiinteressen, mußte das wehr- und schutzlose jüdische Interesse unterliegen! Und das ist das traurige Ergebnis des langen Kampfes! .. .. z. Z. WAßlBEWEGUNG In der Leopoldstadt I beabsichtigen die Deutschfortschrittlichen Herrn kais. Rat Jonas Weil als Kandidaten aufzustellen. Es wäre dies vorläufig der vierte jüdische Kandidat. Der Bürgermeister von Stanislau. Dr. Arthur Nim hin. der bereits dem Wahlmacher des Polenklubs, Dr. Glombinski, feierlich erklärt hatte, daß er diese für einen j ü d i s c h e n Abgeordneten bestimmte Stadt einem Polen überlassen werde, hat nun selbst auf das Mandat Appetit bekommen. Als Leibjude des Exministers und Bankgouverneurs Dr. von Bilinski ist er wohl mehr als jeder andere prädestiniert, mit dem Polenklub und dem Landsmannminister in nähere Berührung zu treten. Der gewesene Reichsratsabgeordnete Breiter bringt in seinem „Monitor" eine so pikante Charakteristik dieses galizischen Provinzbürgermeisters und seines, zusammengewürfelten Anhanges, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten möchten: „Der durch seine sehr langwierigen Urlaube bekannte Bürgermeister von Stanislau, Dr. Arthur, jüngst zum „Allpolen" vom Nationalrat ernannt, Ritter des Franz Josefs-Ordens und der Eisernen Krone, Verfasser des fiktiven Kanalisationsprogramms, Herr der Stadt ewiger Scharlach- und Wutkiankheit, der langjährige Pächter jungfräulicher Tugend, bemüht sich um eine neue Sinekure — diesmal um ein Reichsratsmandat, Daß der liebe Arthur leicht dieses Ziel erreichen wird, erscheint uns mehr als sicher. Seine ganze, erprobte Herde wird zum Kampfe ausrücken: Der langbeinige Eisig Weidenfeld, der asketische Pater Eiselt, der süße Propinationsrat Mundzio Ritter von „Ziegelsteuerdefraudant" Rauch, der bosnische Ex-Bezirkshauptmann und aktive Hofrat Prokopczyc u. s. w. Auch die Handwerker werden ihn unterstützen. Er tritt sehr warm auf Kongressen für die Hebung der Landesindustrie ein, bezieht aber seine Möbel aus — Wien; er sendet zum Leichenbegängnis des Magistratsbeamten Mühlen einen Kranz, kommt aber selbst nicht; er betätigt sich gern als Ehrenmitglied oder oder aktives Mitglied zahlreicher Vereine, nie aber als unterstützendes Mitglied; er ist skrupellos in der Einziehung der öffentlichen Steuern, fühlt aber selbst einen Widerwillen gegen Monatsbeiträge. Es lebe der zukünftige Reichsratsabgeordnete von Stanislau". Stanislau zählt ca. 4500 Wähler, davon 2550 Juden und 1930 Christen. Als Kandidaten stehen sich vorläufig gegenüber: der polnische Demokrat Stwiertni, der polnisch-„mosaische" Demokrat Dr. Nim hin und der Sozialist Dr. Seinfeld. Droliobycz ist einer jener sechs galizischen Wahlbezirke, die von der Regierung im Einvernehmen mit dem Polenklub jüdischen Abgeordneten reserviert wurden. Man höre nun — wenn einem beim Polenklub überhaupt noch etwas wundert. Diese industrielle Stadt mit einer jüdischen Majorität soll im nächsten Parlamente vertreten sein durch — Wladimir von l$o;zio wski, den konservativen Wortführer des Polenklubs, den Schlachcicen und Agrarier. So haben es bereits Koslowski und der Kultuspräsident