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Neue Nationalzeitung · 1907-03-01 · Heft 12 (1.3.1907) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
IX (1907)
Issue
Heft 12 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Nr/12 »Neue National-Zeitung« Seite 9 in der Lage ist, auch nur einen einzigen Führer der jüdisch-nationalen Bewegung namhaft zu machen, welcher jemals der deutsch-liberalen Partei angehört hätte. Hingegen kann ich einen Mann festnageln, der zuerst Sozialdemokrat, dann Demokrat und schließlich Stanczyk geworden ist. Es ist dies der Wiener Korrespondent des — „Czas." Unochi Deutsches Reich. Berlin. (Ende Februar.) Aus dem soeben erschienenen zweiten Jahresberichte der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" ist eine rührige und erfolgreiche Tätigkeit dieser jungen, wissenschaftlichen Vereinigung zu ersehen. Die Gesellschaft, die im Berichtsjahre 837 Mitglieder zählte, edierte mehrere jüdischwissenschattliche Werke, oder förderte die Herausgabe solcher Werke durch entsprechende Subventionen. Von den im abgelaufenen Jahre den Mitgliedern zu ermäßigten Preisen zugänglich gemachten Ausgaben der Gesellschaft erwähnen wir: „Das Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1906", H. Steintal: „Ueber Juden und Judentum"; Güdemann: „Jüdische Apologetik", S. A. Süß mann: „Die Tilgung der Judenschulden unter König Wenzel" u. m. a. Eine Uebersetzung der „Apologetik" Güdemanns. die als erster Band des „Grundrisses der Gesamtwissenschaft des Judentums" gedacht ist, ins Französische, wird von Herrn Rabbiner Debre, Professor am Rabbinerseminar in Paris, veranstaltet werden. Einen der nächsten Bände dieses „Grund risses" wird die „Jüdische Wirtschaftsgeschichte" von Dr. G. Caro-Zürich bilden. Von den subventionierten und demnächst erscheinenden Arbeiten dürften die von Prof. Dr. N. Müll er in Bearbeitung befindlichen „Katakomben- Forschungen in Korn" besonderes Interesse erwecken. Dr. N. Müller, Professor an der Berliner Universität, hat sich auf dem Gebiete der christlichen Katakombenforschung bereits einen großen Namen erworben. Seit 1883 beschäftigt sich der Gelehrte mit der Erforschung aller aus dem Altertum und der ersten Hälfte des Mittelalters stammenden jüdischen Begräbnisstätten Italiens. Berlin. Bei der hiesigen jüdischen Gemeinde sind seit zwei Jahren Kurse eingerichtet worden, die bezwecken, Seminaristinnen Gelegenheit zu bieten, sich auch in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichtes und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Dauer der Kurse, deren Besuch unentgeltlich ist, beträgt, entsprechend der Dauer des Seminarbesuches, bei vier Stunden wöchentlich drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit soll eine Abschlußprüfung stattfinden und über deren Ergebnis den Teilnehmerinnen ein Zeugnis ausgestellt werden. Der Besuch der Kurse ist auch geprüften Lehrerinnen gestattet. Der Unterricht findet Montag und Donnerstag nachmittags statt. Leiter der Kurse ist Rektor der Mädchenschule der hiesigen jüdischen Gemeinde, Dr. Gutmann. Großbritannien. London. (Orig.-Korresp.) Vorige Woche veranstaltete der Verein „Maccabaeans" einen Abend, der sich besonders durch die Anwesenheit hervorragender Persönlichkeiten des Londoner politischen Lebens auszeichnete. Die „Maccabaeans", aus deren Mitte schon oft der erste Schritt zu bedeutsamen Kundgebungen der jüdischen Moderne Londons erfolgte, hatte schon lange keinen so gemütlichen Abend wie der letzte, dem auch der Lordmayor von London, Sir William Treloar beiwohnte. Auf einen Toast des Vorsitzenden, Alderman Sir George Faudel-Philipps, der in einem Hoch auf dem Lordmayor ausklang, antwortete dieser mit einem recht launigen Speech. „Es gereicht mir zur Freude", sagte Sir