Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 7 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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erst nach längerer Zeit und nach im Einzelnen aufgebrachter Mühe fruchtbringend sein können. In jedem Fall muß jetzt eine enge Fühlung mit der zionistischen Organisation geschaffen werden. Die Mitarbeit in der Leitung der Organisation und in den Ortsgruppen der zionistischen Vereinigung für Deutschland wird in Zukunft zum Aufgabenkreis der älteren Blau-Weißen gehören. Eine Auseinandersetzung über die Prägen, die mit der Forderung politischer Aktivität des Blau-Weiß innerhalb der zionistischen Organisation aufgewogen sind, fand nicht statt; die Tagung wurde mit dieser Rede beendet. Am späteren Abend fand man sich noch einmal im gleichen Raum, in dem die so sehr bewegte und durchaus bedeutungsvolle Tagung stattgefunden hatte, zu musikalischem Beisammensein ein. Und gegen Mitternacht hatte die Mehrzahl aller Blau-Weißen bereits die Stadt verlassen, dem Gebirge zu: Allseits begann die Winterfahrt! VI. Man war nach Leipzig vielleicht nicht in einer allzu starken Überzeugung von der Notwendigkeit einer Tagung gekommen. Wenn man aber heute im •Rückblick auf sie Verlauf und Ergebnis in das Bild des Entwicklungsganges unseres Bundes einordnen will, ist der dominierende Gedanke sicherlich der einer freudigen Feststellung des Lebens, das in den Aussprachen sich wieder Bahn gebrochen hat. Nach drei Fronten hin steht der Blau-Weiß heute vor einer Fülle von neu geschehenen und empfundenen Aufgaben. Die Erneuerung des Wanderbundes als die stärkste Forderung mag zuerst genannt sein. Alle Formen und das in ihnen pulsierende Leben das einzelnen müssen sich klarer ausgestalten und mit verjüngten Kräften an die NeugTÜndung des Wanderbundes gehen. Keine unserer Formen ist gesichert, wenn sie nicht immer wieder in den Kampf gestellt werden, um sich neu zu bewähren. Nur ein Wanderbund, der im ständigen Kampfe mit sich selbst stehen wird, ist gut. Immer neu muß die Fahrt als Ausdruck unseres gemeinsamen Lebeus entdeckt, muß sie frei von Zwecken — in ihren eigenen Oesetzmäßigkeiten erkannt werden, in ihrer Bestimmung von Führer und Zug. Jeder Zug muß sich wieder seine Lieder erobern; nichts kann als Besitz betrachtet werden. Keine frühere Auseinandersetzung mit dem ostjüdischen oder hebräischen Lied ist gültig; wenn sie nicht immer wieder im Kampfe erneut wird. Überhaupt gibt es für den Wanderbund keine Fixierungen seines Daseins; alle Auseinandersetzungen, die die ältere Führergeneration bewegt haben, müssen, wenn sie Sinn für die Neuen und die Jungen haben sollen, neu erlebt und neu geführt werden. Stärker wird Recht, Pflicht und Einfluß an diese jüngeren Menschen der Zöge gelangen, will der Wanderbund wieder stark und von neuem Leben erfüllt sein. Daneben kann es keine Anpassungen an die Umwelt geben, in denen sich etwa das Beste verlieren könnte. Es muß die Tendenz zum Einfachen und Bescheidenen wieder deutlich werden und eine Abgrenzung in Kleidung und Lebensformen schaffen. Das Wort von einer „Revolutionierung des Wanderbundes", das in Leipzig ertönte, wartet auf Verwirklichung! Inzwischen sind Älterenbünde in Breslau, Wien und Berlin entstanden. Noch sind sie zu jung, als daß man sie in ihren Realitäten und in den 62