Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 8 (4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dramas, hier idyllische Kleinmalerei. Der Josefsgeschichte ähnelt dem Stil nach das Buch Ruth, aber nicht nur des idyllischen und glücklich ausklingenden Inhalts wegen. Das Buch Esther, das einen glücklichen Ausklang ebenfalls besitzt, zeigt eine ganz aridere Schreibart; es ist rein äußerlich durch seinen aramöisierenden Sprachcharakter zu unterscheiden; außerdem besitzt es die Kunst der Dramatisierung nicht; die Rede überhaupt tritt zurück; die indirekte Rede dringt ein, und wo die direkte stehen bleibt, ist sie undramatisch geworden und bedeutet vielfach nur Inhaltsangabe dessen, was der Leser sich als wirklich gesprochen vorstellen soll. Die Rede ist wortreich und wiederholt vieles der Deutlichkeit halber; das Buch Ruth, geschweige die Jehu- .geschichte, ist mit Worten viel sparsamer. Die Mannigfaltigkeit der Stile allein in Bereschith läßt sich hier nicht «inmal andeuten. Selbst nicht die Forscher, geschweige denn wir, die nur hier und da ■ein paar Stunden ein paar Bibelseiten lesen, sind imstande, eine sichere Einteilung und Sonderung der Bibel-Prosastile durchzuführen. Schon im Versuch und nur im Versuch, immer mehr und feinere Redeströmungen aufzuspüren, liegt das für uns fruchtbare. Denn ein Irrtum wäre es, solche Gesichtspunkte wie die hier bezeichneten •als Fachsimpeleien abzutun, die die Bibel in eine kleinliche Sphäre herabzerren. Es ist ein Irrtum; denn in dem Wortfall der biblischen Rede, um deren richtiges Hören wir uns bemühen, spricht und atmet das Volk, das Land, die Zeit. Der blos zu übersetzende Text aber bleibt stumm und starr wie eine Versteinerung. IV. Wenn man, immer dem lebendigen Fluß der Rede aufmerksam folgend, «inen längeren Abschnitt der Bibel, zum Beispiel Bereschith, in einem Zuge zu lesen versucht (Bereschith kann man bei einiger Vertrautheit mit der Sprache in 3—4 Stunden ohne Hast durchgelesen haben), dann kommt man fcald ins Stocken und beginnt den Kontakt mit dem, was man liest, zu verlieren. Wir empfangen nicht den Eindruck einer zusammenhängenden Darstellung, sondern es ist so, daß ein Abschnitt gleichsam den anderen nicht kennt. Diese Zerrissenheit hat schon Raschi empfunden; sie fordert eine Erklärung. Das thoratreue Judentum fragt nicht nach der Geschichte der Bibel. "Wo die Bibel einer Erklärung bedarf, zeigt sich nach der orthodoxen Meinung ■die göttliche Weisheit, aus der die Bibel geschaffen ist, ebensosehr wie an <len verständlichen Stellen der Bibel. Es steht von vornherein außer Zweifel, daß auch die unverständliche Bibelstelle einen Sinn hat; so bildet sich von selber die Lehre von der geheimen, der höheren Bedeutung des Bibelworts. Der P'schat, die einfache Worterklärung, reicht zum Verständnis der Bibel nicht hin; also muß das Wort des T'nach auch Andeutung, Allegorie und Geheimnis sein: Remes (Andeutung), D'rusch (= Midrasch) und Sod 95