Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 6 (1.1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2425321-2425322-2425327--1267-2425529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Bundestag von Hohenberg hatte sich damit begnügen können, festzustellen, wie weit man auf diesem Weg fortgeschritten war. Lag doch, wie im Rechenschaftsbericht der Bundesleitung bemerkt wurde, das „wechselvollste und unruhigste Jahr der Blau-Weiß-Geschichte hinter uns", mit so manchen Seitensprüngen, Sackgassen und Verlusten an kostbarer Zeit. Der Bundestag hat sich damit nicht begnügt. Er hat auch das Kommende nicht bloß in der Stille und im Einzelnen vorbereitet, sondern noch einmal die geistige Grundhaltung des Blau-Weiß in ihrer Gesamtheit aussprechen können. Das Selbstverständliche ist nicht wiederholt, das Unbewußte nicht nur bewußt gemacht, das Bewußte nicht nur vertieft worden. Vielmehr ist es gelungen, nicht von einer größeren Breite 'aus als in Prunn, aber von einer größeren Nahe zur Wirklichkeit und von einer größeren Fülle des Gegenständlichen, von einer stärkeren Verantwortung gegen das Allgemeine aus durchaus neu zu sagen und zu verstehen, was Blau-Weiß ist und was seine Aufgabe. Wer heute mit Verständnis auf Hohenberg zurückblickt, dem wird die Verdeutlichung der geistigen Vorstellungen des Blau-Weiß, zu der die Führersitzung vom 1. August geführt hat, als fruchtbarstes Ergebnis der Tagung erscheinen. Die objektive Erfassung der Welt in ihrer Helligkeit und Klarheit, das Bild des in ihr tätigen, des politischen Menschen und die bundhafte Zusammenfassung aller in einem Zionismus, der auch das Letzte fordern kann, weil er das Letzte in sich begreift, diese Dreiheit von Erkennen, Sich-Auswirken und einheitlichem Handeln für die große Aufgabe unserer Generation ist mit Notwendigkeit der Gegenstand der Besprechungen gewesen. Die aktuelle Besonderheit der Referate ist für den Rückblickenden weit weniger wichtig und hat im Augenblick schon ihren Klang verloren. Nur die Form, in der in Hohenberg die Bildungsfrage des Blau-Weiß formuliert wurde, ist so eng mit dieser Frage selbst verknüpft, daß die Auseinandersetzung an jener nicht vorübergehen kann. Ober einen Kanon der Bildung kann man streiten, bereits über seinen Begriff und seine Zulassung, als über seinen Inhalt. . Daß ein solcher Kanon überhaupt gewagt wurde, bleibt für eine Absicht bemerkenswert, die Grundfrage des Wanderbundes Blau-Weiß, wohin eigentlich seine Erziehung zu führen habe, in jedem geschichtlichen Augenblick immer aufs neue zu stellen. Und dies auch unc gerade in einem Augenblick, in dem alle Kräfte nach einem Jahre lebhaften Kampfes und starker Ausweitung noch immer durch den Ausbau des Bundes im Innern und Äußern so sehr angespannt sind. Darüber hinaus aber zeigt sich die Entschiedenheit, Strenge und Eindeutigkeit, mit der ein gültiger Kanon aufgestellt wurde, als Symptom eines Willens, der gesetzmäßigen inneren Logik des Bundes auch auf jedem Gebiet ihr Recht zu verschaffen. Die Neigung, zu einer einheitlichen geistigen Bestimmung zu gelangen, mußte notwendigerweise in einem Zustand des Bundes sichtbar werden, wo die Einheitlichkeit des Bundeslebens gegen alle Anfechtungen gesichertwar. In der Tat war in Hohenberg das Meiste von dem, was in Prunn noch Forderung, noch Wille, noch Erlebnis war, bereits zum testen Besitz geworden. Was in Prunn noch durchzusetzen war, hatte sich während des Frühjahrs erprobt und war nun bindend und selbstverständlich für alle geworden. Der 13