Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2425321-2425322-2425330--1403-2425668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

gab kaum einen Bundestag, der die Erwartungen der j ungen Menschen in vollem Maße erfüllt hat und es ist bis jetzt der Bundestag ausgeblieben, der in vollständig geschlossener Form ein Fest des gesamten Bundes gewesen ist. Man kann , heute fast als Naturgesetz aufstellen, daß alle Bundestage, die eine starke theoretische Förderung des Bundes in Führersitzungen und Aussprachen gehabt haben wie etwa Berlichingen und Prunn, nicht die Feste des Bundes gewesen sind. Viel stärker waren in diesem Sinne wirksam das Zeitlager in Hohenberg, das wohl den Höhepunkt dieses Bundeserlebens für sämtliche Menschen darstellt, oder, um „kleinere" Dinge zu nennen, das Konzert in Hausen. (Hier war nicht vom Ergebnis des Prunner Bundeslags die Rede, sondern vom Verlauf, der bis zur Stunde der Entscheidung alles andere als eine festliche Stimmung möglich machte). Es ist ein Widerspruch und eine Unmöglichkeit, vom Spielen erhitzt und innerlich •erregt, meist hungrig und müde, unmittelbar darauf innerste und tiefste Fragen des Lebens in der Führersitzung in voller Aktivität durchzudenken. Kein Führer eines Zuges, der wirklich mit seinen Jungen lebt, kann einen Augenblick seine Gedanken am Bundestag loslösen vom Leben seiner Jungen, und schon allein die Frage, ob die Zelte auf der Viehweide den Sturm überstehen werden, beeinflußt Verlauf und Ergebnis der Sitzung. Es muß hier immernoch unterschieden werden zwischen der Möglichketi .reifer Menschen, für Stunden ihren Geist zu abstrahieren vom Getriebe ■des Tages und zu konzentrieren auf eine Angelegenheit des Fenkens und solchen, die aufs tiefste ergriffen vom strömenden Leben nicht auf Kommando an andere Dinge denken können. Der Wanderbund Blau-Weiß ist in seinem Stamm nicht ein Bund reifer Menschen und kann und soll es nicht sein. Auf dieser Linie liegt, das alle „Nur"-Sitzungen des Bundes in viel stärkerer Weise eine wirkliche geistige Angelegenheit aller Aufnehmenden gewesen sind. Die Aussprache in Leipzig wäre nie auf einem Bundestag in ähnlicher Weise möglich gewesen. Hier wird eine Forderung deutlich, die im Programm von Forchtenberg gezogen war: Verzicht auf die Sitzung wie auf alles, was nicht den Zwecken des Wanderbundes dient. Und daß in Forchtenberg doch eine Sitzung stattgefunden hat, liegt in folgendem begründet: Die neue Form des Lebens des Wanderbundes war noch nicht überall durchgedrungen. Es zeigten dies die Widerstände, die das Programm von allen Seiten gefunden hat, und es war das Bedürfnis vorhanden, sich gerade in Forchtenberg darüber auszusprechen. Das Ergebnis war ein Sieg des Programmes auf der ganzen Linie; es war zugleich eine Bestätigung und theoretische Fundierung des Programmes. Soweit die „negativen" Grundlagen. Stand als Überschrift Stärkung des Wanderbundes fest, so waren in der Ausführung sehr große Schwierigkeiten vorhanden. Ziel war,.die Grundlagen des Wanderbundes, die Fahrt, wieder neu erleben zu lassen. Es ist" jedoch kaum möglich,' das Leben der Züge an Beispielen vorzuführen. Es können äußere Erscheinungsformen wahrgenommen werden, aber nicht mehr. Da war nur möglich, eine Seite der Fahrt vorzuführen: Das Erleben der Landschaft. Es sei hier ganz abgesehen von Wert und Not- 144

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.