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Blau-Weiss-Blätter · 1924-04-01 · 8 (4.1924) · page 37

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
8 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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N O T 1 Z E N Berliner Purimfahrt. Gestern war es noch trübe und kalt, ein freudloser Tag; aber heut ist alles in festlichen Sonnenschein getaucht, und der Himmel hat die kühle, ..durchsichtige Bläue des Frühlings. Auf der Landstraße vom Bahnhof Friedrichshagen zu unserm Festplatz drängt sich eine Kolonne nach der andern, unsere Züge und Gruppen, alle in stattlicher Anzahl und alle singend. Wir sind auch dabei und singen. Aber kaum haben wir eine Strophe geendet, so tönt es vor uns--- „und auf den leeren Fässern lag der Klosterknecht im Schlafe" und hinter uns „Wach auf! Du guter, Du braver — Du rüstiger Landstraßgesell!" So marschieren wir in einem Kreuzfeuer von Gesang, das wir entweder übertönen oder vor dem wir kapitulieren müssen. Wir wählen das letztere: „Dauerlauf, vorne anschließen!" Währenddes mustern wir die neuen Jungen, die heute zum ersten Mal mit sind. Der geübte Blick entscheidet bald, ob es „Dauerware" ist oder ob diese erste Fahrt auch ihre letzte ist. Die Erwartung des Festes verkürzt den Marsch. Der Festplatz ist eine Waldwiese, die nach einer Seite zu geöffnet ist und den Ausblick auf ein sanft ansteigendes Brachfeld gewährt. Vier mächtige Bäume, deren jetzt noch kahle Äste sich herrlich gegen den reinen Himmel abzeichnen, trennen sie von diesem. Wie wir ankommen, ist die Luft schon von fröhlichem Lärm erfüllt: „Zeltstäbe her!--Sind das alle Bahnen?"--Hier und da stehen schon Zelte, möglichst von der gewöhnlichen Form abweichend. Jeder Zug erhält seinen Platz angewiesen. Es wird ein Halbkreis von Zelten* werden, der sich zum Walde hin öffnet. Und immer kommen neue Züge und Gruppen. Viele habensich ein Lied aufgespart, das sie erst auf der Wiese zu Ende singen. Man sieht eine Menge neuer Gesichter, viele, denen man ansieht, daß sie beute zum ersten Mal auf Fahrt sind: die Keilarbeit hat schon iebhaft eingesetzt. Über 600 Menschen mögen im Ganzen anwesend sein. Die Züge machen einen etwas unförmigen Eindruck. Wie Erbsen, die eben beginnen zu quellen, haben sie ihre alle Form verloren und noch keine neue gefunden. Aber es ist nicht viel Zeit zu Betrachtungen! Trompetensignale rufen die Spielmannschaften zusammen, die in ihrem weißen Hemd und der dunklen Klufthose in der Mitte des Platzes antreten. Auf einem breiten, sonnigen Waldwege wird eine Stafette gelaufen. Diese Übung ist nicht sonderlich bei uns im Schwünge; deshalb ist der Lauf mehr als Bild 121

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