Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 7 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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werden selbstzufrieden und verliere» jene besondere Kraft, die sich nur im Bunde erfülle« kann. Zwar sei Beruf die zentrale Seite des einzelnen, aber nicht ausschließliche Quelle seiner Aktivität. Stärker als Beruf und Studium bestimmt unsere Menschen die Verbindung zu einem „Stand" selbständiger und verantwortungsvoll tätiger Persönlichkeiten. Die Selbständigkeit unserer älteren Menschen könne aber nicht nur von außen gefordert werden; vielmehr bedürfen alle älteren Menschen solcher Selbständigkeit der Person und des Gedankens um ihrer selbst willen. Auch der Zionismus rücke für ältere Menschen in neue Beleuchtung und werde in der Erfassung seiner Probleme zum vornehmsten Gegenstand der Erziehung innerhalb des Älterenbundes. An die Stelle ausschließlich erlebnishafter Hingabe an die Kräfte eines erneuerten jüdischen Lebens trete'das Bewußtsein des zionistischen Gedankens. Und die aus ihm sich folgende Kette tagtäglicher Aufgaben werde einzig und allein den Tätigkeitsdrang unserer älteren Menschen zu befriedigen vermögen. Bisher waren nur „Funktionen" bekannt, die von Zug und Wanderbund gegeben waren und hier sich auswirkten. Sie haben sich umsomehr in ihrem Reichtum und in ihrem bildend-beglückenden Wert gezeigt, desto weniger sie rational zu erfassen und auszuführen waren. Ältere Menschen bedürfen dagegen eines klar umrissenen und in seiner ganzen Ausdehnung zu übersehenden Aufgabenkreises. So ständen in diesem Entwicklungsstadium des Bundes die Bedürfnisse der einzelnen Menschen in lebendigem Einklang mit den Sorgen und Notwendigkeiten des Bundes. Zu politischer Verantwortung und Aktivität zu gelangen, bedeute für unsere älteren Menschen über die Besonderheit ihres Berufs hinaus die Erweiterung ihres menschlich-geistigen Horizonts ins Allgemeine. Wenn nun das Gebäude des Älterenbundes aufgeführt sein würde, dann wären für den Zionismus voll verantwortliche Generationen vorhanden, die heute fehlen und es dem Blau-Weiß zur Pflicht machen, zum aktiven Mitträger der zionistischen Aufgabe zu werden. Diese Forderung sei für den einzelnen ebenso notwendig wie für den gesamten Bund. Von den praktischen Einzelheiten einer solchen Erziehungsarbeit der Älteren ließe sich als Aufgabe nur andeuten die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit der Gegenwart, einer Erkenntnis des gegenwärtigen gesellschaftlichen und staatlichen Lebens. Es gilt, rechte Urteilsmöglichkeiten und damit eine Grundlage zu politischer Reife zu gewinnen. Das Leben der Umwelt ist dem Blau-Weiß-Leben absolut entgegengesetzt Auch der Blau-Weiß kennt einen Wettkampf der Menschen; geführt wird er aber stets um den inneren Rang. Das öffentliche Leben, in dem man sich politisch zu erproben habe, ist von dem gänzlich andersartigen Wettkampf ums Brot und den äußeren Vorteil bestimmt. Man dürfe nicht länger mehr vor aller Erfahrung schlechthin verurteilen. Um sich die Möglichkeit zu eigner, vorurteilsfreier Erfahrung zu sichern, habe man gegenwärtige und vergangene Kräfte zu erkennen, habe man Geschichte zu lernen. Man muß erfahren, wie Menschen in dieser oder jener Lebenslage gehandelt haben, nicht um daraus zu lernen, wie man sich selbst verhalten könne, sondern um die Notwendigkeiten des öffentlichen Lebens zu verstehen. 57