Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- IX (1907)
- Issue
- Heft 13 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Neue National-Zeitung« Seite 3 Angelegenheiten, was er z. B. durch seine namhafte Spende zur Errichtung des Jüdisch-theologischen Instituts und zuletzt durch seinen Eintritt in die „Geographische Kommission" der „Jüdisch-territorialistischen Organisation" (Ito) offenbarte. Trotz seiner Ernennung zum Handelsminister hat Oskar Strauß seine Ehrenstellen in den jüdischen Organisationen nicht niedergelegt. Die „Geographische Kommission" der Ito versieht ihre Arbeiten stets nach vorhergegangener Beratung mit ihrem hervorragenden Mitgliede, Oskar Strauß und auch das „Departement zur Regelung der Auswanderung", welches Israel Zangwill vor kurzem im Rahmen der territorialistischen Organisation etabliert hat, wurde nach den Intentionen des nunmehrigen amerikanischen Handelsministers errichtet. Oskar Strauß ist ein Typus jener überzeugten, unerschütterlichen Juden, die durch Rang und Stellung nicht geblendet werden und in keiner Lebenslage vergessen, daß sie der Menschheit nur dann ehrlichen Dienst zu leisten vermögen, wenn sie auch ihrem Volke treu bleiben. Eine Kultnraktion der „Israel itischen Allianz". Wir erhalten vom Vorstande der „I. A." nachstehende Zuschritt mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: „Der Vorstand der „Isr. Allianz zu Wien-' hat in Erwägung, daß sich die wirtschaftliche Lage unserer Glaubensgenossen in Galizien nicht zum wenigsten durch die Hebung des Kulturniveaus der breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung gedeihlicher gestalten könnte, si«h seit längerer Zeit mit der Frage der Förderung des jüdischen Schulwesens in diesem Lande unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse der konservativen jüdischen Kreise befaßt. Auf Grund verschiedener Berichte und Anregungen hat der Vorstand in der Plenarsitzung vom 30. Jänner d. J. im Prinzipe beschlossen, solche Schulen, die in vollem Maße das Vertrauen der religiös gesinnten jüdischen Bevölkerung genießen, zugleich aber den modernen Anforderungen entsprechen, nach Möglichkeit zu unterstützen, und den Vereinssekretär Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka ermächtigt, sich mit konservativen Rabbinern und Vertretern der in Betracht kommenden jüdischen Gemeinden in Galizien in Verbindung zu setzen, um in einer gemeinsamen Besprechung die Linie festzustellen, auf welcher sich die intendierte Aktion unter voller Zustimmung und ersprießlicher Mitwirkung der konservativen Bevölkerung bewegen könnte. Am 12. Februar fand zu diesem Zwecke eine En quete in Lemberg im Saale des dortigen Kultusrates statt. Es fanden sich aus religiös-konservativen Kreisen die Herren Rabbiner Braude aus Lemberg, Oberrabbinor Abraham Schnur aus Tarnow, Rabbiner Natan Lewin aus Rzeszow, Rabbiner Aron Lewin aus Sambor, M. Schmelkes aus Krakau, ferner die Rabbiner Dr. Caro und Dr. Guttmann aus Lemberg, Dr. Margulies aus Drohobycz und zahlreiche Vertreter galizischer Gemeinden ein. Die Versammlung wurde durch Herrn Emil von Mises als Obmannstellvertreter der Filiale der „Isr. Allianz" in Lemberg eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Lazar Bloch, Kultusvorsteher und Obmann der Allianzfiliale in Brody, zum Schriftführer Herr Rabbiner Dr. Margulies aus Drohobycz ernannt. Herr Rabbiner Dr. Kaminka legte in einem eingehenden Expose die Bestrebungen der „Isr. Allianz" dar und hob besonders hervor, daß es dem Verein gänzlich fern liege, in die religiöse Sphäre einzugreifen, und es sich hauptsächlich darum handle, in denjenigen weiten