Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 7 (2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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auch jüngere Menschen wieder zur Führung kommen und eine starke Erweiterung des Bundes möglich werde. Denn gerade beim Gewahrwerden der größeren politischen Aufgaben empfinde man die quantitative Schwäche des Unterbaues noch stärker als bislang. Deshalb müßte neben einem starken und verjüngten Wanderbund der neue Älterenbund entstehen; die größeren Aufgaben des Bundes zwingen den Blauweiß zu diesen Konsequenzen. Die Fragen, die sich im Problem des Wanderbundes und der Forderung des Älterenbundes einen, finden ihre Ergänzung durch die Pflichten zur politischen Aufgabe, auf deren Bedeutung im wesentlichen die Rede von Walter Moses einging. Der Wanderbund sei immer von einer tragenden Generation bestimmt worden, aber der heutige Wanderbund kenne diese dominierende Stellung einer jüngeren Schicht von Menschen nicht mehr. Die Maßstäbe der Züge seien bestimmt von der Vorstellung des Großzuges, der einmal ein wirklicher Ausdruck des Bundeslebens gewesen sei. Heute aber muß man zu einfacheren und bescheideneren Zügen zurückkehren. Die Teilung in Wanderbund und Älterenbund sei vom seelischen Zustand der Menschen, besonders aber vom Bedürfnis stärkster Geltung und Leistung nach außen her eine Notwendigkeit. Habe man früher lange Zeit Politik als ein notwendiges Übel im Blauweiß angesehen, so sei die Forderung des politischen Menschen heute eine klare Erkenntnis, und sei sogar bereits mehr als rationale Einsicht, nämlich die Sehnsucht der älteren Menschen des Blauweiß geworden. Das politische Leben eines größeren Kreises von Menschen sei früher nicht denkbar gewesen; denn Politik y. ar nur Angelegenheit der Führenden gewesen. Am Beispiel der zionistischen Bewegung ließe sich zeigen, wie nur eine kleine Gruppe die politisch-aktiven Kräfte repräsentiere; der letzte Kongreß hätte am deutlichsten offenbart, wie es im Grund keine eigentliche politische Bewegung, sondern nur eine von den Führern bestimmte Masse gäbe. Politik in unserem Sinne bedeute die Produktivierung und Geltendmachung aller Kräfte, die sich auf die Anteilnahme am Volksganzen und die_GestaItung des'Staates richten. Der moderne Staat beansprucht die Kräfte seiner Menschen, ohne die Menschen seelisch zu erfassen; hierin Hege der Kern seiner Krisis. Nur das tiefe Ergriffensein des Individuums von der Idee des Staates befreie in ihm die gestaltenden Kräfte und nur diese Befreiung der schöpferischen Kräfte kann das Gelingen einer politischen Aufgabe sichern. Die Älterenbünde sollen die Menschen, stärker als der Wanderbund es je vermöchte, dazu erziehen, den Ort für die Betätigung der ihnen adäquaten Neigungen zu finden. Die heutige Entwicklungsstufe der älteren Menschen im Blauweiß entspricht nicht dieser Aufgabe. Erst der durchgeformte Bund, der sich neu zu bilden habe, könne die Älteren zur Inangriffnahme der politischen Aulgaben befähigen, könne ihnen die Möglichkeiten geben, ihre zionistischen Pflichten zweckentsprechend zu erfüllen. Im Rahmen der zionistischen Bewegung umfasse die Organisation als Träger des Aufbaues die eine Seite der Aufgabe, deren andere die.1 Palästinaarbeit selbst ist. Es kann keine Auswertung der einen Aufgabenseite gegen die andere geben, weil beide abhängig von einander sind. Die Lösung beider Seiten der gleichen Aufgabe aber sei abhängig davon, ob es gelingen wird, alle die Kräfte, die heute latent sind, 50