Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 6 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bund, der als festgefügtes und verpflichtendes Gebilde am Widerstand gegen außen und in der Ausreifung des Prunner Bildes entstanden war, konnte in Hohenberg zum ersten Mal die Einigkeit und Reinheit an den Tag legen, die so lange nur Wunsch gewesen war. Die Hauptbünde sind zwar noch immer die Brennpunkte des Lebens, aber eines Lebens, dessen Maßstäbe auch die eines jeden Bundes in der Provinz geworden sind. Die Bünde sind in der Zwischenzeit fast sämtlich stark gewachsen. Es ist kein Verdienst, aber ein folgenschweres Ereignis, daß unsere Menschen älter geworden sind und daß der Bundestag zum ersten Mal eine ganze Schar von Achtzehnjährigen und Zwanzigjährigen gesehen hat. Es soll nicht geleugnet werden, daß damit zugleich auch neue Probleme aufgeworfen werden. Mögen Menschen mehr beschaulich oder mehr aktiv sein, wenn sie älter werden, dürfen sie nicht mehr zu den Ergriffenen gehören, sondern gehören zu den Ergreifenden. Mangel an Funktionen muß geradezu schädlich auf sie wirken, und so ist es gerade von den Besten und Tätigsten aus zu beklagen, daß der Bundestag von Hohenberg ihnen keine Gelegenheit zur Mitgestaltung gegeben hat. In Prunn hatte.ein Stamm von Menschen, eine durch mehrere Bünde hindurchgehende Generation, durch die Stärke ihres Bewußtseins von sich selbst, durch die Einhelligkeit ihrer Begeisterung, durch den Stil ihres Auftretens dem Bundestag seine Farbe verliehen. Der Bundestag von Hohenberg ist wieder nur die Leistung von wenigen gewesen und hat seine Tönung von niemandem als von der Leitung des Bundes erhalten. Aber doch ist es die innere Konzentration des Gesamtbundes gewesen, die der leitenden Schicht die Möglichkeit gegeben hat, den Plan der Blau-Weiß- Kolonie ernsthaft in Angriff zu nehmen. Die Verhandlungen, die am Bundestag mit der Gruppe Aleph und mit zwei Vertretern der Kwuzah Zwi gepflogen wurden, — gepflogen werden konnten —, haben gezeigt, wie weit man gekommen war. Die frohe Stimmung des Anfangs ist im Blau-Weiß noch nicht erkaltet und hat auch auf den Bundestag von Hohenberg gelegen. Jeder Tag und jeder Monat, der uns bereits wieder vom Bundestag entfernt hat, ist von dieser Stimmung erfüllt gewesen. Der Weg des Blau-Weiß ist bestimmt. Ernsthafte Widerstände von außen gibt es nicht. So geht es auf ihm vorwärts! Die Frage, die von der Zukunft gestellt wird, bleibt immer nur wieder von der inneren Kraft des Blau-Weiß zu beantworten. Von ihr allein wird es abhängen, ob der Bund die Klarheit seines Weges innehält oder ob er sich in der Fülle der auf ihn eindringenden Pflichten verwirrt. Ob er, von einem Kern aus organisch weiterwachsend, sich auch in aller Ausweitung mit Leben erfüllt oder ob er im Organisatorischen allzufrüh endet. Mit einem Wort: Ob der Bund den Aufgaben gerecht wird, die ihm die Geschichte und das Geschick des jüdischen Volkes stellen. Breslau, Ende September 23. Martin Bandmann. 14