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Blau-Weiss-Blätter · 1924-04-01 · 8 (4.1924) · page 22

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
8 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Schicksal nicht wenden können, das durch eine allzulange Abschließung gegen die Kräfte, die von der Orientalistik und christlichen Theologie ausgingen, unheilvoll beschwert werden sollte. Die Entwicklung der (außerjüdischen) Bibelkritik hat nun trotz aller Widersprüche und Fehler im Einzelnen einen so glänzenden Verlauf genommen, daß jemand, der wirklich die Wahrheit sucht, an ihren Ergebnissen keineswegs vorübergehen kann. Das Fehlen einer innig bejahenden Vertrautheit aber mit der Tiefe des jüdischen Wissens, der dogmatische Trennungsstrich, der zwischen Bibel und nachbiblischem Judentum namentlich von protestantischen Theologen nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für ihr persönliches Interesse und Vermögen gezogen wird, die christliche Frömmigkeit endlich, die vom Glauben an Jesus Christus den Gang der Untersuchung mitbestimmen läßt (Wellhausen, Duhm etc.), gewichtige Gründe, die sich vermehren ließen, sind es, die auch die Mehrzahl der christlichen Forschungen für uns nur zur bedingten Lektüre machen. Was nun von geschichtlichen Versuchen im Osten, wo die Tradition des alten Volkstums bis in die jüngste Zeit hinein nicht abgebrochen ist, allgemeine Beachtung verdient, verfügt nicht über das tiefere Verständnis der westlichen Fragestellung und weist nicht die Größe des Formats auf, das man von einer Geschichtsschreibung erwartet, welche die Gegenwart immer neu befruchten soll. Schließlich ist auch die geistumbildende Wirkung, die der Zionismus entfaltet, noch nicht von jener zeugenden Macht, damit ein Werk entstehen kann, in dem aus der Erneuerung des Volksbewußtseins heraus die Fäden der geschichtlichen Entwicklung bloßgelegt und zu einem dauerhaften und prachtvollen Gewebe neu vereinigt werden. So befinden wir uns in einer durchaus unbefriedigenden Lage: Standard Works treten uns kaum entgegen; Forscher zu sein, ist keine allgemeine und ist vor allem nicht unsere Aufgabe. Überall müssen wir mit Arbeiten vorlieb nehmen, die, ob sie nun gründlich sind oder nicht, jedenfalls nicht immer modern sind, d. h. den eigentlichen Bedürfnissen unserer geistigen Situation nicht entsprechen. Wir sehen uns zumeist auf Spezialarbeiten und für die biblische Zeit besonders auf die kritischen Werke der christlichen Forschung angewiesen. Max Weber, der sich als Laie, aber als sehr geistvoller und geschulter Laie die Kenntnis der alttestamentlichen Kritik erworben hat, gibt eine Übersicht ihrer Ergebnisse in einer so ausgezeichnet treffsicheren Anmerkung an der Spitze seiner religionssoziologischen Aufsätze über das antike Judentum, daß ihm hier stellenweise gefolgt werden kann. Mehrere Buchangaben für die neuere Zeit stammen von Sombart. Daß Geschichte hier in ihrem weiteren Begriff verstanden wird, also das gesamte kulturelle Leben des Volkes umfaßt, versteht sich bei unserer Auffassung von Geschichte und bei der Einzigartigkeit der jüdischen von selbst. I. Geschichte des jüdischen Volkes, a) "Gesamtwerke. Heinrich Graetz, Geschichte der Juden, 11 Bände. (Dreibündige Volksausgabe weniger brauchbar.) 106

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