Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 6 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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quenzen für die Geschlossenheit und . Wohlfart der Nation bemerken, erscheint uns als unerlaubter Obergriff, besser als Symptom einer Erkrankung des gesamten Volkskörpers. Aber wir empfinden hier ein Problem. Es ist untunlich, so meinen wir, daß ein modernes Staatswesen, als solches ohne die breite Entfaltung und die betonte Vorherrschaft der Wirtschaft im kulturellen Leben nicht denkbar, mit irgend einer Vergewaltigung der Wirtschaft spielt. Politische Ideen und ökonomische Interessen müssen, so schließen wir die Gedankenreihe, miteinanderverknüpitsein, um die Gesundheit eines nationalen Lebens in unsferer Zeit zu gewährleisten. Die Heftigkeit, mit der Valentin einen entgegengesetzten Standpunkt verficht, wird dem Kundigen als Reaktion gegen die ebenfalls, unfundierte merkantilistische Geschichtsschreibung verständlich sein. Wir sind nicht mehr mit Sombart der Meinung, daß der aus aller historischen Verknüpfung isolierte „moderne Kapitalismus durch das Mittel der kolonialen Expansion zur Blüte gelangt" (Juden und Wirtschaftsleben. Aufl. 1920, S. 30). Aber es ist auch verständlich, das Arlosoroff in seiner neuen Arbeit (Kolonisationsfinanzen der Jewish Agency) vom sozialistisch-ökonomischen Standpunkt aus zu einer fast vernichtenden Kritik des Buches von Valentin kommt. Die Anpassung der Kolow nisationsformen an ein bestimmtes Stadium der weltwirtschaftlichen und sozialen Entwicklung steht im Mittelpunkt seines Interesses, das von Valentin nicht im geringsten befriedigt wird Daher bemüht sich Arlosoroff, wenigstens einige Streiflichter auf die Entwicklung der Kolonisation zu werfen, die noch wenig erforschte und von Valentin mit Unrecht im Dunkel gelassene Bezirke aufleuchten lassen. Die dogmatische Vermutung aber, daß soziale und wirtschaftliche Krälte „hinter der Kolonialbewegung wirken nnd ihre V/ege und Ziele bestimmen" (a. a. O. S. 94) entspricht einer historischen Theorie, die der Geschichte und der Bedeutung des Volkstums in ihr nicht gerecht werden kann. Der Materalismus ist nicht das Prinzip aller Geschichte. Umgekehrt kann das Nationale nicht Wirtschaftliches ausschließen, sondern muß es in sich begreifen. Erst von einem solchen gereinigten Begriff aus wird man Valentin zustimmen, daß die Kolonisation „als letzter Gradmesser nationaler Kraft und nationalen Selbstbewußtseins angesehen werden kann". Wenn wir zu lesen verstehen, so liegt hierin mehr als eine Erkenntnis! Stendhal. Der Seitenblick, der am Bundestag von Hohenberg vom Zentrum einer wohlbegründeten Bildungsansicht aus auf den französischen Roman des 19. Jahrhunderts fiel, mußte natürlich auch den Namen Stendhals streifen. Ist es doch gerade Henri Beyle gewesen, der — unter dem offenbar Winckelmanns Geburtsstadt entlehnten Pseudonym — nicht nur zeitlich zwischen der psychologischen Kunst des sterbenden Rokoko und der klassizistischen Forderung des Empire vermittelte, sondern um seiner 33