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Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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machen wir Half. Der Obergang von Halde zu Ebene ist sehr jäh, die Talkante überaus scharf. Wir stehen gerade über der Ruine und blicken in den von mächtigen Mauern umschlossenen Hof. Das Gras an der obersten Kante ist ganz kurz und trocken, von wenig intensiver Farbe, während die Wiesen im Tal dunkelgrün heraufleuchten. # Der Boden ist ganz trocken, obwohl es viele Tage vorher geregnet hatte. Wir stehen auf Muschelkalkboden, genannt nach der Fülle von Versteinerungen, die in ihm enthalten sind. Das Wasser versickert auf der Höhe und kommt unten im Tale in starken Quellen zum Vorschein. Der Boden ist übersät mit den großen blaßgrauen Blüten der Küchenschelle (Anemone pulsatilla), die im Frühjahr eine Charakterpflanze der trockenen sonnigen Hügel mit Kalkuntergrund ist. Wir wandern weiter im Wald. Feuchter schwerer Boden ist hier, wenig Steine. Nach langem Suchen finden wir schließlich einen grauen Sandstein. Nichts ist mehr zu sehen von den weißen Muschelkalksteinen, wir suchen vergebens nach Versteinerungen, die im Tal und an der Haide so häufig zu finden waren. Wir treten aus dem Walde heraus. In weiter Ebene breiten sich die Felder aus. Ein kleines Dorf liegt eingebettet in eine flache Mulde. Und plötzlich' stehen wir yor einem mächtigen Tor. Das Wappen deutet auf das Geschlecht der von Hohenlohe. Eine kleine Brücke führt über den Graben, er ist noch voll Wasser wie ehedem. Und sehen stehen wir im Schloßhof. Ein mächtiger Giebel, bewehrt von runden Türmen, in einfachen Formen ragt er vor uns. Im Saale sollen noch Geweihe aus der Hohenstauffenzeit hängen. Einige Landsknechtlieder tönen, und baldziehen wir weiter. Ein Aufschluß neben der Straße zeigt uns unter dem Acker den braunen Löß in meterdicker Mächtigkeit. Mag er wohl vom Wind hier zusammengeweht sein, oder stellt er das Verwitterungsprodukt der unteren Schichten dar? An einem etwas erhöhten Punkt machen wir Halt. Weit in der Ferne steigt im Westen der Odenwald über die Ebene heraus und im Osten ragen, zum Greifen nahe, und doch einen Tagemarsch entfernt, die Waldenburger Berge, an ihrer Spitze die stolze Burg Truchsessen. Hier liegt die ganze Geschichte der Landschaft offen. Wir stehen auf der obersten Schicht des Muschelkalkes, die Schichten fallen nach Südwesten ein. Im Nordosten .erscheint im Buntsandstein des Odenwaldes die nächstuntere Schicht (das Liegende des Muschelkalkes), während im Südwesten die nächstjüngere Schicht im Keuper der Waldenburger Berge auftaucht. Und wir wissen: Jenseits der Tauber, also noch weiter im Südwesten, beginnt der Jura, die dem Keuper folgende Formation (das Hangende des Keupers). Oberaus deutlich wird die Geschichte des Landes. Zwei Tage vorher bei Vorbereitung der Fahrt, erlebten wir hier an dieser Stelie ein wunderbares Schauspie!. Es hatte in der Nacht in den höheren Lagen geschneit und wir sahen plötzlich die Waldenburger Berge von Schnee bedeckt über die blühenden Wiesen ragen wie eine ganz, andere Welt. Wir bewegen uns wieder vorwärts, in gerader Linie auf ein Dorf zu. Da plötzlich macht die Straße eine Wendung, vor uns ein jäher Abhang, wir stehen 150 m über dem Kocher. Das Tal steigt auf der anderen Seite ebenso 13>

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