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Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 19

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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weridigkeit von geographischer, geologischer und sonstiger naturwissenschaftlicher Bildung. Darüber handelte ausführlich seinerzeit das Breslauer Heft. Hier sei festgestellt: Die Juden haben die wirkliche Heimatliebe verloren. Die Palästinasehnsucht ist bis zum Auftreten des Zionismus und noch heute bei vielen Juden eine mehr von vielen historischen und religiösen Qefühlen abhängige Ideenwelt gewesen, als eine wirkliche erdnahe innige und einfache Beziehung zu Boden und Land. Und unsZionisten kann auch das stärkste Gefühl nicht darüber hinwegtäuschen, daß eine starke Erfüllung der Sehnsucht zum Land im Galuth nicht möglich ist. Die Rückkehr zur Natur hat sich bei vielen vollzogen. Sie ist ein Ergebnis der Jugendbewegung, des „Wanderbundes". Es hat sich bei vielen eine innige Verknüpfung mit dem Boden vollzogen, viele sind Landwirte geworden. (Die Berufsumschichtung ist nicht nur eine Folge der Notwendigkeiten des Aufbaust) All dies mußte für uns auf deutschem Boden und in deutscher Landschaft sich vollziehen. Der Einwand, der leider immer wieder auftaucht, man stärke die Assimilation, sei endgültig als einer Abwehr unwürdig aufgegeben, wir wissen, daß die letzte Heimatliebe, die letzte Verknüpfung mit dem Boden, wie sie in den Arbeiterbriefen von Gordon zum Ausdruck kommt, sich nur vollziehen kann aus einem unendlich starken Sinn für Natur: Die Pflege dieses Sinns vollziehen wir heute an der deutschen Landschaft, l'schanah habah biruscholajim. Und zur Landschaft gehören nicht nur Geographie und Geologie und Botanik und Zoologie, sondern es gehören zu ihr auch die Menschen, die darin leben und schaffen, und die Menschen die darin geschafft haben, es gehören zu ihr die Lebensgesetze der Bäume ebenso wie der Städte, die in ihr wurzeln und wachsen und sterben. Wir hatten das Glück, in einer Gegend zu weilen, in der in selten glücklicher Weise die Natur unseren Fragen zugänglich war und in unendlicher Mannigfaltigkeit eine innige Verwachsung von Mensehen- und Naturwerk der Vergangenheit und Gegenwart offenbarte. Der Verlauf der Fahrt nach Niedernhall ist schon in anderen Aufsätzen beschrieben. Hier bleibt noch übrig, von der Form des Zusammenseins bei der Fahrt zu sprechen. Ein langer, bunter, durcheinangewürfelter Zug bewegte sich langsam durch die Gegend. Von Zeit zu Zeit wurde an einem besonderen Punkte Halt gemacht, es folgte eine gemeinsame Betrachtung in vollkommener Muße und Zwanglosigkeit. Eine Durchmischung der Züge und Bünde fand statt So war eine persönliche Fühlungnahme der Menschen gegeben, wie sie auch an Bundestagen in ähnlicher Weise noch nicht erreicht war. Hier schlössen sich alle starken Züge und Bünde in intensiver Weise gegen außen ab. Von den Gründen hierfür soll abgesehen werden. Daß es jedoch in diesem Punkte in früheren Zeiten des Blau-Weiß anders gewesen ist und gerade aus dem lebendigen Zusammensein, das am Bundestag gegeben war, sehr starke Energien für die Arbeit von allen Menschen mit nach Hause genommen werden konnten, wissen alle, die zu diesen Zeiten schon im Bunde standen. Gerade die Hast, die mit der Zusammendrängung so vieler Ereignisse auf dem Bundestag verbunden ist, schließt jede Möglichkeit der Anknüpfung und Entwicklung 145

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