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Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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persönlicher Bindungen aus. Denn hierfür ist erste Voraussetzung Muße . und Ruhe, Befreiung von jedem Zwang einer Veranstaltung wie einer Leistung. Es steht noch aus die Begründung des Programmes wider den Einwand, es sei nicht „jüdisch" genug. Die Einwände, die in dieser Beziehung gemacht wurden, sind hageldicht gefallen. Es ist fast unbegreiflich, wie nach der Geschichte und Entwicklung der letzten Jahre, etwa seit dem Bundestag von Mühlberg, wo zum ersten Male überden „Stoff? gesprochen wurde, noch immer inso äußerlicher Weise Dinge der Erziehung aufgefaßt werden. Eine Verteidigung ist wahrlich nicht notwendig. Die Frage, ob diese Beschäftigung Assimilation bedeutet, ist unbedingt falsch gestellt, da das Wesen dieser Angelegenheit auf ganz anderer Ebene liegt. Merkwürdig genug ist das Gefühl, man habe gerade , heute, wo bereits in Palästina „das Leben schäumt", keinen Sinn mehr für „jüdische" Dinge. Es ist falsch zu glauben, daß der Trennungssfrich läuft zwischen der Auffassung des Wanderbundes und des Älteren - Bundes. Das Kernproblem liegt hier vielmehr sehr tief. Es handelt sich letzten Endes hier um einen Kampf um die Fahrt als die Grundlage des Gesamtbundes.*) Abwehr ist heute *) Es wird immer deutlicher, dass dar Kampf, der um den Blau-Weiss s-iner jüdischen Inhalte weer-^n geführt wurde, namentlich der Kampf der ewigen Apostel des Judentums, die nach Prunn den Bund verlafs-n haben, ein Kampf war gegen die innerste Form seines Lebens, gegen das Wandern, und ni ht ein Kampf um Inhalte der geistigen Bildung Wenn nicht anders wirddies klar in dem Schicksal, das die abgesplitterten Personen und Gruppen genommen haben. Es ist traurig, dass um dieses „Irrtums" willen sto viel Energien nutzlos verpulvsrt worden sind. unnötig, wehe der Zeit, wo sie nötig sein wird. Palästina steht heute im Mittelpunkt unseres Denkens. Auf allen unseren Zusammenkünften wollen wir von Palästina reden und hören. An diesem Gautage sollte Palästina an einer anderen Stelle seinen Platz haben wie sonst, nicht in der Führersitzung, sondern am Feuer. Da, wo das Leben in stärkster Zusammenfassung zum Ausdruck kommt, wo alle in gleicher Weise teil haben, nicht nur die Älteren. Palästina ist bei uns nicht ein Monopol des vernünftigen Denkens, es füllt das gesamte Leben aus, und es ist falsch, Palästina-Gedanken für die bloß nüchterne Betrachtung zu reservieren. Alles, was Angelegenheit des gesamten Bundes ist, muß seinen Platz erhalten vor dem breitesten Forum, das wir besitzen. Es ist niemand berechtigt und befähigt, hier ein Vorrecht zu besitzen, weder im Wissen, noch im Denken und Fühlen. Falsch ist die Angst vor einer Entweihung oder Vernichtung von Realitäten, wenn sie ein Gegenstand starker Gefühle werden. Jeder Junge, der Teil hat am Leben des Zuges, hat auch Teil und hat Recht auf das Glück und die Sorge um Palästina. So wurde in Forchtenberg zu allen von Palästina in seiner Wirklichkeit für uns bei der Eröffnung, bei der Kordelverleihung gesprochen. Es wurde am Feuer gesprochen von der Entstehung der Kolonie, von der Karlsruher Siedlung und von der Siedlung der Landwirte. Der Ort für Palästina mußte hier sein, wenn überhaupt ein angemessener Ort gefunden werden konnte. . Es sind hier die Mehrzahl der Gedanken entwickelt, die zu Forchtenberg geführt haben. Sie sind im 146

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