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Blau-Weiss-Blätter · 1924-02-01 · 7 (2.1924) · page 20

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
7 (2.1924)
Date
1924-02-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Zur wirksameren Erledigung der laufenden Bundesaufgaben sei die Verwaltung des Bundes neu gegliedert worden. Die Neuregelung der Beamtenchaft des Bundes solle einen Stab von zuverlässigen Menschen für die Verwaltung des Blau-Weiß schaffen. Verläßlichkeit sei die Voraussetzung jeder Tätigkeit, hier wie iu Palästina; an ihr mangelt es noch sehr. Den Arbeitsbericht des Werberessorts erstattete Erich Cahn, den des Überweisungsressorts Hans Kaufmann. Am Abend sprach Walter Moses über die politische Lage. Auf einer Tagung des Blau-Weiß müsse man stets über zwei Themen sprechen: Einmal sei die Situation in Palästina zu prüfen und dann die Lage der zionistischen Organisation zu untersuchen. Eine genaue und wesentlich neue Berichterstattung über die palästinensische Situation sei nicht möglich, weil keiner unserer Menschen in letzter Zeit in Palästina gewesen und keiner unserer dortigen Freunde in Leipzig anwesend sei. Dagegen sei man in der Lage, eine ausführliche Darstellung der Verhältnisse in der deutschen Organisation zu geben. Vor dem Kriege gab es in Deutschland eine zionistische Bewegung, die starkes Leben hatte und bedeutenden Einfluß auf die Weltorganisation besaß. Die heutige Situation der deutschen Landsmannschaft Ist völlig verändert. „Woher", so muß man nun fragen, „woher kommt es, daß die zionistischen Ortsgruppen ohne Leben sind?" Der westliche Zionismus beruht auf einer willentlichen Entscheidung; diese Entscheidung bedeute für den Einzelnen ungeheuer viel. Der östliche Zionismus ist die direkte Fortsetzung einer bestimmten Entwicklung, zu der die gefühlsmäßige Einstellung eigentlich immer vorhanden war. Hier war es die ältere Generation, die zum Zionismus kam, während die jüngere in der Assimilation unterging. Im Westen dagegen hat gerade die jüngere Generation sich zum Zionismus entschieden. Vor dem Kriege bestimmte eine solche Herkunft vom Geist den ganzen westlichen Zionismus. Es gab wirkliches geistiges Leben und die Frage der persönlichen Entscheidung wurde viel ernster alaheute genommen. Die Situation nach dem Kriege ist verändert: Die Balfour-Deklaration ist für die zionistische Organisation nicht durchaus ein Glück gewesen. Äußere Erfolge erzeugen leicht eine Erschlaffung und ein Erlahmen der ursprünglichen Kräfte. So hat auch die Balfour-Deklaration nicht befruchtend gewirkt: es hat sich keine Wandlung zum Besseren vollzogen, die notwendig gewesen wäre, um dieser Erklärung einen bleibenden Erfolg zu sichern. Die zionistische Organisation hätte ein neuer Strom von Kräften durchrauschen müssen, der jeden einzelnen Zionisten und jede Ortsgruppe belebt und ihnen praktische Aufgaben im Aufbauwerk gewiesen hätte. Statt dessen hat man auf der ersten Konferenz nach dem Kriege in London 1920, den Kerenhajessod gegründet: Einen allgemeinen, aber auch unpersönlichen Fonds. Die damals aufgestellte Summe ist nicht annähernd erreicht worden. Trotzdem könne man nicht den Keren-hajcssod als Mißerfolg bezeichnen. Er würde sicherlich noch ausgebaut werden und einen bestimmten Teil der Finanzierung des Aufbaues sichern. Als alleiniges Instrument der Finanzierung komme er aber nicht in Frage. Der freien Privatinitiative falte in Palästina ebenfalls nicht die bestimmende Rolle zu. Die Mobilisierung wirtschaftlicher Energien der Nation sei nur möglich auf Grund eines starken zionistisch-aktiven Interesses. Palästina 60

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