Treloar, „heute bei Ihnen zu sein und zu sehen, mit welchem Enthusiasmus Sie auf mein Wohl tranken. Ich bin stolz darauf, von einer solchen Körperschaft, wie es die „Maccabaeans" sind, gefeiert zu werden. Es erscheint mir momentan ganz nebensächlich, wer eigentlich die alten Makkabäer waren, viel wichtiger ist es mir zu wissen, wer sie heute sind. Und wenn ich von den Makkabäern, die icli vor mir sehe, auf die alten schließen darf, so kann ich wohl sagen, daß sie wackere Männer waren". Am Schlüsse seiner Rede sagte der Lordmayor: „Ich habe vielen ähnlichen Zusammenkünften beigewohnt, aber die heutige rechne ich zu den angenehmsten, weil ich in den Komplimenten, die Sie mir machen, den Ausdruck der Achtung einer jüdischen und zwar von jüdischen Wünschen beseelten Korporation für meine Person erblicke. Ich zähle viele Juden zu meinen Freunden, Juden, die ich bewundere, schätze und liebe, und ich hoffe, mir noch viele neue Freunde unter den Juden zu erwerben." Erst jetzt langen authentische Berichte über die großen Schäden ein, welche das Erdbeben in J a m a i c a an jüdischem Gut und jüdischem Leben angerichtet hat. Aus Briefen, welche der Chief Rabbi Dr. Adler und der Chacham Dr. Gast er von dem Präsidenten der Kingstoner jüdischen Gemeinde Arthur S. Finzi und von einem hervorragenden Mitgliede der sefardischen Gemeinde. Jakob Mudahy erhielten, geht hervor, daß fast sämtliche öffentlichen Anstalten der Gemeinde, Synagoge, Versorgungshaus etc., zum Teile ganz eingestürzt, zum Teile aber so beschädigt sind, daß sie nicht mehr verwendet werden können. Viele Juden sind bei der Katastrophe ums Leben gekommen und noch mehr wurden schwer verletzt. Die Rabbiner Dr. Adler und Dr. Gast er veranstalten nun eine öffentliche Sammlung, um den vom Unglücke heimgesuchten Brüdern den Wiederaufbau ihrer Anstalten zu ermöglichen. Amerika. Xew-York, Mitte Februar. (Original-Korrespondenz). Dr. Schmarye Lewin, der gewesene Duma-Abgeordnete für Wilna, verließ Dienstag nach längerem Aufenthalte Nordamerika, um sich über Berlin nach Palästina zu begeben. Sonntag fand im „Großen Zentral-Palast" zu Ehren Dr. Lewins eine Massenversammlung statt, um ihm einen Abschiedsgruß zu entbieten. Tausende Juden hatten sich hier versammelt, in der Erwartung, Dr. Lewin werde bei dieser Gelegenheit nicht nur die Lage unserer russischen Brüder erörtern, sondern auch seine Beobachtungen über das amerikanische Judentum mitteilen. Das letztere traf auch zu. Dr. Lewin, der begeisterte Wortführer der jüdisch-nationalen Idee, sprach von den Eindrücken, die er nach dieser Richtung in Amerika empfangen hat. „Ich kam hieher, um zu sehen, ob sich der Zionismus im Lande der Freiheit entwickeln könne", begann Dr. Lewin seine Ausführungen. „Ich fand, daß er hier blühe. Ich fand, daß der Jude ein guter Amerikaner sein könne und gleichzeitig könne sein Herz warm schlagen für sein Heimatland. Es könnte auch gar nicht anders sein, wenn die Juden Palästina ihr eigen nennen würden. Sie wären sicher keine ärgeren Amerikaner, weil ein großer Teil ihrer Angehörigen in einem anderen Lande leben würde." Nach einigen Ausführungen über die Unterdrückung der Juden in Rußland setzte Dr. Lew in fort: „Sie haben ihren verfolgten Brüdern in Rußland eine sehr reichliche finanzielle Unterstützung zuteil werden lassen. Aber wir verlangen auch Ihre moralische Unterstützung. Wir kommen zu euch, um von den Lebensbedürfnissen unserer Juden zu sprechen; kommt auch ihr zu uns, um uns von der Freiheit zu erzählen." Dr. Lewin protestiert gegen die Behauptung des Baron Ginsberg, als ob die Juden keine eigene Nationalität hätten; 40 Millionen Volksgenossen erheben Widerspruch dagegen. Dr. Lewin schloß seine mit großem Beifall

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