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Blau-Weiss-Blätter · 1924-04-01 · 8 (4.1924) · page 9

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
8 (4.1924)
Date
1924-04-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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II. Ps. 137. Dieselbe deutliche Schlichtheit der Worte und Bilder. Metrum meist ziemlich klar nach dem Schema: . tidbäk I* schon! l'chikk! // im 16 eskenichi. Kompliziertere Syntax, Gebrauch des Relativsatzes mit „sehe", sogar geschachtelt {v. 8), des verkürzten Infinitivsatzes (v. 1 besochrenu et zion). Chiastische Stellung von v. 5, 6. Spärlicher und sehr freier, individueller Gebrauch des Parallelismus (v. 3, v 5+6, v. 8 + 9). Mir scheint, dÄß auf diesem Psalm eine größere Gedankenschwere lastet als auf der Davidsklage. HI. Psalm 18. (II. Sam. 22.) In allem das Gegenteil der vorigen Gedichte. Mächtiger Schwall ganz übertragener Bilder (v. 3: Herr, mein Fels, meine Burg und mein Retter). Drei- bis vierfache Parallelismen. Häufige Wiederholungen desselben Gedankens im Lauf des langen Gedichts. Fehlen konkreter Beziehungen zu Ort und Tat (In der Davidsklage: „Meldet es nicht in Gath, sonst lachen die Philisterfratien". Ps. 137: „Wir saßen im Stromland Babel, an die Weiden dort hängten wir die Harfen". Im Ps. 18 dagegen: „Die Stricke der Unterwelt fesseln mich" oder: „Ich preise Dich, Herr, unter den Völkern). Metrum meist ohne weiteres nach dem Schema v. 6: chevle scheol ssewawuni // kidmuni moksche maweth. Kurze bisweilen chiastisch gestellte Sötze; höchste Erregung in der Sprache. VI. Jes. c. 1, v. 2 — 9. Die Davidsklage wirkt dagegen wie eine Solovioline neben einem großen Orchester. Der Parallelismus wird zur chiastischen Antithese verdoppelt (v. 3): Die Syntax, obgleich arm an Nebensätzen, wird durch den schnellen, elastischen Wechsel der Konstruktion kompliziert (v. 5: vgl. auch Jes. c. 10 v.'2). Die Bilder sind über die Wirklichkeit erhöht, aber ohne mit ihr den engsten Zusammenhalt zu verlieren (z. B. „Euer Land vor euern Augen — Fremde essen es"). Der Gedanke des Anfangs wird anschaulich und übersichtlich fortgeführt und verwandelt. Diese Bilder, Antithesen und mächtig sich steigernden Wiederholungen werden in einem Tonfall gesprochen oder gerufen, der seine Wucht selber zu kennen scheint. Hebräisch klingt gelesen fast immer schön; bei Jesaia aber hat man gegenüber den ersten Beispielen das Gefühl eines gesteigerten Klangbewußtseins der Sprache; als ob die Vokale und Konsonanten ein Leben für sich allein hätten. V. Das Hohelied. Es sei hier nur zur Erinnerung genannt. Ich wage keine Analyse. Daß diese unbegreifliche Verbindung von Wort und Tanz mit keinem anderen Stück der Bibel sich vergleichen läßt, ist so >leutlich. 93

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