Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 8 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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denn als sportliche Leistung zu werten. Anders ist es beim Völkerball oder Raffball, wo man mit wirklicher Spannung einige sehr schöne Spiele ansieht. Um solcheSpielesammeltsich oft eine große Schar von Menschen an, die mit Kennermiene und Bewunderung Fang, Wurf und Schuß verfolgen. Die Spiele werden auf dem großen sonnigen Feld ausgetragen, und so wogt die Menge zwischen Spielplatz und Festwiese hin und her. Hier ist man inzwischen auch nicht müßig. Im Hintergrund' haben Jungens eine Bühne aufgeschüttet und einen Zeltverschlag für das Theater aufgerichtet. In der Mitte des Platzes sind jetzt Stühle und Notenpulte aufgebaut. Immer mehr Neugierige sammeln sich darum; da kommt ein ganzer Zug, der mit dem Spielen fertig ist, und setzt sich vor sein Zelt. Die Köche nahen geschäftig mit dampfenden Töpfen. Jeder bekommt eine gute Kelle auf seinen Teller. „Froh zu sein bedarf man wenig, doch wer froh ist, der ist König--". Wie der Kanon verhallt ist, beginnen alle zu essen. Indessen nehmen auf den Stühlen Geiger, Bratscher und Cellisten Platz; sogar ein Contrabaß tritt in Erscheinung. Die Spiele sind zu Ende, und ein dichter Kreis schließt sich um das Orchester, das heut zum ersten Mal vor dem Berliner Bund spielen soll. Der Wind, unmusikalisch von Natur, blättert mitunter an falscher Stelle um oder wirft die Noten vom Stünder. Aber man kann sich ja die fehlenden Töne dazu denken; denn das Stück kennt man im Blau-Weiß: Es ist die „Kleine Nachtmusik". Die älteren Semester erinnern sich an den Bundestag von Hausen. Und nun das Theater: „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilcrn." Hinter dem Verschlag bereitet sich allem Anschein nach etwas vor. Man sieht ab und zu eine Feder, einen Turban darüber hervorlugen, bis nach einer kleinen Ouvertüre das ganze bunte Volk zu beiden Seiten hervorströmt, handelnd, schreiend und poussierend. Schminke, Bauch, Bart und Costüm verwirren und belustigen und schaffen jenen Abstand, der das Theater vom Publikum trennen muß. Doch still: da tritt Haman auf die Bühne und brütet Rache: „O, kochte nur wie hier erst Ahasverus Blut, „Da er ein König ist, ach, ist er viel zu gut!" Und da trippelt er selbst herein',, der närrische König; denn „gut" war sein Stichwort. — Nun schießt die Sonne schon schräge Strahlen, es wird kühl, und unsere Waldwiese Hegt ganz im Schatten. Da hören wir noch den Blau-Weißchor singen, dem man es nicht anmerkt, daß er erst wenige Wochen besteht. Nach dem Chorgesang zerstreut sichalles über den Platz, die Zelte werden abgebrochen, die Sachen gepackt, und gemeinsam ziehen die Züge und" Gruppen zum Blachfeld, auf dem der satte gelbe Schein der Spätnächmittagssonne liegt. Dort hockt alles im Kreise nieder und beginnt zu singen. Unser Festplatz liegt unten beruhigt im Dunkel, und die Sonne neigt sich langsam dem Untergang zu. Da erhebt sich der Führerschaftsleiter und ruft diejenigen in die Mitte des Kreises, denen heute die Kordel verliehen wird. Mit Handschlag nimmt er 50 Jungen und 15 Mädchen in den Berliner' Bund auf. Die Sonne ist. 122