Kreisen Galiziens, wo außerordentliche Not und Armut herrschen, unter Gewährung aller für die Religiosität erforderlichen Garantien die moderne Schulbildung als wichtiges Mittel für den Kampf ums Dasein zu propagieren. Es sei auch nicht die Absicht der Allianz, selbständig Schulen zu begründen, sondern die an vielen Orten, auch in orthodoxen Kreisen sich zeigenden Bestrebungen, profanes Wissen zu erwerben, den hebräischen Unterricht zu modernisieren, auch in ein System zu bringen, durch praktische Fächer zu ergänzen, Handwerk und Gewerbe zu fördern usw., ihrerseits zu ermutigen und nach Tunlichkeit zu unterstützen. Der Vertreter der Kultusgemeinde Krakau, Herr Dr. Fischlowitz, richtete an die Konterenz eine schriftliche Eingabe, in welcher über die Gegenstände der Beratung (planmäßige Gestaltung des hebräischeu Unterrichtes, wo es an einem solchen fehlt, Schaffung einer Organisation, um nur approbierte, pädagogisch vorgebildete hebräische Lehrer und hygienisch zulässige Räumlichkeiten für die Cheders zuzulassen) ausführlich gesprochen wird. Im Eingange der Zuschrift heißt es: „Daß das hebräische Unterrichtsvvesen in den konservativen jüdischen Kreisen Galiziens, wie es gegenwärtig gestaltet ist. nach einer durchgreifenden Reform ruft, daß der Unterricht des Hebräischen und der damit, in Verbindung stehenden Fächer, wie es einem großen Teile unserer Jugend gegenwärtig geboten wird, allen rationellen Anforderungen geradezu Hohn spricht, daß das „Glieder" physisch und geistig verderblich wirkt, unterliegt keinem Zweifel. Und doch kann und darf" es nicht geleugnet werden, daß der weitaus größte Teil unseres konservativen Judentums hier zu Lande einer Reform auf diesem Gebiete noch immer mißtrauisch und feindlich begegnet. Hei Lösung dieser heiklen Frage muß daher mit besonderer Vorsicht und Geduld vorgegangen werden, aber gehandelt sollte werden, denn aussichtslos wäre nach meiner Ansicht diese Aktion .nicht und der hehre Zweck, um den es sich handelt, soll zu Versuchen anspornen". Herr Dr. Münk (Lemberg) befürwortete eingehend die geplante Aktion. Herr M. Schmelkes (Krakau beantragte, daß die Konferenz sich besonders mit der Verbesserung der Mädchenerziehung befasse. Herr Oberrabbiner Schnur erklärte namens der anwesenden orthodoxen Rabbiner, daß sie für die von der Allianz er griffene Initiative sehr dankbar wären, und bereit sind, an der Lösung der sehr schwierigen Probleme mitzuwirken. Sie seien aber in dieser Versammlung in zu geringer Anzahl, um bezüglich der einzelnen vorgelegten Fragen Beschlüsse fassen zu können. Herr Professor Dr. Herzel (Brody) beantr=gt, daß ein Fragebogen an jene Gemeinden in Galizien gesandt werde, in welchen keine geregelten Schulen bestehen, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Umfange ein profaner Unterricht dort eingeführt werden könnte; die Herren Rabbiner Dr. Margulies (Drohobycz» und Dr. Bau (Tarnow) erklärten, daß die Anregung der Allianz in ihren Gemeinden besonders fruchtbaren Boden finde, da dort Schulorganisationen, wie sie von der Allianz vorgeschlagen wurden, bereits in Bildung begriffen sind. Das Werk würde ganz sicher gelingen, wenn es mit Geduld und Energie angefaßt wird. Es wurde nun folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die versammelten Genieinderabbiner und die Vertreter der israelitischen Gemeinden nehmen dankend das Bestreben der „Israelitischen Allianz" entgegen, die ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung durch Hebung des Schulwesens unter Berücksichtigung konservativer Ansichten in der Wreise zu bessern, daß die dahin zielenden Bestrebungen zur Selbsthilfe durch